Angelus Silesius, eigentl. Johannes Scheffler
geb. am 25. Dezember 1624, Breslau
gest. am 9. Juli 1677, Breslau
Biografisches Lexikon der Breslauer Region

Denker, lyrischer Dichter, Mystiker

Angelus Silesius, właśc.  Johannes Scheffler

SCHLESISCHER ENGEL, Angelus Silesius, eigentl. Johann Scheffler lebte und wirkte in Schlesien, vor allem in Breslau. Sein Vater kam aus Krakau, beteiligte sich an vielen Kriegsreisen und zeichnete sich darin aus, wofür verlieh der König Siegmund III ihm und seinen Nachfahren 1557 den Adelstitel. Gegen 1618 kam er nach Breslau, wahrscheinlich aus den Religionsgründen, weil er der lutherischen Konfession war. Im Alter von 62 Jahren heiratete er die Tochter des bekannten Arztes Johann Henemann, die 24-jährige Magdalena Hennemann. Das erste Kind aus dieser Ehe war Johann, der noch eine Schwester Maria Magdalena und einen Bruder Christian hatte. Im Jahre 1637, wenn Johann 13 Jahre alt war, starb sein Vater, und danach zwei Jahre später seine Mutter. Die verwaisten Brüder Scheffler werden am 29. April 1639 Schüler des St. Elisabeth-Gymnasiums, dessen Rektor ein berühmter Gelehrter und ein Liebhaber der Poesie, Elias Major war. Unter den Lehrern hatte ein Rhetoriklehrer, Christoph Köler (Colerus), einen großen Einfluss auf den jungen Johann, in dem er Talent des Dichters entdeckte. Während des Gymnasiums unternahm Scheffler schon die ersten dichterischen Proben, von denen jedoch nicht viele erhalten blieben.

1643 nach dem Gymnasiumabschluss begab sich Johann nach Straßburg, wo er am 4. Mai auf die medizinische und juristische Fakultät aufgenommen wurde. Nach einem Jahr fuhr er nach Leiden in den Niederlanden fürs weitere Studium fort. Hier schloss er Kontakte mit Sekten und mystischen Gemeinschaften. Er machte sich mit Schriften von Jakob Böhme und anderen Mystikern vertraut, was in seinen ersten Gedichten widergespiegelt wurde. Im Herbst 1646 zog er nach Padua um und an der dortigen Universität erhielt er am 9. Juli 1648 den Doktortitel der Medizin und Philosophie.

Im Frühjahr 1649 zog Scheffler nach Schlesien zurück. Hier, wahrscheinlich durch Empfehlung seines Schwagers, des bekannten Arztes Tobias Brückner, erhielt er eine Stellung des Leibarztes beim Fürsten Sylvius Nemrod in Oleśnica. Mittlerweile lernte Johann den in der Burg Bystre in der Nähe von Oleśnica wohnende Abraham von Frackenberg (1593-1652) kennen. Er war Mathematiker, Physiker, Arzt und Theologe, er betrieb auch Alchemie, beschäftigte sich mit Astrologie und Kabbala, aber er war hauptsächlich bekannt als ein geistiger Anführer der „schlesischen Mystiker“. Unter seinem Einfluss vollzog sich Schefflers geistige Entwicklung. Frandenberg führte ihn in die katholische und protestantische Mystik ein, stellte ihm philosophisch-mystische Schriften und Abhandlungen zur Verfügung. Bei ihm lernte er Daniel Czepko persönlich kennen, einen Vertreter der Gedankenströmung von Jakob Böhme und Valentin Weigel, dessen Ansichten weiteres Schaffen von Scheffler beeinflussten.

Am 25. Juni 1652 starb Frackenberg, seine Verzweiflung nach dem Verlust des Freundes drückte Johann im Gedicht „Christliches Gedenken“ aus, das gleichzeitig Beweis seiner innerlichen Verwandlung ist. Der Verstorbene hinterließ Scheffler seine umfangreiche Büchersammlung, in der sich Werke von Ruysbroeck, Blosius, der heiligen Gertruda, der heiligen Mathilde, der heiligen Therese vom Kinde Jesu und des heiligen Johannes vom Kreuz befanden. Nachdem Scheffler einige Fragmente dieser Sammlung aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzte, entschloss er sich sie für Weihnachten als Gebetsammlung zu veröffentlichen. Leider der Hofprediger Christoph Freitag, der das Amt des Zensors ausübte, verweigerte die Erlaubnis diese Sammlung zu drucken, in der er Bedrohung fürs Luthertum als mystische Ideen entdeckte. Infolge des Streites gab er 1652 das Amt des Leibarztes in Oleśnica auf und kam nach Breslau zurück, wo er Arzt des Matthäus -Krankenhauses wurde. Hier schloss er sofort Kontakt mit Führern der sich in Schlesien erneuernden katholischen Gegenreformation. Am 12. Juni 1653 legte er Glaubensbekenntnis in der St. Matthias-Kirche ab und nahm den Vornamen Angelus an, von einem spanischen Mystiker aus dem 16. Jahrhundert, der zusätzlich mit dem Namen Silesius sein literarisches Pseudonym wurde.

Im Jahre 1654 erhielt er vom Kaiser Friedrich III den Titel des Leibarztes. Folge der vieljährigen Überlegungen und Betrachtungen von dem Schlesischen Boten sind seine zwei führenden Werke. „Cherubinischer Wandersmann“ gilt als Sammlung der 1500 christlich-mystischen Aphorismen, in denen Gegenstand der Überlegungen ist Gott als Anfang, Mitte und Ende der Dinge. „Heilige Seelen-Lust“ gilt hingegen als Sammlung der Hymnen, die Schicksal des Erlösers ab seiner Geburt bis zum Tod am Kreuz besangen. Zu diesen Hymnen wurde Musik geschrieben und bis heute werden sie in den deutschen Kirchen gesungen. Das literarische Schaffen vom Schlesischer Engel wird mit der „Sinnlichen Beschreibung der vier letzten Dinge“ und mit einem aus dem Lateinischen übersetzten Werk der holländischen Mystik „Köstliche evangelische Perle“ geschlossen.

Am 29. V 1661 empfing der Schlesische Engel Priesterweihe in Neiße, nahm sich vor, den Brauch der festlichen Prozessionen in Breslau, die bei Anbruch der Reformation aufgegeben wurden, wiederherzustellen. Er leitete selbst die Fronleichnamsprozession (die erste seit 130 Jahren), um Breslauer für den katholischen Glauben zu gewinnen. Er war sehr freigebig, verteilte all sein Vermögen an die Armen, gab Geld für ewige Gottesdienste, heilige Messen und Mahlzeiten für die Armen, erhebliche Gelder bestimmte er für Bau der Kirchen. 1664 wurde er Hofmarschall von Sebastian von Rostöck. In den Jahren 1665-1675 nahm er eine heftige Diskussion mit Protestanten auf, denen er Häresie zum Vorwurf machte, schrieb mittlerweile ungefähr 55 polemische Schriften. Letzte Jahre seines Lebens, körperlich und seelisch erschöpft, verbrachte Angelus Silesius im Kloster der Kreuzfahrer. Er starb am 9. VII 1677 im Alter von 53 Jahren an Tuberkulose. Er wurde in der Matthias-Kirche in Breslau beigesetzt. Die Krypta, in die der Sarg von Angelus Silesius herabgelassen wurde, wurde bei der Belagerung Breslaus im Jahre 1945 von deutschen Truppen in einen Bunker und ein Krankenhaus umgewandelt. Die sterblichen Überreste vom Mystiker wurden wahrscheinlich zwischen Johannes-Nepomuk-Denkmal und die Kirchenwand übergeführt.

Angelus Silesius ist immer noch eine in der Kultur, der Literatur und der europäischen Kunst anwesende Person. Für ihn interessierten sich Leibniz, Schlegel, Schopenhauer, Rilke, Heidegger u. a., sein poetisches Talent hatte einen Einfluss aufs Schaffen von Adam Mickiewicz, der im 8. Band der „Poesie“ Sammlung der Gedichte unter dem Titel „Meinungen und Bemerkungen. Aus den Werken von Jakob Böhme, dem Schlesischen Engel (A. Silesius) und dem heiligen Martin“ stellte. Im Jahre 1991 gab man den Namen vom Schlesischen Engel der Straße in Breslauer Opperau, man benannte nach seinem Namen die im Jahre 1993 gegründete Begegnungsstätte in Breslau, von Jesuiten gestiftet. Darüber hinaus wurde am 28. April 2000 die Gedenktafel für Angelus Silesius neben dem Eingang in die Matthias-Kirche in Breslau enthüllt, im Jahre 2005 gab man hingegen seinen Namen der Staatlichen Fachhochschule in Wałbrzych.


Literatur:

  1. Anioła Ślązaka pątnik anielski : rymy w duchu bogate, stateczne i ostateczne (Des Angelus Silesius Cherubinischer Wandersmann : Geistreiche Sinn und Schlußreime) / oprac. J. Jackowski, Warszawa 1924
  2. Cherubowy wędrowiec (Cherubinischer Wandersmann) / wybór i wstęp J. Prokopiuk, Kraków : 1990
  3. Cherubowy wędrowiec (Cherubinischer Wandersmann), Mikołów 2000.
  4. Cherubinowy wędrowiec (Cherubinischer Wandersmann) / przeł., oprac. i aneksem opatrzył Andrzej Lam, Opole, Warszawa 2003.
  5. Pątnik anielski (Cherubinischer Wandersmann) / wybór A. Szczerbowski i A. Tom, Warszawa 1937
  6. Pieśni adwentowe i kolędy /przeł. i posł. napisał Andrzej Lam. Pułtusk. [Warszawa], 2009.
  7. Wybór wierszy / wybór i posł. Bernarda Antochewicza. Wrocław, 1992

Bibliographie:

  1. Bartodziej, Klaudia. Wokół Anioła Ślązaka. „Zbliżenia Polska – Niemcy” 2001, nr 3, s. 130-132.
  2. Kosian, Józef. Mistyka śląska : mistrzowie duchowości śląskiej Jakub Boehme Anioł Ślązak Daniel Czepko, Wrocław 2001
  3. Kolbuszewski, Stanisław. Anioł Ślązak. „Śląsk” 1948, nr 1-3, s. 1-7.
  4. Kozieł, Andrzej. Angelus Silesius, Bernard Rosa i Michael Willman, czyli sztuka i mistyka na Śląsku w czasach baroku, Wrocław 2006
  5. Lam, Andrzej. Mickiewicz jako tłumacz Anioła Ślązaka. „Przegląd Powszechny” 1999, nr 4, s. 46-61.
  6. Lam, Andrzej. Tłumacz Anioła Ślązaka. „Śląsk” 1998, nr 12, s. 22-24.
  7. Mańko – Matysiak, Anna. Angelus Silesius (1624-1677) – wrocławski poeta – mistyk. „Dolny Śląsk” 1997, nr 4, s. 167-176.
  8. Midziański, Marek. Angelus Silesius – postać zapomniana. „Zbliżenia Polska – Niemcy” 2000, nr 2, s. 135-137.
  9. „Przedziwna to rzecz jest człowiek…” Angelusa Silesiusa myśli o jedności świata ; wybór rozpraw i poezji / red. i słowo wstępne Cezary Lipiński, Wałbrzych 2005
  10. Wierzbicka, Krystyna. „Sam pismem bądź” analiza struktury „Cherubowego wędrowca” Anioła Ślązaka. „Pamiętnik Literacki” 2004, z. 1, s. 39-64.

Katarzyna Zborowska

Übersetzung: Dorian Jarosz




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