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Vermehrte
Hirschbergische,
Merkwürdigkeiten
darinnen so wohl
von der Stadt Hirschberg
Erbauung, Situation und Gegend, Ober=
Regenten, Consulibus, Pastoribus
und Scholæ Rectoribus, Physi=
cis und übrigen Gelehrten Geist=
lichen und Weltlichen Standes,
Allerhand Unglücks=Fällen und er=
littenen Kriegs=Drangsaalen,
nebst deroselben
Weich=Bilds Städten und Dörffern;
als auch von der
Evangelischen Kirche und Schule
gehandelt wird,

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Hoch= und Wohl=Ge=
neigter Leser,

Es sind nunmehro durch GOttes Gnade Achtzehen Jahr verflossen, daß der erste Teil meiner Hirschbergischen Merckwürdigkeiten an das Licht getreten. Der Abgang, hat gewiesen, daß, ob er gleich, beÿ dem Mangel mehrer Nachrichten, sehr unvollkommen gerathen, doch seine Liebhaber gefunden habe.

Freÿlich war man gesonnen, in den nachfolgenden Theilen einem und dem andern Mangel abzuhelffen; darzu man auch allbereit im zweÿten Theile mit dem hierum liegenden Riesen=Gebürge, im dritten Theile aber mit dem Hirschbergischen Warmen=Bade einen guten Anfang gemacht hatte. Nun solten im vierdten Theile die Hirschbergischen Ober=Regenten; im fünfften Theile die

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Hirschbergischen Bürgermeister und Raths=Personen u.s.w. folgen; allein die Sache gerieth ins Stocken, und ich weiß gutt, was mir die meiste Hindernis in den Weg geworffen.

Doch das benahm mir weder den Muth noch den Sinn, vielmehr ermunterte es mich, damit fortzufahren, das mangelhaffte zu ersetzen und alles in beßere Ordnung zu stellen, das übrige aber GOtt und der Zeit zuüberlassen; die haben es so gefüget, daß gedachte Merckwürdigkeiten und um ein ziemliches vermehrter an das Licht treten können.

Jch kan nicht sagen, daß sie von allen Fehlern freÿ seÿn möchten; beÿ so viel Zahlen, Nahmen und Sachen, die sich offt auf unzulängliche und ungewisse Nachrichten gründen, kan leicht ein Jrrthum mit unterlauffen. Wer bessern Bericht in Händen hat, der ändere und beßere, wo und wie es ihm gefället, mir wird durch diese Güttigkeit ein Dienst und großer Gefallen geschehen.

An unbillige Urtheile wird man sich nicht

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so leicht kehren; solte aber über Vermuthen darinnen etwas vorkommen, das iemanden anstößig oder nachtheilig fallen könte, so ist das mein dienstfreundliches Ersuchen, man halte solches vor nicht geschrieben. Man sucht niemanden hiermit zu nahe zutreten, sondern vielmehr einen ieden, voraus dem Ehre gebühret, zu beehren und ihre Verdienste auf die Nachwelt fortzupflantzen; Hernach ist man erböthig, solches in einem besondern Anfange, zu eines ieden Vergnügen zu wiederuffen, zu ändern und zuverbessern.

Man wird sich dessen nicht schämen, nennet man diese Merckwürdikeiten nur vermehrte nicht verbeßerte; womit man zur Gnüge zuerkennen giebt, daß sie beÿ ihrem Anwachse, noch vieler Verbeßerung nöthig haben. Mein geringer Vorrath, wie auch andere Umstände, als Zeit, Amt, Alter und Kräffte gestatten mir das letzte nicht, so willig und so begierig ich mich bis hieher zum ersten finden lassen.

Was ich besonders desiderire, ist dieses, daß alle geschriebene Nachrichten, von unser guten Stadt verlohren gegangen, oder doch in

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solche Hände gerathen, die sie lieber zu als aufdecken. Gewiß ist es, daß die trübseligen Kriegs=Zeiten, das meiste, wo nicht alles, aufgerieben haben; und ist höchlich zuverwundern, daß sich beÿ dem gäntzlichem Ruine unserer Stadt noch etwas erhalten können.

Um so viel desto lieber solte uns demnach das Wenige, was etwan übrig geblieben seÿn; und da göttliche weise Vorsorge unsere liebe Stadt Hirschberg nicht in der Asche liegen lassen, sondern vor andern Städten dieser beÿden Fürstenthümer wieder hervorgezogen und also empor gehoben, daß ihr Nahme nahe und ferne, man möchte sagen, in allen vier Theilen der Welt bekandt und berühmt worden: So dürffte sie es noch wohl werth seÿn, daß man sich einige Mühe ihrentwegen mache.

Jhro schöne Situation und umliegende Gegend meritiret betrachtet zu werden; Jhre Fürsten, von denen sie so viel Begnadigungen erhalten, müssen in das Buch der Ewigkeit geschrieben werden; Jhre weisen Väter, die ihr Auffnehmen so rühmlich besor-

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get, verdienen unsterblichen Danck. Was Kirche und Schule an den Seelen gethan und wie bemüht sich die Herren Stadt =Physici vor die leibliche Gesundheit erwiesen, wird immer in rühmlichen Andencken schweben; Wie berühmt die Gelehrten geistlichen und weltlichen Standes, die hier gebohren, unsere Stadt, weit und breit gemacht, kan mit Stillschweigen nicht übergangen werden. Der ausgestandenen Trübsaalein muß man auch nicht vergessen. Und warum solte man nicht auch der umliegenden Weich=Bilds=Städte und Dörffer erwehnen. Sind endlich überhaupt GOttes Wercke zupreisen, so wird uns niemand verüblen, daß wir zuletzt der Evangelischen Kirche und Schule vor der Stadt mit gedacht, zu keinem andern Ende, als daß GOttes hochheiliger Nahme und herrliche Thaten unendlich gepriesen werden.

Das wird der Jnhalt seÿn, deßen, was man in gegenwärtigen Vermehrten Hirschbergischen Merckwürdigkeiten zu suchen hat, welches in zwölff ordentlichen Theilen wird können abgehandelt werden. Und zwar

Jm ersten Teil von der Stadt Hirschberg

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Erbauung, Benennung, Situation, Beschaffenheit und Gegend;
Jm zweÿten Theile von den Hirschbergischen Ober=Regenten;
Jm dritten Theile von den Hirschbergischen Bürgermeistern und Raths=Personen;
Jm vierdten Theile von den Hirschbergischen Parochis, Pastoribus oder Stadt=Pfarren und Scholæ Rectoribus;
Jm fünfften Theile von den Hirschberg Stadt=Physicis;
Jm sechsten Theile von den übrigen Hirschbergischen Gelehrten, Geistlichen und weltlichen Standes;
Jm siebenden Theile von allerhand Unglüchks=Fällen und erlittenen Krieges Drangsalen;
Jm achten Theile von den Hirschbergischen Weichbilds=Städten, Schmiedeberg, Kupfferberg und Schönau, wie auch von der Herrschafft Arnsdorff;
Jm neundten Theile von den übrigen Hirschbergischen Weichbilds=Herrschafften als Kÿnast, Girschdorff, Kemnitz und Dörffern;

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Jm zehenden Theile von der neuen Evangelischen Kirche und ihren ersten Lehrern;
Jm eilfften Theile von der neuen Evangelischen Schule und einigen andern Begebenheiten;
Jm zwölfften Theile von den Leichen=Schriften in und an den Grüfften und auf den Leichen=Steinen auf unserm Evangel. GOttes=Acker

GOtt, der Allerhöchste Welt=Regierer, gebe unserm Kaÿser und aller Obrigkeit Friede und gut Regiment, daß wir unter Jhnen ein geruhiges und stilles Leben führen mögen, in aller GOttseligkeit und Erbarkeit. Geschrieben auf der Schule vor Hirschberg, von Anno 1738.

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Vermehrter
Hirschbergischer
Merkwürdigkeiten
Erster Theil
darinnen
von der Stadt Hirschberg
Erbauung, Situation
Beschaffenheit und Gegend

gehandelt wird.
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I. Erbauung.

Hirschberg, die Käyser= und Königliche Weichbild=Stadt, zum Fürstenthume Jauer, im Hertzogthum Nieder=Schlesien gehörig, am böhmischen Gebürge, ist schon Ao. 1108 und also vor nahe mehr, als sechshundert Jahren von Hertzog Boleslao III. oder Distorto, einem Polnischen Ober=Regenten und streitbarsten Helden seiner Zeit, mit Mauern umgeben worden. Man vermuthet solches aus den Worten des Ambrosianischen Lob=Gesangs, welche auf einer Taffel des alten Altars hiesiger Haupt=Kirche aufgezeichnet gegewesen:

et beneDIC hÆreDItatI tVÆ hILff VnD seegne DeIn ErbtheIL.

Denn daraus kömmt die Jahr=Zahl 1108. Hiernechst weil er wieder die Böhmen stets wehrende Kriege soll geführet haben, so wäre wohl möglich, daß er die fürnehmsten Städte gegen Böhmenwerts, darunter auch Hirschberg begriffen, habe erbauen, erweitern und befestigen lassen; gleichwie nachgehends von Boleslao Calvo um

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ein merkliches gebessert worden. Wiewohl etliche alte Schrifften melden, daß, ehe und bevor die Stadt mit Mauern umschlossen und befestiget worden, sie Ao. 1002 ein geringer Marck=Flecken gewesen.

2. Benennung.

Zeilerus in Jtinerario Germaniæ bemercket, daß Hirschberg solchen Nahmen von der Hirschen Wildbahn, die vor Zeiten hierum, ehe die Gebürge und Wälde so dünn gemacht worden, gewesen, bekommen habe. Welches Merianus in Topographia Silesiæ mit gleichen Worten bekräfftiget; Worinnen diese beÿde dem Schikfusio nachgegangen. Fechnerus beschreibet in Sylv. Elis. den dücken Wald, der vor Zeiten hierum gewesen und die Dornhecken, die um den Bober gestanden, desgleichen die beqvemen Lagerstäte, welche die Hirsche und wilden Schweine in den schattigen Thälern gefunden, wie nicht weniger den Fleiß der Jäger, die solchem Wilde nachgestellet.*) Meldet daselbst ferner, daß Bolco

*) Hic locus Hirschbergæ, qvem moenia clara coronant Temporibus priscis lucus opacus erat.
Aspera Boberum stipabant undiqen tesqva Miti pastorum non adennda gregi.
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oder Boleslaus, der berühmte Held, weit und breit die Bäume habe lassen wegräumen und auf den Hügel, wo die fürnehmste Wild=Bahn gewesen, eine Stadt zu bauen angefangen, welcher an den Nahmen Montem Cervi oder Hirschberg gegeben.**) Aus welcher Benennung er folglich ein gut Omen macht:

Sortes nosce tuas, Hirschberga, vicesqen secundas:
Non nudum nomen, svave sed omen habes
Jngenium Cervi retines velocis, alacri,
Otia mente fugis desidiæquen moras
Textricis studiis intenta subinde Minervæ
Artifici vendis lintea texta manu.
Nec pigra Mercurii foecunda negotia tractans
Venaris qvæstus, fertilioris opes.
Faustum o venatum! Qvod non dat dia Diana,
Hoc tibi fert Hermes, Pallas et alma lucrum.
Præbebant Degasin latebrosa cubilia saltus Vasti, Sylvivagis et stabula hirta feris
Errabant nemorum Dictinna per avia cervos Figere et agrestes sternere gnava sues.
**) Non tulit ulterius faciem deformis eremi
Bolco; Piastei, gloria summa lates.
Cæsis hic late sylbis latebrisquem, ferarum
Nobile concendæ suscipit urbis opus.
Hant locat in clivo Cervorum indugine noto
Et montem Cervi nominitare jubet.
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Erkenne dein Glück, besinne was du bist.
Dein Nahme Hirschberg, der voll guter Deutung ist,
Zeigt deine Munterkeit, dein aufgewecktes Wesen
Und giebt der Nachwelt diß, zu deinem Ruhm zulesen,
Daß träger Müssiggang hier nicht bestehen kan.
Man seh die Kauffmannschafft in ihrem Flore stehen,
Damit erjagt sie sich, was? Lauter Wohlergehen.
O! höchst=beglückte Jagd, Dianna thuts hier nicht,
So gut sie ihre Jagd auch sonsten eingericht.
Mercur und Pallas zeigt sich hier mit vielen Gaben,
Von jenem soll sie Gold, von diesem Weißheit haben.

Mit dieser Benennung stimmt Naso in Phoen. überein, nur meinet er p. 182, daß Hirschberg solchen Nahmen von denen darbeÿ gelegenen Bergen und reichen Hirsch=Bahn erhalten habe.

Wiewohl Hr. Uhse die Meinung nur vor eine Vermutlung hält, wenn er meldet: Hirschberg habe vermuthlich den Nahmen von der Hirschen Wild=Bahn, als dem Orthe , worauf sie erbauet worden, erhalten; Welches eben in Lucæ Schles. Denkw. Part. IV. c. III. p. 951 zu lesen. Henelius setzet dieser Vermuthung noch eine andere beÿ, nehmlich ob

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Hirschberg seinen Nahmen nicht etwa von einem Bergwercke, welches vor uhralten Zeiten hierum möchte seÿn gebauet worden, herführen könte. Dem gleichwie etwan Löwenberg seinen Nahmen von Löwen, nicht daß man iemahlen Löwen daselbst angetroffen, sondern weil die Berg=Leute gewohnet wären, die Gegenden, wo sie Bergwercke gebauet, zum Unterschiede der andern, mit den Nahmen gewisser Heiligen, oder auch gewisser Thiere zubelegen, welches man aus dem Nahmen Freÿberg, Anneberg, Marienberg, Joachimsthal, Gülden=Esel u.s.w. erkennen kan, daß es dahero, wie mit Löwenberg, also auch mit Hirschberg und Greiffenberg vielleicht gleiche Bewandtniß hätte.*)

Jn einer geschriebenen Chronica über die Herrschafft Trautenau und Schatzlar in Böhmen, welche in der Hoch=Reichs=Gräffl. Schaffgotschischen Bibliothec zu Hermsdorfff zu befinden, steht cap. 9. daß ohngefehr An. 1005 oder etwas

*) Cervimontium sive â cervorum, qvi freqvens istheic olim, sive aliam ob causam â metallicidis sic dictum. Welches der gelobte Hr. Observator also erleutert: Qvod â metallicidis id nominis adepta sit, ex iis conjicitur, qvæ Henelius de etymologia Leobergæ scribit: Leoberga, inqvit, manifesta nominis derivatione â Leone, qvasi nimirum mons Leonum: non qvod Leones hic extiterint, sed juxta metallicorum consvetudinem, qvi certos fodinarum metallicarum districtus vel divoram ac divaram veletiam bestiarem nominibus insignire inaireqen disernere solent, ut : in Freyberg, Annaberg, Marienberg, Joachimsthal, gülden Esel ac forta his etiam Hirschberg et Greiffenberg videre licet.
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zuvohero eine grosse Rotte von Mestochs, eines Polnischen Hertzogs, Kriegs=Volck, aus Böhmen über das Rießen=Gebürge gezogen, gegen Mitternacht, und sich auf das Wasser, Bober, gelegt, daselbst ein Polnischer Herr eine Stadt Zubauen angefangen, der Pan Gelink, zu deutsch, Herr Hirsch geheissen. Wann dieses Document richtig wäre, wo würde man eine nähere Nachricht von dem Erbauer und Nahmen der Stadt haben, als die vorhergehenden Scriptores angezeuget. Wir haben oben gemeldet, daß Hirschberg schon im Jahre 1002, nach dem Berichte etlicher alten Schrifften ein geringer Marckt=fleck gewesen. Die Jahr=Zahlen treffen nicht uneben und Bolco hätte hernachmahls dieselbe in Ansehung ihrer schönen und beqvemen Lage, um so viel destomehr zu einer considerablen Grentz=Vestung, nach damahliger Zeiten Beschaffenheit, machen lassen. Beÿ so bestalten Sachen dürffte unsere Stadt Hirschberg um hundert Jahr älter seÿn, als sie insgemein gemacht wird. Doch muß sie mit dem Hirchberg in Böhmen, sonst Dona genannt, welches eine Stadt und Schloß im Buntzlauer Kreiß ist, nicht confundiret werden.

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3. Befestigung.

Jhre Befestigung bestehet in einem tieffen ausgefütterten Graben, doppelter Mauer, vielen Pasteÿen und dreÿ rundten ThorThürmen. Jm dreÿßig=Jährigen Kriege wurde sie mit vielen auf einander Flanqvirenden Schantzen, ietem mit Brustwehren, Abschnitten und andern zu damahligen Zeiten üblichen Fortifications=Wercken verwahret; Welche euserliche Befestigung man aber nach erfolgtem Friedens=Schluß wiederum rasiren und eineben zulassen vor diensam befunden. Wiewohl beÿ etlichen und dreÿßig Jahren her schöne Gärte und Häuser an den wüsten Stellen angeleget und dahin gebauet worden.

Hat dreÿ=wohlverwahrte Stadt=Thore. Gegen Morgen das Schilder oder Schildauer=Thor, von der Straße, die von diesem Thore auf einen benachbarten ansehnlichen Ritter=Sitz, mit Nahmen Schildau, gehet, also benennet, davon auch die beÿden Gassen in und außer der Stadt, die an dieses Thor stossen und nach Schweidnitz und Breßlau führen, den Nahmen haben. Unter oder zwischen dem Thore stehet ein Kirchel, das St. Annen=Kirchel genannt, welches zum Gebrauch repariret worden; deßen Thürmgen hat eine Glocke, welche auf begehren, geläutet wird,

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wenn Sterbende in letzten Zügen liegen. Ao. 1480 am Abende St. Barbara fiel der Schildauer Thurm ein und erschlug fünff Personen jämmerlich; Hat auch im großen Brande Ao. 1549 viel gelitten. An. 1597 wurde er aufs neue wieder zugerichtet, mit weissen Blechen gedeckt, darnach grün angestrichen und zweÿmahl durchsichtig gemacht. Dazumahl ist auch eine Seiger=Glocke, welche stündlich muß gezogen werden, darauf geschencket worden. Nicht wenig hat er auch im großen Brande Ao. 1634 und beÿ der folgenden harten Belagerung erdulden müssen; So stunde er auch Ao. 1660 Mittwochs vor Christia Himmelfahrt in großer Gefahr; denn es ging unter gehaltenem Wochen=Marckte um 10 Uhr Vormittags ein unversehen Feuer, auf der Schilder=Gaße in der Stadt auf, wodurch fünff Häuser bis an den Schildauer Thurm ergriffen worden, der aber durch göttlich Hülffe und der Bürger fleißige Wehr und Einschlagung der Dächer noch abgewendet wurde. Noch etwas merckwürdiges findet sich beÿ diesem Schildauer Thurm; das ist die eiserne Stange, die man oben, auf hienaus zu, siehet, damit hat es diese Bewandniß: Als Ao. 1663 der Türcke in Ungarn starck einfiel und die Haupte Vestung Neueheusel wegnahm,

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muste das Land Schlesien unverzüglich, so wohl zu Pferde als Fuß starck werben. Wie nun hiesiger Stadt Hirschberg ihr Contigent auch zugetheilet ward, ließ sich dazumahl ein hiegen, so vormahls auch in Käyserl. Diensten gewesen, seines Handwercks ein Sattler zu Pferde unterhalten. Als nun solche Mannschafft abgeführet wurde, sagte einer von der vornehmsten Bürgerschafft zu ihm: Wenn er wiederkommen und einen Türcken=Kopff mit bringen würde, wollte er ihm hundert Gulden schencken. Dieser hat das Versprechen nicht aus der Acht gelassen. Als das Treffen mit den Türcken mit den Türcken scharff angehet, nimmt er sich einen gewesenen Vornehmen Türcken vor und erleget solchen auch, löset dessen Kopff gleich ab, steckt den mit einem langen Zopff abgehauenen Kopff in einen Sack, mit etwas Mehl inwendig bestreut, dergleichen er schon in Paratschafft gehabt, und nimmt ihn zu Pferde mit sich, welchen er nach vollbrachten Treffen beÿm Feuer und Rauch abgedorret hat. Als er nun nach dem Friede abgedancket wurde, brachte er diesen Türcken=Kopff, nebst glaubwürdigem Attestato von seinem Officir, daß er solchen Türcken selbst erleget, mit anher; Da denn ein Vergleich mit ihm um die hundert Gulden getroffen, darbeÿ er von vielen, so wohl Adelichen, als andern Personen beschencket worden ist. Nachmahls hat solchen Kopff Wohl=

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Edler Rath mit einem Türckischen Bunde von Holtz auf eine eiserne Stange zum immerwehrenden Andencken auf den Schildauer Thurm aufstecken lassen, der nachgehends durch Wind und Wetter verfaulet und abgefallen; die eiserne Stange aber zum Gedächtnis übrig blieben, biß An. 1738 da der Thurm renoviret, die Stange aber weggenommen worden.

Die Gasse vor dem Schildauer=Thore hierhaussen ist mit feinen Häusern gezieret, die sich fast täglich nachbessern, und zeiget auch den Weg zu Evangel. Kirche und Schule. Beÿ diesem Thore in der Stadt lieget auch die so genannte Juden=Gasse, ohne Zweiffel von den Juden, die ehemahls diese Gasse mögen bewohnet haben, also benennet. Das muß noch im fünffzehenden Seculo geschehen seÿn; denn diese haben sich schon im vierzehenden Seculo in Schlesien so übel aufgeführet, daß sie Ao. 1360 zu Breßlau größten Theils am Tage Jacobi sind umgebracht worden. Nachgehends gab man ihnen Schuld, als wenn sie eine geweÿhete Hostie verunehret hätten, davon man ein curiöses Bild in der Schweidnitzischen Stadt=Kirche beym hohen Altar beschauen kann, deswegen iher am 2. May Ao. 1453 in Breßlau, Schweidnitz, Lemberg und anderen Orthen durchs gantze Land übel gewartet worden. Was in Schweidnitz vorgegangen, erzehlet Naso in Phoen. p. 120. Ohne Zweiffel sind die Juden damahls auch aus unser Stadt vertrieben worden,

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dergestalt, daß von selbiger Zeit an von ihnen allhier weiter nichts übrig blieben, als der Nahme dieser Gaße.

Gegen Abend liegt das Burg-Thor, von der Burg, die vor alten Zeiten auf dem Haußberge gestanden, also benennet, davon auch zweÿ Gassen in der Stadt nehmlich die Lichte= und Dunckle= Burg=Gasse, so ietzo beÿderseits mit schönen Häusern gezieret sind, dem Nahmen bekommen. Darüber vor Zeiten diese Verse gestanden:
Straverunt alii nobis, nos posteritati,
Sic prius acceptum reddimus osseccum.

Die vor unser Zeit gelebt, haben diesen Bau bedacht,
Und wir nehmen unser Pflichten vor die Nachwelt auch in Acht.

Also wird der Alten Anstalt durch uns angenehm gemacht.

Vid. Frider. Scholtzii Jlias malor. Svidnic. p. 34. Dieser Thurm hat gleichfals im großen Brande Ao. 1549 großen Schaden gelitten, wurde Ao. 1550 den 16. Jan. wieder aufzurichten verdinget; allein am 13. Febr. fiel er in der 15 Stunde beÿ Tage der Stadt=Mauer gleich ein, dadurch dreÿ Personen, welche daran arbeiteten, jämmerlich ums Leben kamen, zweÿ andere wurden beschädigt, aber doch noch beÿm Leben erhalten. Jst erst Ao. 1584 wieder erbauet und renoviret, zuletzt Ao. 1738, weil er sehr baufällig worden, war aufs beste repariret

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worden. Beÿ dem sogenannten Bienen Feuer Ao. 1616 stund dieser Thurm auch in großer Gefahr, wie denn schon harte darbeÿ im Rondel zu brennen angefangen.

Gegen Mittag stehet das Lang=Gassen=Thoren, von der langen und breiten Gasse in der Stadt, daran das Thor stösset, und die auch mit schönen Häusern pranget, also benennet; Zeiget den Weg nach dem Begäbnis=Kirchel zum heil. Geiste und die Strasse nach Warmbrunn. Auf dem Thurme ist in den alten Zeiten das Pulver vor die gemeine Stadt in Verwahrung gehalten worden. Heute zu Tage zeiget er noch eine sonderbahre Rarität, indem er oben dicker als unten ist, und diese wissen etliche so groß zu machen, daß sie diesen Lang=Gassen Thurm deswegen vor das Wahr=Zeichen der Stadt Hirschberg halten wollen. Wiewohl andere den von lauter Qvader=Stücken schön erbauten hohen und starcken Kirchthurm, der gewiß vor alten Zeiten der Stadt eine besondere Zierde mag gegeben haben, und nunmehro würcklich wieder giebet, noch vor eine größere Rarität halten wollen, weil ein Heu=Wagen mit sechs Pferden, bespannet, ohne anzustossen, ich will nicht sagen, darunter umkehren, sondern füglich hinfahren können.

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4. Lage.

Sie liegt nach der Länge von Abend gegen Morgen, nach dem Bober=Fluße, wo der Zacken darein fleust, auf einer lustigen Höhe, sieben Meilen von Lignitz, sieben Meilen von Schweidnitz, vier Meilen von Jauer und vierzehn Meilen von Breßlau. Jhre Longitudo ist 36 Grad 32 Minuten: ihre Latitudo 50 Grad 50 Minuten.

Der Bober hat seinen Ursprung im Schweidnitzischen Fürstenthume und Landeshuttischen Weichbilde, in einem fünstern Walde beÿ Schatzlar, da vor alten eine Glaßhütte gestanden. Zwinget u. windet sich durch Berg und Thal, berühret Landeshutte und Kupferberg und als er unsere Stadt gegen Mitternacht begrüsset, verschlucket er den lautern Zacken=Fluß sammt seinem Nahmen, passiret weiter nach Lähn, Löwenberg, Buntzlau u. Sagan, vereiniget sich beÿ Crossen mit der Oder und übergiebt daselbst seinen Nahmen. Führet ein helles klares Wasser, außer wenn er sich ergeust und hat an den meisten Orthen einen sandigten Grund, treibt nicht nur große Mahl=Mühlen, sondern auch um Sprottau und Sagan insonderheit berühmte Eÿsen=Hammer, soll viel Gold beÿ sich führen. Diesem Bober=Fluße hat

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Fechnerus in Sylv. Elys. die Ehre angethan, seiner in einem besondern schönen Gedichte zugedencken, welches der Hochgelahrte Hr. D. Lindner, ein berühmter Medic. Practic. allhier und Naturæ Curiosus Ao. 1737 im nette deutsche Verse übersetzt und weyl. Hr. Joh. Martin Gottfried, weitberühmten Kauff und Handels=Herrrn, Hochverdienten Aeltesten der Hirschberg. Kauffmannschafft und Hochansehnl. Vorsteher der Evangel. Gnaden=Kirche und Schule vor Hirschberg zugeeignet hat, welche mehr bekandt zu werden verdienet.

Nimmt seinem Ursprung am Riesen=Gebürge:
Ardua Bojæmos ubi cingit Slesia montes,
Hirtaqen Sudetes attollunt culmina coelo,
Est ramosa domus Dryadum prasinumqen cubile,
Herciniæ retinens penitus vestigia sylvæ
Hic liqvidum caput è crena saliente
Boberus
Exerit, et prona defundit jagis aqvæ vim
Ex Urna
. Dices argentum fusile Flavo
Auro permixtum gremio prorumpere
Vestæ
Molli; virgineæ sic splendet nobilis humor
Lymphæ.

Wohnt ihr Wald beherrscherinnen, wohnt ihr Drÿaden allhier?
Wo des alten Hartzgepüsches und der Riesenberge Zier

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An den Gränzen Schlesiens mit dem innigsten Behagen
Seitwärts an das Böhmerland aufwärts in den Himmel ragen?
Ja! hier wohnt ihr. Ja hier schlaafft ihr. Ja! hier
schmückt ihr euer Haus,
Theils mit krummgebognen Aesten, theils mit Gras
und Laubwerck aus.

Euch zur Anmuth, euch zur Lust muß aus diesen
schönen Stellen
Unser heller Boberfluß aus den reichen Küfften qvellen.

Nimmt andere Wasserlein zu sich und berühret Liebau:
Mox rivis socialibus auctus
Procedit patulos
, nemorum natale penitra I
Linqvens
. Non illum Satyrorum spurca juventus,
Sed Charitum ter amoena trias comitatur euntem
Ambitenim lapsu leni rus mite
Lubavæ
Cur genialis amor venerisqen lubentia svavis
Ut veteres perhibent
, peperit me memorabile nomen.

Gold und Silber blitzt im Fluße, kaum so blendend
kaum so schön,
Als wohl hier die lautern Wasser aus der weichen
Erde gehn
Und mit ihrer Spiegel=Fluth, o! wie soll ich sie doch
nennen?
Schimmernd, gläntzend und bergab in die offnen
Felder rennen.

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Hier erscheint kein geiler Waldgott. Hier erscheint
kein grimmig Thier.

Nein! Das Kleeblatt holder Schwestern, nein! die
Charites sind hier.

Allso fleußt der helle Strom mit dem angenehmensten
Triebe,
Schon von grauer Zeiten her, voller Liebe nächst der
Liebe.

Fleust durch grüne Sträucher und Felder:
Nec fallunt Veteres. Tristi non horret eremo,
Non dumis sqvalet salebrosis ripa Boberi
Hic caput extollit frondosum popolus atta,
Unde sibi sumsit victricis præmia pugnæ
Claviger
Alcides, lauri adspernatus honorem:
Jllic extendit tremulum Phäetontia culmen
Alnus
, utrumqen latus lentis præciacta salictis
Arbustum stipant segetes et florida prata,
,
Pulcrum ut certamen Cereris palesa videri
Detus in hisce locis
, qvos permeat alma Bohebris

Weg! hier können keine Wüsten, weg! hier kann kein
Dornstrauch stehn.

Unsers Flusses schönes Ufer muß durch lauter
Anmuth gehen.

Hohe Pappeln spreußt euch doch! eure Zuge
spitzte Höhen
Können nirgends artiger, als um unsern Bo
ber stehen.

| 0032|

Herkules! du held der Götter! liebst du keinen
Lorber nicht?
Komm hieher! hier sind die Pappeln für den Kampf
krantz zugericht.

Auch die Erlen prangen hier, und ihr zitterndes
bewegen,
Wenn sich nur ein Lüfftichen rührt, weiß von nichts,
als Lufft und Segen.

Ja! was sagt die Zähe Weide, so des Flusses Bug umb
krümmt?
Nichts; als daß der holden Gegend keine Trifft
den Vorrang nimmt.

Wirklich! Wiesen, Bäum und Saat, und ihr Wun
derschönes Wesen
Prangen hier so allerliebst, so vortrefflich, auserlesen,
Daß die Ceres mit der Pales fast beständig Kriege führt,
Weil ietzt dieser, itzt auch jener Beyfall, Rang und
Ruhm gebührt.

Umfleust Landeshutt:
Testis adest urbs Landshutti, spectabilis olim
Elysiæ custos oræ, qva surgit in Austros,
Hostiles patriæ defendere jussa rapinas; ;
Scilicet hoc nomen loqvitur proditqen vetustas. .
Fluminis illa sui dicet tibi commoda, dicet , dicet
Munera
Boberi vicinia tota benigni
Zeuge, du beruffne Stadt, die du einst auf deinen Höhen
Für des Landes Sicherheit auf der Wache mustet stehen:

| 0033|

Landeshutt! du alter Hüttplatz! Zeige, sag ich, was
für Pracht,
Was für Gütte, was für Anmuth um den nahen
Bober lacht.

Zeige, was er dir für Frucht, was er dir für
Vortheil bringe,
Und wie artig, und wie schön er sich südwärts
um dich schlinge.

Hat einen herrlichen Vorrath an Fischen:
Ast ego dum dimitto vagos per singula visus,
Qvid primum memorem dubius, qvo fine qviescam,
Hæreo: Tanta mihi variarum copia rerum
Præsto est
. Qvis valeat numero comprendere simas.
Gentes, qvas gremio fovet in prægnante Bohebris.
Leuciscos tacitos taceo, et solatia mensæ
Vulgaris tincas
, qvæ decoctoris Apic I
Jngluvies spernit
, saliares amnis hic offert
Delicias
, offert trattam rutilantibus astris
Signatam latus et dorsum, svavia, sapore
Gratam
; offert mullum, qvalem irritante saliva,
Nescio, qvis luto, Romæ sex millibus emit.
Non sapiet melius mihi Ponti transfuga salmo,
Vel sale conditus fatuo sardellus halexq,
Crudus, Boberi qvam gobio captus in undis,
Vel lupus amnivagus, vel perca datura salubrem
Escam
. Sic nutrit flumen genitale probinqvos
Jndigenas
, promitiqen sinu vel littore profert
Largiter irriguo qvod postulat esus et usus
.

| 0034|

Jtzo fehlt es mir an Worten! Denn indem ich weiter geh
Und auf denen hohen Ufern unsers blancken Stromes steh;
Ach so seh ich überall mit dem innigsten Vergnügen
Vorrath, Fülle, Glück und Wohl! sonder Zahl und Ende liegen!
Schützt mir doch die nassen Völcker! Schätzt mit doch
der Fische Werth!
Die des Bobers krummer Umfang, die sein schwangrer
Schooß ernährt.
Übergebt die Pöbelkost. Uebergebt die glatten Schleÿen.
Laßt den Weisfisch unerwähnt. Schweigt der armen Leckereÿen!
Unsers Flusses helles Wasser, unsers Stromes schnelle Fluth
Hegt weit andre Köstlichkeiten, als sein eigenthümlich Gutt
Seht! Hier wohnt der seltne Filsch. Seht! dieß ist die frische Stelle!
Seht! dieß ist der Wasserfall, wo die köstliche Forelle
Mit den rothbepünkten Seiten, deren Glanz, wie Feuer, blinkt,
An dem rauschenden Gestrudel munter in die Höhe springt.
Seht! hier streicht, und schiebt und schüßt mit der silbergleichen Farbe,
Seht! hier steht, und lauscht und schwänzt die so hoch gepriesene Barbe;
die wohl einst ein reicher Schlemmer für gar unvergleichlich mild,

| 0035|

Und in Rom sechstausend würdig, ja! vielleicht noch höher hielt.
Preist, ihr Lüsternen, den Lachs! Preist des Meeres fremde Fische!
Setzt den Hering, die Sardell auf die vollgefüllten Tische.
Unser Bober lacht der Sehnsucht. Unser Bober lacht der That;
Weil sein Strom weit beßre Sachen, oder doch der gleichen hat.
Kostet doch der süssen Hecht! Kostet doch das milde Wesen,
Das euch Perbst und Gründel giebt! Schmeckt es denn nicht auserlesen.

Deßen Ufer fette Weide und Unterhalt darreichet:
Pascua læta virent passim, ripamqen coronant
Mitem dulce
Pales gemmantia regna benignæ
Errant buceriæ pecudes per roscida rura
.
Errant lanigeræ patulis in collibus agnæ.
Pascitur hinc pastor, cui nunqvam copia lactis
Pressi vel liqvidi defit
, recreetur ut ægrum
Corpus. At alma seges
Cerealia munera frugum
Sufficit, ac hortus satura bellaria lance
Ex hibet, at taceam carnes præstare saginam
Hochbeglückte Bobernachbarn! da der Strom so herrlich nährt;

| 0036|

O! was hat euch denn sein Ufer für Beträchtlichkeit beschert?
Gleiche Fülle, gleiches Gutt, gleiche wunderschöne Sachen.
So das Hertz und Auge froh, und die Wirthschafft glücklich machen.
Gebt doch auf die bunten Matten, gebt doch auf die Fluren acht!
Seht! wie grünet? seht! wie glänzet? seht! wie spreußt sich ihre Pracht?
Seht! wie schweifft hier Kuh und Lamm? seht! wie
muthig springen beÿde?
Dieses an der offnen Höh; jene durch die frohe Weide.
Seht! wie strotzen ihre Brüste? seht nur! wie das Eiter paust
Seht nur! wie der munter Hirte Ram, und Milch und Käse schmaust?
Seht! was bringt das fette Feld für Gedeiensvolle Früchte?
Seht! wie stehen Saat und Korn frisch und geil, und hoch und dichte?
Seht! was liefern uns die Gärte für so manche Seltenheit?
Hier ist alles voller Vorrath, alles voller Köstlichkeit.

Heget köstlichen Gold=Sand
His potiora bonis Phasis non fudit opmus
Nec
Tagus aurifluus. Sed qvis volvisse negabit
turi grana meri fundo in lacente Bohebrum
?

| 0037|

Nam si non volvit, potuit volvisse videri.
Nemo metallorum mineras hoc temporis aude
Scrutari
, et gremium Vestæ penitrare, qvod æris
Jnvestigatrix tentavit
Cyproris, unde
Nomen ad huc retinet magna cum laude vetustu
Nunc aliunde lucrum non pigra
Silesia promit;
Et cumulat melioris opes dotesquem pecall I
Dulces, qva proprias sibi Numine possidet æqvo

Reiches Phasis! so viel Glück, reicher Tagus! so viel Segen
Wird wohl keine unter euch neben, in und um sich hegen!
Pocht auf eurer Ströme Goldsand! preist die silberfarben Fluth!
Unsers Bobers reiche Gründe hegen auch dergleichen Gutt;
Nur der Menschen Uebersicht und ihr schlaffriches Bemühen
Mag den Goldgediegnen Korn nicht mehr in Betrachtung ziehen.
Ehmals war der Eifer grösser, Ja, man drang durch Fels und Stein
Nach den kostbaren Metallen in der Erde Marck hinein
Jetzo sucht man diesen Schatz durch ein anderes bestreben
Auch in diesen Gegenden auf der Fläche zu erheben;
Man durchwühlt nicht mehr die Erde. Schacht und Klüffte bleiben leer.
Jtzo holt man Gold u. Gütter aus der reichen Ferne her.

| 0038|

Um den Bober wird schöner Flachs gezeuget:
Tota sub Austrinis qvæ panditur Alpibus ora
Elysiæ terræ, qvam longa ambage Boberus
Permeat, et Qvisus, sinnoso limite claudit,
Offert crispanti spectanda novalia lino
Consista
, qvæ fundunt larga emolumenta colonis.
Ætas hic omnis studiis operata Minervæ
Textricis, fusos sollerti pollice trectat,
Plena et fila colu: properans absolvere pensum
Penelope melius, melius deducit Arachne
Wo die Alpen Schlesiens, wo der Riesenberge Höhen
Und der Thäler weiter Kreiß südwärts gegen Böhmen stehen;
Wo des Bobers langer Umschweiff durch die schönen Felder flüßt:
Wo der Qveiß die krumme Gränze mit verzognem Strome schlüßt;
Eben hier pflegt, was für Glück? Lein und Flachs in vollen Saaten
Auf den künfftigen Verdienst, gar vortrefflich zu gerathen.
Seht! hier blüht der schöne Handel; Seht! hier gilt Minervens Witz?
Seht! hier haben Kunst und Wisssen ihren gar besondern Sitz.
O! wie eifrig sucht man hier, o! wie müht man sich zu Spinnen,
Vortheil, Brod und Geld und Gutt unablässig zu gewinnen?

| 0039|

Seht! wie fertig solchs! wie flüchtig iedes Alter früh und spät
Hier die allerfeinsten Fäden und die leichte Spille dreht.
Hier verspielt Venelope. Weg! Arachne, du must weichen!
Dein auch noch so zartes Garn will dem unsern doch nicht gleichen.

Viel Leinwand und Schleÿer verfertiget:
Plures hic, Parcæ sunt, qvæ protendere vitæ
Vilia fila brevis satagunt, monstrantqen reaphe
Quod mortalia sint tenui pendentia filo.
Nec tantum ex fuso fæmellæ vivere gaudent
;
Jpse vir hic panem summoto qværict aratro,
Sollicitis stamen digitis suspendere doctus.
Succedit textor, cujus polydædala dextra
Densat opus tenue et mollis subtemina telæ
Constringens
, paratarte cata spectabde textum
Telis qvod Serum peregrinus comparat orbis.
Nam Soli expositum lymphæq
. adspergine tinctum
Lilia splendeti vincit candore nivemqvem.

Seht doch eine Menge Parzen! deren jede stündlich weiß,
Wie so leicht des Menschen Leben, als ein dünner Faden reißt.
Doch das Weibliche Geschlecht und sein emsiges Bestreben
Pfleget nicht allein der Kunst die bemühte Hand zu geben;

| 0040|

Selbst der Mann kehrt hier die Egen und die schwere
Pflugschar um;
Selbst der Mann macht Hals und Rücken für
dem krausen Rocken krumm,
Daß er gleicher Art den Flachs netze, streiche,
dreh und schlinge,
Und dadurch sein Leben fort und die Nahrung weiter
bringe.
Endlich nimmt der kluge Weber dieser Hände
sauren Schweiß
Dieser kann mit tausend Künsten und gar unge
meinem Fleiß,
Und mit eben so viel Witz, o! der wunderbahren
Sachen!
Werff und Eintrag durch das Schiff und den Kamm
zu Weben machen.
Also wird der schönste Schleÿer; den hernach die
Sonne bleicht;
Dem die Lilien an Weisse, dem der Schnee an
Glantze weicht;
Den das weit entlegne Volck so gar hoch und schätz=
bar achtet,
Daß es sehnlicher nach ihm, als nach Flor und
Seide trachtet.

Welches voraus Hirschberg und die gantze umliegende Gegend zugenüssen hat:
His floret studiis felix Hirschberga tot annos,
intea subtilis fili, qvæ conficit una,

| 0041|

Unde capit niveum Pallas Tritonia peplum
Scilicol hæc docuit
, mage vel didicisse videt
Artem tam tenuis texendi carbasa panni
Nec sibi servat opes opidum tam nobile tante
Soli, sed mundi varias dimittit in oras

Palladias merces precio majore redemtas,
Spelendida qvam byssus sub Evo venitur orbe
Accipit â nobis
Batavus qvod vectetad Afre
Jn piperis patriam et
Sinas et Seras ad ipso
Tanti est liniparus coluisse fideliter artes.

Edles Hirschberg! dieß Gewerbe, dieser Wissenschafften Flor
Bringet dich von vielen Jahren fast allein beglückt empor
Rühme doch den goldenen Schatz! Sieh! mit dieser feinen Waare
Putzt sich in die Pallas selbst und bedecket Haupt und Haare
Sieh! wie packt der Morgenländer seine Nesseltücher ein,
Weil sie deinen schönen Schleiern selten zuvergleichen seÿn.
Sieh! nach dieser Trefflichkeit, sieh! nach diesen zarten Weben
Suchet ja die halbe Welt auf das eifrigste zu streben
Wie begierig wünscht sie Holland? wie verschreibt sie nicht der Britt?
Wie so sehnlich sucht sie Frankreich, Rom, Venedig und Madrit?

| 0042|

Schau! wie sie den schwarzen Mohr, schau! wie sie den Afer zieren,
Und wie weit sie Schiff und Meer aus Europas Gränzen führen?
Selbst die fernen Seidenländer achten si so werth, als hold!
Und aus dieser starcken Sehnsucht schmeltzen wir das fremde Gold.

Nimmt den lautern Zacken zu sich und eilet nach Lehn:
Sed nos longa nimis remoratur linea lini:
A diverticulo redeamus ad
Amnis
Boberi, cui postqvam convena Zacus
Rivales immisit aqvas, per amoena locorum,
Valles per riguas liqvido nostramite ducit
Ad
Lehnam parvam, sed claro nomine feudi
Jllustris
magnam, memorat si vera velustas.
Suscipit hæc arcem præcelsæ in vertice rupis
Exstructam
, gratum qvondam celebrema recessum
Priscis
Elysiæ Ducibus. Nunc diruta Martis
Vi destructa jacet
, clivis miseranda propinqvis.
Atdecus antiqvam murorum grande cadaver
Ata ruinarum motes
, dissusa fatetur
Doch zurück von dieser Kunst, doch zurück von dem Genusse.
Zu des Bobers hoher Fluth, zu des Bobers hohen Flusse;
Welcher erst den duncklen Zacken in sein helles Wasser mischt.

| 0043|

Endlich durch die steilen Ufer rauschet, schäumet braust und zischt,
Bis er immer mehr und mehr von den Bergen abwärts dringt,
Und hierauf den kleinen Lehn mit der offnen Fluth umringet.
Hier ergötzt er sich in Grünen. Hier behaget ihm das Schloß,
Das vor diesem so viel Ehre, so viel Herrligkeit genoß,
Daß die Fürsten Schlesiens mit dem innigsten Vergnügen
Damahls so gar offt und gern und mit Lust und Muth erstiegen
Dich versteh ich edles Lehnhaus, dich, du Land beruffnes Lehn
daß du zwar nicht mehr so mächtig, daß du zwar nicht mehr so schön,
Wie vor Alters, eh der Krieg deine feste Burg zerstürmet;
Doch auch dein bemooßter Rest steht noch herrlich aufgetürmet.

Nach Löwenberg
Jam nunc progredimur cum
Ad Leoria pratis et apricis undiqen cinctam
Cohibus
. O! qvantum dicendi hic panditur æqvo[]
Qvod vel
Papinii posset lassare Camoenam
Jn laudes opidi si se diffuderit amplas
Mnemosine hocalias fuctum dictante canendo
Doctorum coetus hominum
, qvos protulit olim

| 0044|

Prerio Leoberga, sina, et qvorum inclyta sacris
Aulæis superum transscripsit nomina
Clio
vel consulta Themis, vel sospes, Hyge, vel Ahena
Dædala per qvævis celebravit climata mundi
Von hieraus strömt unser Bober nach der Weltberuffnen Stadt
Wo Apollo mit den Musen ehedem gewohnet hat.
O! berühmtes Löwenberg! O! wer kan dein Lob besingen?
Auch dem Dichterheld Papin würde hier kein Lied gelingen
Nur allein der Musen Mutter, nur allein Mermosyne
Trifft die Weise nach Erfordern und den Ton in rechter Höh,
Diese weiß allein den Werth und das rühmliche Bestreben
Und der grossen Männer Witz recht nach Würden zuerheben.
Diese zeigt, wie man die Musen hier noch mehr, als brünstig liebt.
Diese zeigt wie man der Clio willigst hand und Herze giebt.
Diese zeigt, wie man das Recht, nach der Themis scharffer Lehre,
Und den Weg gesund zu seÿn auf Hygärns Antrieb ehre.
Diese zeigt, was hier für Künstler in Athenens Tempel stehn,

| 0045|

Und was hier durch aus für Weisen aus der weisen Schule gehen.

Nach Buntzlau:
Nunc vovat ad partes claram Leoberga Boleslan
Qvæ dedit in lucem Phoebi
, qvot non
Heroes produxit Epeus è ventre caballi
Duratai
. Cunas hic debet Opitius urbi,
Teutonici princeps Heliconis et alter Apollo,
Ac plures, niveo qvorum Tritonia peplo
Nomina commisit
. Non unum Slesicus Hebrus
Orphea
nutrivit. Muttos vocalibus undis
Tinbuit Æonio permix tus fonte Bohebrus
Vates
, qvi resono traxerunt carmine sylvas;
Cum canerent illi Satyrosqen ferasqen choreas
Vidisses dactare leves
, motareqen pinum
Hirsutum caput
, et plausum dare densa vireta
So beehrtt nun hier der Strom an der Musen Wohnstatt flüsset;
So beehrt wird auch sein Fluß wenn er itzo Buntzlau grüsset.
O was hat auch hier Apollo für so viele Söhne lieb?
O! was spürt man hier für Feuer, was für Herze, was für Trieb?
Ereÿß und sein höltzern Pferd kann nicht so viel Helden fassen,

| 0046|

Und auf Trojä Untergang aus dem Bauche steigen lassen;
Als wohl hier das edle Buntzlau, diese weitberühmte Stadt,
Hochberühmte Musensöhne gleicher Art gezeiget hat.
Fürst des deutschen Helecons! andrer Phöbus! erster Richter!
Grosser Opitz! Zeige doch! Zeige doch du Held der Dichter!
Zeige doch! weil diese Gegend ehmahls dein Geburtsort war,
Und mit dir so manchen Orpheus, manchen Pÿndarus gebar.
Zeige doch! wie mächtig hier, wie berühmt der Dichter Orden,
Wie durch dich der Boberfluß zu des Landes Hebrus worden
Wahrlich! hier hast du und andre manches Meisterstück gemacht,
Und durch treffliche Gesänge Wild und Wälder aufgebracht.
Spieltest du ein reines Lied, fingest du uns an zu dichten;
O! wie regte sich der Pusch! o! wie schwanckten sich die Fichten

Verschluckt den Qveiß und fällt beÿ Crossen in die Oder:
Nimirum hic pandit spaciosos Slesia saltus
Non vastos
, non horrentes deformis eremi

| 0047|

Tesqvis, sed viridi pratorum syrmate cinctos.
Jtos ubi transivit Boberus tramite prono,
Ac Qvissum fratem gremio,
Sagani cursu recto contendit,
Ferricrepas ardens operus ubi Mulciber urget.
Jllinc digressus Crosnæ descendit ad urbem,
Claram, et vitiferis tandem sub
Jn
Viadri patris amplexu ruit agmine pleno
Sinnet nach, ihr frohen Förste! die ihr diese Gegend ziert,
Und nichts wüstes, nein! die Anmuth in und auf und um euch führt;
Sinnet nach, wie allerliebst, sinnet nach, wie wunder schöne
Schalleten nicht dazumahl diese reine Dichterthöne!
Eben darum laufft der Bober noch bis itzo durch euch hin.
Denn ihm schweben auch die Lieder noch in unvergeßnem Sinn.
Hier verschluckt er erst den Qveiß, drauf durchschweifft er Sagans Auen
Und sieht hier den Mulciber in den Eisenhämmern hauen. Endlich streiffet er nach Cossen. Hier beschlüßt er seien Lauff
Und giebt in den Weingebirgen Ruhm und Rang und Nahmen auf.

| 0048|

Hier begehrt er als ein Sohn, seinen Vater zu begrüssen;
Seht nur! wie er laufft und eilt, in die Oder sich zu güssen.

Jch kann es nicht leugnen, es hat etwas zu viel Platz weggenommen; Allein mich hat die Zuschrifft eines Werthen Gönners darzu veranlasset, der vom 13. Julii Ao. 1737 also hieher schrieb: Der neue Parnaß, welcher in ihrem geliebten Hirschberg und am Riesen=Gebürge entstehet; ist eine große Zierde unseres Landes und gegenwärtiger Zeit. Jch mache mir aus Zweÿen Ursachen ein Vergnügen davon. Einmahl, daß des wohlverdienten Fechners sein Gedächtnis erneuert wird, da man es am wenigsten vermuthet hat. Und ferner daß Hr. D. Lindner beÿ den Nachkommen gleichen Danck verdienen werde, dessen er auch billig würdig ist. Nur wäre zu wünschen, daß diese schöne Poesien etwas mehr unter die Leute kommen möchten! etc. Diese Gelegenheit hielt ich vor ein beqvemes Mittel darzu, und hoffe gleichgesinnten Liebhabern eine Gefälligkeit zu erbringen.

Vom Mittage fleußt der Zacken her, welcher auf dem Gebürge an zweÿ Orthen entspringet, viel frische Wässerlein, so allerhalben von den

| 0049|

nahe angelegenen Bergen fallen, aufnimmt, unter der Stadt gegen Niedergang dieselbe dem Bober zu führet und beÿ dem Haußberge im Bachwinckel sich mit demselbigen vereiniget; Hat die Benennung von dem Sclavonischen Worte Kake welches eine Zusammen geseigte Bach heisset, heget schmackhaffte Forellen und haben die Jtaliäner nach fleissiger Nachsuchung im sechszehenden Seculo, darinnen, sonderlich um dessen Qvelle viel gediegenes Gold gefunden. Ao. 1737 kam der Klagende Zacken zum Vorschein, in welchem schönen Gedichte der vornehme Autor, Hr. Carl Neumann, der Hoch=Reichs=Gräffl. Schaffgotschischen Herschafft Giersdorff Hochverdienter Jnspector und Amtschreiber der Herrschafft Kÿnast wie auch der Hoch=Reichs=Gräffl. Bibliothec in Hermsdorff erster Bibliothecarius, ein alter getreuer Diener seines gnädigsten Graffen und Herren, sich mit Recht beschweret, daß noch niemand dem Zacken=Fluß zu Ehren etwas aufgesetzet hätte, da man anderer gedacht, ihm aber in vielen Stücken kein Strom im Lande gleich käme. Es ist hier der Orth, an dem es sich mit gütiger Erlaubnis noch einmal will lesen lassen:
Aurora war ohnlängst kaum aus der Demmrung kommen,

| 0050|

Und hatte ihrer Nacht den Schatten weggenommen;
Kaum daß der Sonnen=Licht an unsre Berge schlug,
Das neue Munterkeit in seinen Strahlen trug;
Da kaum des Zackens Geist aus seiner Qvell gestiegen,
Und wolte sich im Grimm zum Qveisse hinverfügen;
Doch stieg er noch vorher auf unsern Katzenstein,*)
Und nahm dort einen Platz zu seinen Sitzen ein,
Es war sein nasses Haupt mit schlechten Gras umwunden,
Jn welchem hin und her mit untermenget stunden:
Die Veigel, die sehr früh aus ihrer Knospe bricht,
der Schmirgel, Sonnen=Thau und das Vergießmein nicht
Hier saß er Unmuths=voll, man konnt es inne werden,
Daß ihn ein Kummer drückt’ und andere Beschwerden;
Die Augen sahen starr, sie waren voller Graus,
Und endlich brach der Mund in diesen Klagen aus:
Wie? bin ich drum nicht mehr, wer ich zuvor gewesen?
Da derer Welschen, Geitz das Gold aus mir gelesen;**)
Mein Reichthum wusten sie, sie kannten meinen Lauff;
Venedig bauete davon Palläste auf.
Jetzt suchet niemand mehr; die Schliche sind verschwunden,
Wo diese Wahlen Gold und edle Steine funden.

Geh ihren Schriffte nach, durchgruble Sand und Stein:
So kanst du ebensfals, wie sie, glücklich seÿn.

*) Jst ein Felsen, recht in der Grentze zwischen Böhmen und Schlesien.
**) Man zeigt noch Stellen, wo sie Gold geseuffet oder gewaschen haben.
| 0051|

Allein wer achtet das? Mein Volck sitzt bey dem Spinnen,
Und lässt, was schätzbar ist in fremde Flüsse rinnen.
Man heist mich eine Bach; ich muß verachtet stehn,
Und hätte wohl das Recht auch Strömen vorzugehn.
Laß stoltze Ströme mein und meiner Zwiesel spotten,*)
Jch trotz im Gegentheil mit meinen Silber=Flotten,
die Jährlich richtig gehen. Was wird vor Geld gelöst!
Wenn man gespaltnes Holtz in meinen Uferns flöst!
da zieht die Herrschafft Nutz. Die Bleicher können siegen,
Wenn ihre Pläne voll von weisser Waare liegen;
Wenn unsre Handelschafft im gantzen Lande blüht;
Wofür der Kaufmann Gold aus Ost und Westen zieht.
Wünscht deine Lüsterkeit was niedliches zu naschen:
So nimm Forellen hin, nimm Silberfarbne Aschen;
Die mein Crÿstallen=Fluß in seinen Wassern hegt,
die weder Oder=Strohm, noch auch die Ohlau trägt.
Wer GOttel Allmacht will aus seinen Wercken achten,
der darff des Zackels=fall**) ein eintzigmahl betrachten;
Wo die Verwegenheit so wunderlich gelingt,
Wenn der gepresste Lauff von hohen Bergen springt.
Wer diesen Sprung besieht, wer diß Getösche höret,
das in den engen Fels sich nach und nach vermehret,
Und was vor Gescht, vor Prauß u. Prudeln da entstehn,
der wird gar bald bestürzt in seine Heimath gehn.

*) Sind die beÿden angenehmen Bächel, aus welchen der Zacken zusammen fleust und nicht weit von dem Qveis=Zwieseln entlegen.
**) Wo das kleine Zackel über einen Felsen in das große fället.
| 0052|

Wenn dieses Bächel nun aus dem Gedränge kommen,
Wird es gantz williglich in meinen Schoß genommen;
Hier gehen wir unverzagt, wie ein getroster Held
Bis wo mit gleichem Sturtz die Kuchel***) in uns fällt.
Denn folgt der Bau, den letzt Herr Gottfried aufgeführet,
Mit dem er meinen Strand und gantze Gegend zieret.
Hier wohnt die Anmuth selbst: Hier kehrt Vergnügen ein;
Er kann in Schlesien ein rechtes Martÿ seÿn.
Jüngst fiel Minerven ein die Erde zubewohnen,
Und aller Künstler Fleiß nach Würden Zubelohnen;
Bald bath Mercurius diß angenehmste Haus,
zu dieser Göttin Sitz und freÿen Wohnung aus.
Dis, was ich ietzt gesagt, sind das nicht Eigenschafften,
die eintzig und allein beÿ mir, dem Zacken, hafften?
Es ist kein anderer Strom, der mir hierinne gleicht,
Und welcher meinen Ruhm nur halb und halb erreicht.
Und dennoch wird das Lob des Oder=Stroms besungen,
So gar die Katzbach hat sich an Parnatz geschwungen;
Was Fechner im Latein dem Bober zugedacht,
Das hat Herr Lindner nächst in deutsche Reimen bracht.
Wie sollte dieses nun mich nicht im Hertzen kräncken,
Daß kein Poëte will an mich Verlassnen dencken!
Das Bober Bober ist, kommt nur allein von mir,
Wenn ich ihm meine Fluth in seine Armen führ.
Apollo reitze doch der Musen klugen Söhne,

***) Die Kuchel ist ein Fluß, welcher oben von einem Felsen in den Zacken stürzt.
| 0053|

Spricht macht vom Zacken auch ein liebliches Gethöne;
Vor andern Flüssen ist bereits genung gedicht,
Nun denckt an Zacken=Strom vergeßt der Zwieseln nicht.

Jhr Dichter Schlesiens folgt diesem Götter Triebe;
Ach daß ein eintziger nur meinen Reihm beschriebe!
Zwar den Entfernten bin ich völlig unbekandt,
Mich kennts Gebürge nur, und nicht das flache Land.

Drum die ihr neben mir im nahen Hirschberg lebt
und von der Poësie viel schöne Proben gebet,
Herr Glafeÿ, Lindner und Stoppe sollt es thun,
Und nicht so Sorgen=loß von meinem Lobe ruhn.

Dem, der an würdigsten von Euch mich wird besingen,
Will ich den schönsten Lachs aus meinen Teuffen bringen:
Und ist diß nicht genung: so hohlt auch Wasche=Gold,
Und bleibt der Nachbarschafft und ihrem Zacken hold

* * *
Hiermit verschwand der Geist: er fuhr in seine Qvellen,
der Fluß fing wieder an allmählig aufzuschwellen,
Nun wartet Jedermann, es wartet alle Welt,
Wer den gesatzten Preiß mit Fug und Recht erhält.
Hierauf hat Hr. Christian Gottlieb Glafeÿ, Kaÿser= und Königl. Commercien=Rath im Hertzogthum Ober= und Nieder=Schlesien, Hoch=ansehnl. Kauffmanns=Eltesten und Wohl=meritirter Vorsteher der Evan gel. Kirche und Schule allhier, der sich bereits mit der Übersetzung der Zweÿ Christl. Poetischen Trauer=Spiele von der Gabinie und Polieuctes,

| 0054|

noch mehr mit des de la Motte Fabeln aus dem Frantzösischen in deutsche Verse nicht geringen Ruhm erworben, da Er aufgefordert worden, sich am ersten eingestellet, mit der Modesten Extenuation einer Entschuldigung gegen den klagenden Zacken, als ein unschuldig Beschuldigter G. Ao. 1737, worinnen schöne Moralia vorkommen, die allen so am Zacken wohnen, zu guten Gedancken Anlaß geben können:
* * *

Gelehrter Zacken=Geist! du Geist von Fleisch und Bein!
Ruffst meinen Nahmen mit den Zacken zu besingen,
Du wilst auch liberal mit einem Lachse seÿn
dem, dessen Lobgesang am besten werde klingen.
Wie kommt es, daß du mich zu solchen Geistern zehlst,
Die durch die Poesie bißher so hochgestiegen?
Es scheint, daß du von mir in deinem Urtheil fehlst,
Mein schwach Gefieder kann nicht Adlern gleiche fliegen.
Mein Dichten wird verstöhrt, ich habe sonst zuthun,
Anstatt der Reimereÿ muß ich Concepte fassen,
Vor mir kann Pegasus in seinem Stalle ruhn
Der ausgesetzte Preiß wird andern überlassen.

Jch suche sonsten nichts mit meiner Dichtereÿ,
Wenn ich der Frantzen Witz in unser Sprache setze,
Als daß ihr Abdruck auch den Deutschen wissend seÿ,
Und durch die Sitten=lehr so nutze als ergötze.

Ob ich nur nun den Lachs gleich nicht erstreiten will,

| 0055|

Will ich doch dein Geheiß, mein Zacken=Geist, erfüllen;
Doch, daß es nützlich seÿ, das ist das beste Ziel,
Denn ohne Lehre sind die schönsten Verse Grillen.
Das schönste Reim=Gebär, der gröste Wörter Pracht,
Die höchste Qvintessenz poëtischer Gedancken,
Die nicht erbaulich ist und mich nicht besser macht,
Erqvicket eben wie ein Grillen=Lied die Krancken.

Der Zacken aber ist schon seines Ruhmes werth
Und dessen Reinligkeit vor andern Zubeschreiben;
Denn weil er durch viel Stein und raue Felsen fährt
So kann, was unrein ist, daran zurücke bleiben.
O! macht auch unser Gang vor Lastern sich so rein,
Wenn er den rauen Weg der Trübsaal hier muß schleichen,
Wie würden wir vom Schlamm und Kothe reiner seÿn,
Wenn unser Lebens=Bach den Ausfluß wird erreichen.

Die klahren Wasser sind, spricht man, gar selten tieff;
Und will die Deutlichkeit dadurch verdächtig machen;
Des Zackens Lauterkeit mit seinem goldnen Schlief,
Verlacht und übertrifft die allertieffsten Lachen,
Sie immer trübe sind. Was soll die Finsterniß!
Wohldem, der seinen Lauff mit Golde kann bemahlen,
Der Wahrheit lieblich lehrt, des Worte sind gewiß,
Wie goldne Aepffel stehn in hellen Silber=Schalen.

Des hohen Zackels=Falls=Cascade von Natur
die willig runter fällt, kann uns besonders zeigen

| 0056|

Die Selbst=Erniedrigung, und lehrt durch die Figur:
Wer nützlich lauffen will, muß erst herunter steigen.
Wie mancher Chauvelin stürtzt von der Höh herab
Weil er nicht von ihm selbst vorhero abgestiegen.
Und Jcarus fällt gar bis an den Bettel=Stab,
Der in der Welt zu hoch und gehling wollen fliegen.

Es bringt der Hohe=Guß, der wie vom Himmel fällt,
Auch die Gedancken beÿ: daß über den auf Erden,
Der wie die Schrifft besagt, den wahren Glauben hält,
Der Seegen wie ein Strom soll ausgegossen werden.
Was andre Flüsse sonst bey uns vor Lob und Ruhm
zu allgemeinem Nutz der Menschligkeit kann zieren,
ziret unsern Zacken auch sein sonders Eigenthum
Jst seine Dienst=Begier das Holtz uns zuzuführen
Er flüßt nicht müssig fort, er thut den Hofegang
Jn Untertanigkeit er spahrt viel tausend Wagen,
Unzählge Müh und Schweiß verlangt nicht Lohn u. Danck
Thut immer seine Pflicht ohn Murren, Seuffzen, Klagen.

Wer seine Schuldigkeit mit Wiederwillen thut,
Und unaufhörlich murrt, bald über die Beschwerden,
Bald über Herrschafft, Zeit, Hitz, Kälte, Wasser=Fluth,
dem wird auch Gosen selbst bald zu Egÿpten werden,
Doch dessen Lebens=Lauff in Ruh und stille flüst,
Und der nur also klagt, wie in der stillen Beichte,
Ja, wer im Tragen noch geduldig frölich ist,
Dem wird, wie unserm Fluß, die Last gantz Feder=leichte.

| 0057|

O! lerne mehr von ihm, geliebte Nachbarschafft,
Je nutzbarer ein Mensch in allen seinen Sachen,
Je mehr er in der Welt nur Guttes stifft und schafft,
Je weniger wird er stets von sich selber machen.
Die Tugend ist sein Zweck, der Undanck irrt ihn nicht,
Jhn bringt kein Lob noch Schmach, noch Neid zum Stillestande;
So flüßt mein Zacken auch in seiner Ruh und Pflicht,
Und dienet unerkannt mit Lust dem Vaterlande.
Er schafft der Kauffmannschafft um seinen Rand herum,
Zu ihrer Förderung die allerschönsten Bleichen,
Er ist ein rechter Rath vor das Commercium,
Und kann ihm mit der That zu grösten Nutz gereichen.

Jedoch er läst es noch beÿ diesem nicht beruhn,
Wer weiß, was seine Krafft beÿ denen warmen Qvellen,
die nah an deßen Stand entspringen, pflegt zuthun?
Und die so viel geheilt bey schweren Kranckheits=Fällen.
Doch das versteh ich nicht, ein Forscher der Natur
Wird die Gewissheit schon umständlicher beschreiben,
Es kann wohl möglich seyn, ich lerne dieses nur;
Wer einmahl nützlich ist, der läßts dabey nicht bleiben,
Er gehet weiter fort der grossen Liebe gleich,
Die sucht sich überall und vielfach zuerweisen,
Sie ist an Willen, Trieb, an Hülff und Wohlthat reich
Und pflegt die Creatur nicht mager abzuspeisen.

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O! daß doch diese nicht ein großer Danck=Lied singt!
Erkennete man mehr die unschätzbaren Gaben
Die aus der Vorsicht Strohm, wie auf der Flüsse bringt,
Was würden wir davon nicht auffzukosten haben?
Davon beraubet uns die Unerkenntligkeit
Die Gecken unsers Haupts verblenden uns die Augen,
daß sie die Gegenwart und die Beschaffenheit
Des Himmelbreiten Gutts nicht zuerwiesen taugen.
Was aber fallen mir doch vor Gedancken ein,
Die mich von meinem Strohm etwas zu weit entfernen,
Er soll vor dieses mahl allein der Lehrer seyn.
Von deßen That wir mehr als seinen Worten lernen.
O wüsten Lehrende, daß eine rechte That
Mehr Überzeugung kann in denen Hertzen fassen,
Alls alle Rede=Kunst, die wenig Kräffte hat,
Sie würden Reden mehr als Beyspiel unterlassen.

Bisweilen scheints, ob seÿ der Zacken ungerecht,
Wenn er gebrachtes Holtz auch wieder mit sich nimmet,
Doch er behält es nicht, er trägt es als ein Knecht
Wohin die Vorsicht es vorhero hat bestimmet.
Wie offters geht’s uns so, man wird gericht, geschmäht,
Als ob man dem und dem die Nahrung nehmen wolte;
Wohldem! der seinen Sinn als wie der Zacken dreht,

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Verträgt die Kläffereÿ und thut, als wie er solte.
Wird unser edler Strohm auch offters aufgeschwellt,
Und kommt mit voller Fluth zum Bober angeflossen,
Der aber Ufer voll sich allzeit schwülstig stellt,
Als wolt er ihn durchaus zu keinem Lauf=Genossen;
So zancket jener nicht und wartet ruhig auf,
Tritt etwas Seiten werts und lässt den Stoltz verrauchen,
Vollführt zu rechter Zeit nicht minder seinen Lauf,
Und weiß der Klugheit sich zum Vortheil zu gebrauchen.
Hier lehrt er Tugenden von gantz besondern Werth:
Die Sanfftmuth, die Gedult, ein weises Selbst=Bezwingen,
Von welchem unser Hertz so trefflich ausgeleert,
Und die im Umgang uns doch grösten Nutzen bringen.
Er flüßt auch friedlich fort, man hat niemahls gehört,
daß in die Compagnie sich Zanck u. Zwietracht fände
Womit er uns zuletzt das allerbeste lehrt:
Ein Tugendhaffter Lauff nimmt auch ein selig Ende
So fleuß mein Zacken fort, geuß deine Qvellen aus,
die aus der Lebens=Qvell uhrsprünglich selbst entspriessen,
Sey stets ein Seegenstrohm vors Hohe Grafen Haus,
durch dessen Herrschaft du so höchst vergnügt kanst flüssen.

Verzeih, gelehrter Geist, was Einfalt hier enthält,
Die grosse Fabelsucht weiß sonst nichts vor zubringen,
die eben hat den Fluß moralisch vorgestellt.

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Gelehrte werden ihn in höhern Ton besingen.
Am 21. Apr. des folgenden Jahres 1738 kam Hr. D. Lindners Lob des Zacken=Flußes und seines bewunderswürdigen Umzirks auf und an den Schles. Riesengebirgen zum Vorschein, das sich ungemein wohl lesen lässt z. Meldet zugleich am Ende, daß hernach Hr. Stoppe eine Fabel auf den Zacken abgefasset.
Von dem Bach=Winckel, oder demjenigen Winckel beÿm Hauß=Berge, wo die zweÿ Bäche, der Bober und Zacken zusammen flüßen, hat sich ein gewisser Herr von Zedlitz, der Ao. 1396 Burggraf zu Hirschberg gewesen, Friedrich von Peckwinckel genennet, als deßen Burg, Schloß und Wohnung auf dem Haußberge gestanden.
Jhres Lagers Annehmligkeit vermehren die schönen Vorstädte, mit ihren wohlangebauten Häusern, Bleichen, Lust= und Zier=Gärten. Die Häuser in den Vorstädten, darzu die Sechsstäte, die von sechs Baustäten vor Alters den Nahmen bekommen, die Rosenau und der Sand gehören, sind mehr, als in den gerühmten Schweidnitzischen Vorstädten, indem ihrer vor den dreÿ Thoren in die vier=hundert zu zehlen sind; darunter besonders vor dem Schilder=Thore einige stehen, die an Zierde und Kostbarkeit, dergleichen das so genannte Baumgartische Stammhaus, dessen Besitzer anietzo Hr. Hans Friedrich von Schweinichen, Jtem das neu=erbaute Winklern, Gottfried und Glattische Haus etc. ist, vielen in der Stadt wenig nachgeben.

Der Bleichen sind beÿ der Stadt und in Kunnersdorff gegen dreÿssig und alle wohl bestellt; Unter welchen des Hrn. Bürgermeister Kretschmers gegen

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Mitternacht am Bober, des Hrn. von Ehrenschilds in Sechsstäten, des Hrn. von Holtzhausen und Hrn. von Buchs am Zacken, die Glafeyischen, die Mentzelischen, die Wincklerischen, die Jägerischen, die Trallische, die Ketzlerische, die Spaarische, die Hinelische, die Glognerische etc. zu nennen. Doch wenn man die auf den umliegenden Dörffern in Herschdorff, Warmbrunn, Girschdorff, Hernsdorf, Petersdorff, wo ihrer allein in die vierzehn seÿn sollen, Voigsdorff, Seudorff, Stonsdorff, Kemnitz, Fischbach, Janowitz und die schöne Gottfriedische Bleiche beÿ Petersdorff, allwo die wohlangelegte Wasser=Mangel meritirt betrachtet zu werden, dar zurechnen sollte, derselben über sechzig hierum seÿn dürfften. Daran man beyläuffig zur Gnüge abnehmen kann, was vor Gütter und Waare aus hiesiger Gegend in andere Länder gehen müsse.

Under den Gärten ist des Hrn. Bürgermeisters Kretschmers gegen Mitternacht am Bober, der fürtrefflichen Orangerie wegen und des Hrn. von Buchs gegen Abend, wegen der Grössten schönen Frucht und Gärten=Häuser, kostbaren Orangerie und Gewächsen der Ananasse, Pysang, Cereus unterschiedlicher Arten großer und kleiner, einer grossen Alöe, bewunders=würdi-

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gen Naturalien und Curiositäten, nebst einem raren Herbario Vivo auf dem Saale an beÿden Seiten der Wände hinter großen Taffel=Scheiben und einem besondern Sprach=Rohre, da ihrer zweÿ den dritten verkauffen können, daß er es nicht gewahr wird u.s.w. allerdings den Preiß behalten. Jn dem letztern sahe man Ao. 1737 im Monat Julio einen Jndianischen Cereum zweÿmahl blühen. Es sprüßte nehmlich am 18. Julii, als am Tage Rosinæ, des gegenwärtigen Hrn. Besitzers Fr. Mutter, Fr. Mariæ Rosinæ von Buchsin geb. Glafeÿin Nahmens=Tage, den diese sonderbahre Blume auf eine unschuldige Weise sollte verherrlichen helffen, nach Mittage die volle Knospe allmählig auf, und nahm nach und nach gegen die Spitze zu, eine Hochgold=gelbe Gestalt an. Jemehr der Abend herein brach, iemehr breitete sie sich von einander. Und um Mitternacht stand sie endlich in völlig aufgeputzten Flor, da sie denn der Gärtner Hr. Sorge, abschnitt und zu einer frischen Einlage aufbehielt. Sie hatte keinen Stiel, wie andere Blumen, sonder ihr spannen= langer und von unten auf erweiterter Kelch war gedrungen an den Stock angewachsen. Jhn bekleideten etliche Reihen zugespitzte Blätter, welche unten blaßgrüne aussahen, in der Höhe aber rothgelbe Spitzen hatten. Auch

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dieses war merkwürdig, daß der große Theil des Kelches mit vielen Zarten und wollichten Fasen bewachsen war. Die eigentliche Blume machten endlich 30 Lilien=farbige, breit gespitzte längliche Blätter aus, darunter noch eine Reihe von 60 goldgelben stand, die aber schmäler und spitziger waren und sich mehr nach dem Kelche neigten, als zu dem sie wohl vermutlich gehörten und hier nur eine bunte Einhülle von der würcklichen Blume vorgestellet hatten. Jn dem Mittelraume der Blumblätter ragte aus dem holen Kälche in der Mitten ein langer weisser Stiel hervor, wie etwan beÿ den Lilien, nur daß er sich in der eusersten Höhe in einige Fadenformiche Theilgen zerspreussete. Jhn umschlossen unzählige dünne gelbe Faserchen, die sich wie die weicheste Seide angrieffen und oben ein wackelndes Knöpffgen hatten. Die sämmtlich ausgesproßenne Blume sahe an Grösse einer grossen Sonnenblume gleich, und hatte im Durchschnitte fast auf anderthalb viertheil einer Schlesischen Elle in der Breite. Jhr Geruch war sehr angenehm: doch nicht übrig starck. Gleichwohl durchduffete er die gantze Fruchtstube und ließ den Geruch bald beÿ dem Eintritte sein annehmliches Wesen abnehmen. Daher denn ieder Anwesende mit Vergnügen und Verwundern von dannen gegangen. Wie in Gel. Neuigk. de Ao

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[] zulesen. Von Naturalien und Curiostäten hats in einem besondern Behältnisse Gold und Silber=Ertz über vertzigerleÿ nicht gemeine Arten; Kupffer und Bleÿ=Ertz über fünffzigerleÿ, unterschiediedene von Eisen=Steinen und noch mehrere Zinober= Qvecksilber= und Berggrün=Stuffen, allerhand Corallen= und Diamanten=Qvartz. Eine Menge besonders sehenswürdiger Steine; als Feder=Ertz, aus welchem unverbrennliche Leinwand gemacht wird. Ein ander dergleichen Asbestes aus Ungarn. Minera Salis Catartici, Glacies Mariæ. Talcum Solis. Carborirtes Wasser oder Sinnter genannt. Jaspis aus Ungarn. Kröten=Steine, ein ander dergleichen aus Ungarn. Ungarischer Kalck Katzen Silber. Glossopetræ oder Stein=Zungen aus der Jnsel Malta. Lapis Lactis aus Lithauen. Eine curiöse Gur aus Ungarischen Bergwercken. Holtz so zu Steinen worden etlicher Gattungen. Mühl=Stein aus Siebenbürgen, so sehr rar. Etliche Cornua Ammonis Schnecken=Steine. Stern=Steine. Muschel=Steine. Allerhand kleine Bäumgen=Steine. Tropff=Steine, Kräuter=Schieffer. Kräuter=Steine. Ein übersteinertes Nessel=Blat. Steine aus Bädern. Ein grosse Menge trefflicher Muscheln, davon Gel. Neuigk. l. c. 291. 292 die Nahmen stehen, hier aber mit Vergnügen beschauet werden können, nebst allerhand Urnis von Lignitz, Massel, Pilgramsdorff, Schmiedel, Trebnitz Wiltschütz, Jordans=Mühl etc. Wiewohl man auch in den andern Gärten gegen Mitternacht zwischen dem Langgassen und Schilder=Thore in den Gottfriedischen, Jägerischen, Glafeyischen, Hinlinischen, Menzeli-

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schen etc. sein Plaisir finden kann, voraus wenn es sich füget, daß die Herrn Besitzer selbst zugegen sind.

5. Weich=Bild=Stad.

Jst unter den vier Weichbild=Städten, die andern dreÿ sind: Jauer, Löwenberg und Buntzlau, die considerableste; indem sie sich, durch das Gelücke ihrer Kauffmannschafft, deßen sich nicht nur hiesige sämmtliche Einwohner, sondern auch die gantze umliegende Landschafft erfernen kan, weit über die andern empor geschwungen. Welches der berühmte Hr. Paul Jacob Marperger nicht übel eingesehen, wenn er in seinenm Schlesischen Kauffmann p. 67. also schreibet: Hirschberg übertrifft alle andere Städte des Jauerischen Fürstenthums an Schönheit und Nahrung, ihre Kirchen sind groß und zierlich, die Bürger=Häuser reinlich und räumlich, das Rathauß prächtig. Die Vorstädte seÿnd sieder der neubekommenen privilegirten Kirche sehr vergrössert worden. Die schönen Schleÿer= und Leinwands=Bleichen, seÿnd allhier zu finden, desgleichen die reichsten und vornehmsten Händler, die den besten Verlag haben. Wie denn auch

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hier der rechte Stapel von gemeinem und feinem Schleÿer. „So hat es auch fast die allerlängsten und Volckreichsten Dörffer in gantz Schlesien, weil sich einige beÿnahe auf eine gantze Meile, manche über eine halbe Meilwegs erstrecken und aber 300 und mehr Familien als Jnnwohner Zehlen.

Das Wort Weichbild ist und heisset so viel, als ein weit Gebiethe, so weit nehmlich einer Stadt Gebiethe mit ihrem Rechte gehet. Denn das Wort Weichbild beÿ den alten Sachsen so viel bedeutet, als die Jurisdiction, Gerichte und Gebiethe und weil man an den Grentzen eines iedes Territorii gewisse Bilder, Statuen, Creutze, Mahlsteine, Rulande und dergleichen von Holtz und Steine aufgerichtet, um denen Streitigkeiten untern Nachbarn hierdurch vorzukommen, so hat man von solchen Bildern und der dadurch vorgestellten Jurisdiction den Nahmen Weichbild in der deutschen Sprache zusammen gesetzt, und damit den Umfang, wie weit nehmlich einer ieden Stadt Dioeces, District oder Gerichtsbarkeit und die in selbiger eingeführte Willkühr oder Statutarische und Municipal=Rechte sich erstrecken, angedeutet. Wie es Carptov in Analect. Fast. Zittao. erkläret. Das Hirschbergische Weichbild hat einen ziemlichen Umfang und von Alters her aus folgen-

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den Städten, Herrschafften und Dorffschafften bestanden: Die Weichbild=Stadt Hirschberg und zugehörigen Dörffer, als Grunau, Cunnersdorff, Hartau, Straupitz, Schwartzbach und Sehdrich; die Herrschafft Kÿnast mit zugehörigen Dorffschafften, als: Hernsdorff, Petersdorff, Agnetendorff, Blondorff, Seÿffershau, Schreiberhau, Krommenau, Warmbrunn, Herschdorff und Gotschdorff. Die Herrschafft Giersdorff mit zugehörigen Dörfern als: Giersdorff, Käyserswalde, Seudorff und Mertzdorff: die Herrschafft Arnsdorf mit zugehörigen Dörffern, als: Arnsdorff, Steinseiffen, Qveckseuffen und Krummhübel; die Herrschafft Schmiedeberg mit zugehörigen Dörffern als: Berndorff und Hohen=Wiese; die Herrschafft Chemnitz mit zugehörigen Dörffschafften, als: Kemnitz, Reibnitz und Hündorff; das Städtlein Kupfferberg, nebenst Wüste=Rörsdorff und Rothe=Zeche, Janowitz und Waltersdorff, Buchwald, Fischbach, Neu=Fischbach, Ketschdorff, Eichberg, Seÿtendorff, Kauffungen, Klein=Helmsdorff, Alten=Schönau, Städtlein Schönau, Röversdorf, Reichenwalde, Polnisch Hündorff und Conradswalde, Neukirche, Rosenau, Falckenhaÿn, Schönwalde, Ludwigsdorff, Jonsdorff, Bober=Rörsdorff, Ullersdorff, Bärtelsdorff, Voigtsdorff, Berbisdorff, Maywalde,

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Lohmnitz, Erdmannsdorff, Stonßdorff, Schildau, Boberstein, Rohrlach, Cammerswalde, Seuffersdorff, Tieffhardtmannsdorff, Hohen=Liebenthal

6. Obrigkeit.

Für ihre Allerhöchste Landes=Obrigkeit erkennet sie den Käyser, als König in Böhmen und dessen vorgesetztes Amt, nachdem sie durch Heÿrath des Hochlöbl. Käysers Caroli IV: zugleich mit den Fürstenthümern Schweidnitz und Jauer an die Cron Böhmen kommen ist. Von den Hirschbergischen Ober=Regenten überhaupt, soll gleichfals absonderlich und zwar im folgenden zweyten Theil gehandelt werden.

Hochbesagtes Königliches Ambt stehet in grossem Ansehen, indem dasselbe im Nahmen und an statt unsers Allerhöchsten Landes=Herrn als Königs in Böhmen und Hertzogs der Fürstenthümer Schweidnitz und Jauer, über diese beÿden Fürstenthümer vollmächtig regiret, Recht und Gerechtigkeit handhabet, und des Landes, hierunter auch unser lieben Stadt Hirschberg bestes in allen vorfallenden Angelegenheiten besorgen muß. Solches haben als Vollmächtige Königl.

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Landes=Haupt=Leute von Ao. 1392 mit hoher Vernunfft und Bescheidenheit administriret und zwar unter:

Wenceslao bis Ao. 1419, Hr. Benisch von Chusinck, Hr. Jancko von Chotienitz, Hr Heysemann von Seydlitz auf Schönfeld, Hr. John von Leuthenberg, Kruschma genannt. Unter:
Sigismundo von Ao. 1419 bis Ao. 1437, Hr. Hans Küchenmeister von Jaÿendorff, Hr. Sigismund von Pogrell, Hr. Heintze von Lahsa. Unter:
Alberto von Ao. 1439 bis Ao. 1452, Hr. Albrecht von Kohlditz, Hr. Thieme von Kohlditz, Hr. Hans von Kohlditz. Unter:
Ladislao von Ao. 1453 bis Ao. 1457, Hr. Heinrich von Rosenberg, Hr. Hans Schaffgotsche genannt auf Kÿnast.Unter:
Georgio von Ao. 1458 bis Ao. 1470, Hr. Diprand von Reibnitz auf Gebersdorff, Hr. Ullrich Hase, Hr. Frantz von Hagen, Hr. Graff Stephan von Zapolien. Unter:
Uladislao von Ao. 1470 bis An. 1516, Hr. Graff von Zißke, Hr. Johann Bischoff zu Waradin in Ungarn, wie auch zu Ollmütz, stund beÿm Könige in grossen Gnaden, verließ aber An. 1492 seine bischöfliche Würde und Hoheit, zu-
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sammt der Welt Eitelkeit, und verschloß sich in ein Franciscaner Kloster zu Jauer, worzu er die Bau und andere Spesen freÿgebig ertheilet hatte, in eine Zelle. Hr. George von Stein, Hr. Casimirus Hertzog zu Teschen, Hr. Hans von Seydlitz auf Schönfeld. Unter:
Ludovico von Ao. 1516 bis Ao. 1526, Hr. Ullrich Schaffgotsche genannt auf Greiffenstein. Unter:
Ferdinando I. von Ao. 1526 bis Ao. 1564, Hr. Matthes von Logau der Aeltere, Hr. Heinrich von Reichenbach auf Riegelsdorff, Hr. Melchior Seidlitz auf Burckersdorff, Königl. Amts=Verwalter, Hr. Hanß Schaffgotsche genannt auf Greiffenstein, Hr. Conrad von Hoberg auf Fürstenstein. Unter:
Maximiliano II. von Ao. 1564 bis Ao. 1576, Hr. Niclas von Waldau, Königl. Amts=Verwalter. Unter:
Rudolpho II. von Ao. 1576 bis An. 1602, Hr. Matthes von Logau der Jüngere, Hr. Brandan von Zedlitz auf Hartmannsdorff, Hr. Conrad von Hohberg auf Fürstensthein, Hr. Adam von Seidlitz auf Burckersdorff, Königl. Amts=Verwalter, Hr. Adam von Lest auf Hollstein,
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Hr.Caspar von Reichenbach auf Klitschdorff. Unter:
Matthia und
Ferdinado II. von Ao. 1602 bis An. 1637, Hr. Caspar von Warnsdorff von und auf Ober= und Nieder=Güßmannsdorff, Röm. Käyserl. Maj. Rath. Unter:
Ferdinando III. von Ao. 1637 bis An. 1657, Hr. Heinrich Freÿher von Bibran, Hr. auf Modlau etc. Röm. Käyserl. Maj. Rath und Cämmerer, Hr. George Ludewig, des heil. Röm. Reichs Graf von Stahrenberg, Röm. Kayerl. Maj. Rath. Hr. Otto Freÿher von Nostitz, Hr. auf Rockytnitz etc. Röm. Käyserl Maj. Rath etc.. Unter:
Ferdinando IV. und
Leopoldo I. Magno von Ao. 1657 bis Ao. 1705 Hr. Christoph Leopold Graf Schaffgotsch: Der berühmte Hr. Christian Gryphius, meldet in seinem Jhro Hoch=Gräffl. Excellenz mit sieben vortrefflichen Tugenden, wie auch Hoheit und Glück prangenden Grabmahl das Selbte solche Landes=Hauptmannschafft mit solcher Befriedigung selbiger Herren Stände verwaltet, daß Sie billig die Schaffgotschischen Zeiten unter die güldenen gerechnet und weil, wie bekandt, noch viel hohe verdienst darzu gekommen, eignete er Jhm zum Beschlusse diese Worte zu:
Jnter Silesiæ Proceres vix Major
habetur.
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Es mag o! theurer Graf dies ieder von dir lesen,
das kaum was Grössers in Schlesien gewesen.

Hr. Johann Friedrich Freÿher von Nÿmptsch auf Oelsna, Ullersdorff, Lauterbach, Neudorff, Hr. Joachim Michäel Graf von Sintzendorff, Hr. Otto Wenceslaus Graf von Nostitz, Hr. Frantz Joseph Graf von Oppersdorff, Freÿherr in Aich und Friedstein, Hr. in Paskau, der Käyserl. Maj. Rath etc. Hr. Johann Anton Graf Schaffgotsche genannt, des heil. Röm. Reichs Semper=Freÿ von und auf Kÿnast etc. Röm. Kayserl. Maj. würcklich geheimer Rath und Cämmerer etc. hat allbereit unter dreÿ Käysern und also auch unter:

Josepho I. und
Carolo IV. die Landes=Hauptmannschafft dieser beÿden Fürstenthümer mit besonderm Ruhm Höchst=Löblich verwaltet, dem auch Ao. 1719 den 18. April das Præsidium beÿm Fürstentage und hierauf den 28. April. die höchst ansehnliche Würde eines Königl. Ober=Amts=Directoris aus allerhöchster Kaÿser= und Königl. Gnade zu des gantzen Landes allgemeiner Freude aufgetragen worden. Deßen in Landes=Sachen haben-

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de große Erfahrenheit und in allen Vorfallenheiten erwiesene ungemeine Dienste und dadurch erworbene hohen Meriten Jhro Excellenz nebst der absonderlichen Treuen Devotion und Eÿffer, womit Jhro Maj. Selbte zu gefallen sich unterthänigst beflissen, ein ewiges Denckmahl stifften.

7. Begnadigungen.

Die Fürsten haben die Stadt mit herrlichen Privilegien begnadigt. Wir wollen derjenigen Privilegien und Freÿheiten hier nicht gedencken, welche sie mit den beÿden Fürstenthümers Schweidnitz und Jauer insgemein zugenüssen hat, die der berühmte Käyserl. Rath Czepke zusammen getragen, und der Hr. Primarius an der heil. Dreÿfaltigkeits=Kirche vor Schweidnitz Hr. M. G. B. Scharff in einem starcken Bande besitzet. Als:

1.) Der Königin Annæ Privilegium dem gantzen Lande ingemein gegeben, welches Datum Schweidnitz Ao. 1393 Eodem cum præcedenti die vom Könige Carolo IV. confirmiret u. nachmahlen Ao. 1497 vom Könige Ulasdislao vom neuen bestätigt und vermehret worden.

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Steht in Schikf. Schles. Chronica P. III. c. XXVII. p. 239

2.) Kaÿser Carls und der Kaÿserin Annæ Privilegium de Ao. 1396.

3.) Kaÿser Carls Privilegium de Ao. 1369 Freytags nach Galli. vid. Schikf. I. c. p. 391

4.) Königs Wenceslai Privilegium de Ao. 1369.

5.) Königs Sigismundi Privilegium die geistlichen und weltlichen Gerichte betreffende, Land und Städte gegeben. vid. Schikf. I. c. p. 393

6.) Königs Georgii Begnadigung und Ordnung des Land=Rechtens von Landen und Städten zugleich aufgebracht. de Ao. 1459, vid. Schikf. I. c. p. 395

7.) Königs Uladislai letzte Begnadigung der Fälle halben, daß die Lehn einem aus der Herren und Ritterschafft Stande unverwegerlichen gethan werden sollen. Bestätigung aller Prvilegien und Rechten außerhalb Landes zu keinen Rechten zu erstehen schuldig gegen ausländischen, allhie beÿm Land=Recht zu verbleiben de Ao. 1511. Steht in

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Schikf. Schles. Chron P. II. p. 397 desgleichen in 2 Theile der Käyser= und Königl. Sanction des Landes Schles. p. 420.

8.) König Uladislai gnädigste Bewilligung der Ritterschafft, wegen der Ober=Gerichte, so den Städten etwan auf Ihren Güttern versetzt, dieselben, wann und so offt sie in Vermögen, wieder zu lösen und so lange zu haben und zuhalten, bis die Könige zu Böhmen zu ihrer selbst eigenen Haltung dieselben abzulösen. Ao. 1515 Steht in Schikf. I. c. p. 399.

9.) König Ludewigs Privilegium de Ao. 1526. Steht im zweÿten Theile der Käyser= und Königl. Sanction des Landes Schles. p. 424.

10.) König Ferdinandi Bestätigung aller Privilegien und Freyheiten, darinnen auch König Uladislai und Ludovici Begnadigung alles von neuen confirmiret. de Ao. 1530.

11.) Abschieds und Vertrags zwischen Land und Städten gnadigster Land und Städten gnadigste Bestätigung Ferdinandi de Ao. 1546. Jnsonderheit:

2.) Kaÿserl. renovirt und allgirtes Privilegium der beÿden Fürstenthümer Schweidnitz u. Jauer de Anno 1714 den 27. Martii. Steht im 2 Theil der Käyser= und Königl. Sanction des Landes Schlesien. p. 655 bis 660.

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Sondern wir beklagen vielmehr, daß ein grossel Theil derer besonderern Privilegien und Freÿheiten unser Stadt im großen Brande Ao. 1549 verdorben, das übrige die Trübseligen Dreÿssig=Jährigen Kriegs=Läuffte vollends aufgerieben haben.

1.) Ao. 1341 wurde unsere Stadt von Hertzog Henrico I. mit einem Privilegio wegen Anlegung eines Wurst=Handels begnadigt, stehet in Opere Diplomatico Silesiæ, desgleichen im 2 Theile dieser Hirschb. Merckw.

2.) Ao. 1346 begnadigte Hertzog Boleslaus IV. unsere Stadt mit einer Gewandt=Schnitt Kauff=Kammer. Stehet auch im 2 Theile dieser Hirschberg. Merckw. zu lesen. Desgleichen mit einem Saltz=Marckte im ganzen Weichbilde, Wein=Keller, Wage, Schär=Kammer, Kuchen=Tisch, Eÿsen=Handel und Gewand=Kammer, ohne alle Gabe, Dienste u. Steuer.

3.) Die Land=Gerichte der Stadt Hirschberg hat nach Absterben der Hertzogin Agnes zur Schweidnitz, die solche als eine regirende Fürstin selbst gehabt und behalten, König Wenceslaus An. 1382 Peter Zedlitzen von Meÿwaldau mit allen Nutzen und Einkommen zugebrauchen verkaufft um 180 Schock Groschen, doch also, wenn höchst ermeldeter König Wentzel solche mit Wieder=Erlegung des Geldes zu sich lösen wollte, daß er dieselben wiederum abzutreten schuldig seyn soll. Ge-

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dachter Peter Zedlitz ließ sie nachmahls eben solcher gestalt und um 150 Schock Groschen E.E. Rath der Stadt Hirschberg zu, welche sie noch bis dato gleich in Versetzung behalten, und sind ihnen Ao. 1439 von Albrecht Colditz Hauptmann verliehen worden. Es hat sich dereinst Hr. George Zedlitz zur Neukirche der Land=Gerichte zu Schönau und etlichen umligenden Dörffern gerühmet, wie er sie aber an sich gebracht, habe nicht gelesen.

4.) Die Erb=Vogteÿ sammt denselben Zugehörungen an Zinsen, Mühlen, oder woran das sey, nichts ausgenommen, beÿdes in und vor der Stadt Hirschberg, hat eben um dieselbige Zeit einer vom Adel, Hanß Czirn genannt, in der Stadt Hirschberg gehalten, von welchen E.E. Rath solche mit Consens der Hertzogin Agnes der Stadt ewiglich zu haben und besitzet verlehnet.

5.) Die Neu=Mühle unterm Berge, ietzo die Nieder=Mühle genannt, hat die Stadt Hirschberg zum Theil von Hanß Czirnen und andern zu sich erkaufft und durch Lehn von der Hertogin Agnes an sich bracht, haben die Lehns=Briefe darüber in einem Commissariat der

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Lehn=Dienste halber fürgelegt. E.E. Rath der Stadt Hirschberg muste von ihren Mühlen Jährlich acht Malter Gersten Maltz ins Kloster Grüssau oder dem Probst zum Warmbrunn geben, welches ohne Zweiffel vor Alters dem Fürsten zuständig gewesen, wie es aber dahin kommen, ist nicht bekandt. Jn einem Extract aus einem kleinen MSCto wegen der acht Malter Gersten Maltz steht: Die Mühlen beÿ der Stadt tragen zwar etwas, es muß aber viel auf die Rosse, die darauf gehalten werden, gewendet werden. So ist es mit den Wehren auch alß beschaffen, daß man Jährlich daran bauen und grosse Unkosten darauf wenden muß. So muß auch daraus Jährlich der Probsteÿ zu Warmbrunn, welches durch ein Testament dahin kommen, acht Malder Gersten Maltz gegeben werden. Jetzo wird das Geld davor gezahlet oder Jährlich 6 Malter in Natura gelieffert.

6.) Es haben die von Hirschberg von einem Herrn von Zedlitz von Meÿwaldau 4 Mälder Forst=Haber /: der Lehn=Brief nennet es nicht Forst=Haber, sondern Hertzogs=Getraide :/ Jährliches Zinses u. 3 Schffl. Hertzogs Geträidige gekaufft, auch durch Königl. Lehen an sich bracht, ist auch in einem Comissariat der Lehn=Dienst halben fürgelegt wor-

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den. Aber das Hertzogs=Getreide ist der Stadt etliche viel Jahr lang nicht gegeben worden.

7.) Hertzog Heinrich hat sein Recht und Herrschafft, die er auf den Dörffern, Reibnitz, Straupitz, Bertheldorff und auf dem Forberge zu Grunau, alle im Hirschbergischen Weichbilde gelegen, als er dasselbige Recht und Herrschafft selber gehabt, sonderlich das obriste Gerichte mit Geschoß, Pfennigen, und Getreide, mit Müntz=Geldern, oder wie das Recht und Herrschafft seÿ zunehmen, Hrn. Contzen von Czirnen vor das Burglehn zu Hirschberg gegeben.

8.) Das Königliche Hoff=Gerichte ist in den Königlichen Erb= Fürstenthümern, zu dem Ende eingeführet worden, daß es die von dem Königlichen Erb=Fürstentümern, zu dem Ende eingeführet worden, daß es die von dem Königlichen Amte angeordnete Pfändung, Einweiß und Taxirung der Güther und was sonst darzu gehörig, exeqviren soll; bestehet aus dem Königl. Hoff=Richter und vier oder fünff Erb=Scholtzen als Schöppen.

9.) Die Königliche Renthe oder Geschösser, so von Alters dem Fürsten oder dem Burg=Lehn Jährlich 35 Marck nach 7 Pfennigen Zahlung zugestanden, hat der Rath der Stadt Hirschberg ietzunder in Versatzunge und Pfands weise inne, wie

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sie solches im Commisssariat der Lehn=Dienst halber, mit Königl. Briefe produciret, solche werden ietz und zu Gemeiner Stadt und andern Nothdurfft verwendet.

10.) Hr. Hans und Ernst Gotsche, Gebrüder, haben die Lehn=Gütter zur Hartau Zünßhafftig gemacht, dieselben darnach also der Stadt Hirschberg verkaufft und der Stadt ihr Brief und Siegel gegeben, ob die von Hirschberg der Lehn=Pferde halben agesprochen würden, zu vertreten und Schadloß zu halten.

11.) So haben auch die Rath=Leuthe der Stadt Hirschberg das Schrott= und Karren=Amt Kauffweise an sich gebracht.

12.) Die Stadt Hirschberg, ob wohl solche im Geburge und außer der Land=Straße gelegen, deswegen auch kein Zoll= Roß= oder Wagen=Geld noch ichtwas anders einzunehmen, muß nichts destoweniger ohne alle Stein=Wege auf allen Straßen herum noch fünff große steinerne Brücken, darauf Jährlich ein groß Geld Spendiret werden muß, aber kein Einnehmen geordnet, halten.

13.) Die Wälde, so geringes Ansehens, haben die von Hirschberg; mit ihren Land=Güttern bekommen, haben auch sonst keine Wälde oder Heÿden, davon sie Nutzungen nehmen könnten, sondern da-

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von nicht wohl zunehmen, was zur Stadt baue zuerhalten von nöthen ist.

14.) Hat des Jahres dreÿ Jahr=Märckte: der erste wird Sonntags nach Himmelfahrt, Exaudi genannt, gehalten, ist von König Ludovico, An. 1519 bestätiget worden; der Zweÿte ist Sonntags nach St. Bartholomæi gefällig und zugleich die Kirch=Weÿhe oder Kirmes, der dritte, trifft den Sonntag nach Simonis-Judæ, wird der kalte Jahr=Marckt genennet.

15.) Aus ertheiltem Privilegio Uladislai, Königs zu Hungarn und Böhmen wird E. Hoch=Edler Magistrat durch freÿe Raths=Kÿhr erwehlet, die das Königl.=Haus mit Recht u. Gerechtigkeit löbl. versehen.

16.) Das Wappen der Stadt führt in dem Schilde und oben auf der Crone einen mit dem fördern Füssen sich auflehnenden Hirschen. Dieses sammt dem Nahmen der Stadt Hirschberg hat dem Nasoni in Phoen. Rediv. zu folgenden Gedancken Anlaß gegeben.

Cum cervis tribununt montes tibi nomen avitum
Et vario circum flumine
Assimilat se sanctus
Amor per munia cervo
Qvi sitiens Streperas amnis
.

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Jn sanctis fundata Fides stat montibus et Spem
Captivam in tumidis anchora

Ut sit vera fides et spes socialis amori,
Hæc precor, unanimes jungat in nobe Trias
Die Berge legen dir, mein Hirschberg, von Alters
her den Nahmen beÿ;
So sieht man gleichfals, wie dein Umkreiß mit
Flüssen fast umschlossen seÿ
Darzu gesellt sich heilige Liebe, das zeugt des
Hirschens Eigenschafft
Der sucht und findet an den Wassern Erqvickung,
Munterkeit und Krafft.
So gründet sich der wahre Glaube, gleich als auf
Berge Felsen=fest,
So wohl die Hoffnung auf dem Ancker im Wasser
sicher sich verlaßt.
Damit nun auch beÿ Glaub und Hoffnung ge
treue Liebe möge stehn,
So gebe die der Dreÿ in Einem; dahin soll un
ser Wünsche gehn

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8. Zeug=Hauss.

Das Zeug=Haus, so vor alten Zeiten mit etlichen und Zwantzig Stücken und allem darzugehörigem Vorrath in Kugeln, Leuten, Pulver, Granaten und anderm Kriegs=Zeuge gnüglich versehen war, ist den bösen Zeiten, und vornehmlich der Gewalt des verwüstenden Krieges zum Raube offen gestanden. Zu Anfange des 1633=sten Jahres bekam der Obriste Weißbach mit seinem Regimente zu Roß, nebst dem Obristen Löser mit einem Regimente zu Fuß das Qvartier in und vor der Stadt, lagen 20 Wochen allhier und verfuhren hart mit der Bürgerschafft; beÿ ihrem Abzuge nahmen sie die entlehnten Musqveten und zweÿ schöne Metallen Stücke auf Rädern mit hinweg. Das übrige aus der Rüst=Kammer holte der Hauptman Bretin vollends nach, bis auf 50 Musqveten, die man nebst den Lunten und Pulver salviret hatte. Jm Monat Octobr. forderte der General Wallenstein alle Metallene Stücke, Mörser und dergleichen, durch einen ernsten Befehl von der Stadt; Ob man sich nun wohl darzu nicht verstehen kunte, so nahmen sie dennoch 3 Metallene Stücke, die etwan noch hinterblieben waren, von Rädern und führten sie mit sich weg. Jn den letzten guten

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Zeiten daher ist das Zeughauß gar fein wieder angefüllet worden; Gestalt es so wohl auf der gemeinen Stadt, als derer vor das Publicum wohlgesinnten Personen Kosten mit Zwölff feinen Stücke und Kammern, wiederum versehen worden. Wenn man nicht besorgen müste, daß man deroselben bekandte Modestie beleidigen möchte, würde man Hr. Johann Bernhard Holtzhausen auf Schönwalde, gewesenen Stuck=Hauptmann bey unser Stadt, desgleichen den Hrn. Commercien Rath, Christian Gottlieb Glafeÿ, Hrn. Friedrich Wilhelm Wincklern, Hrn. Johann Martin Gottfried, gewesenen Stuck= Hauptmann, besonders Weÿl. Hrn. Gottfried Glafey, vornehmen Kauffmanns=Eltesten und Ober=Kirchen=Vorsteher, der fast den Anfang darzu gemacht, und andere zu nennen haben. So hat auch unsere Stadt keinen Mangel an guten Wasser= oder Feuer=Spritzen, unter welchen Zweÿ große, die auf Rädern stehen, zubefinden, deren Gröste ein Mann allein nicht regiren kann; die übrigen viere, die getragen werden, sind leichter fortzubringen und zur regiren. Zu geschweigen der Schläuche, die man zur Zeith der Noth gebrauchen und damit alle Stuben, Kammern, Gemächer und Winckel in Häusern bewässern und retten kann.

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9. Einwohner.

Die alten Einwohner hielten sich schlecht, ohne sondre Pracht und Hoffart, an Geberden und Sitten freundlich und darbeÿ überaus fleissig und nahrhafftig. Der berühmte Gveintius in Lusat. legt dergleichen Lobspruch dem gantzen Lande Schlesien beÿ. Est
Gens astuta, sagax, prudens, industria, solers,
Provida consilio, legum jurisqen perita,
Corpore mente valens, animo vigil, ore venusta,
Membrorum levitate vigens, patiensqen, laboris,
Promta manu sermone fluens, avidissima laudis

Was sind die Schlesier ? Ein Volck klug und erfahren,
Verschmitzt, treu und geschickt die Rechte zubewahren,
Von Leib und Muthe starck, von sondrer Munterkeit,
Sehr freundlich und bemüht, das keine Arbeit scheut,
Sehr tapffer und beherzt, das sich nicht überhebet,
Fürsichtig und beredt, das stets nach Lobe strebet.
Man setze dem zugleich nach diesen Lobspruch beÿ,
der alles überwiegt: Gott und dem Käyser treu.

Diese gute Eigenschafften muß man noch an unsern Jnnwohnern Männlichen und Weiblichen Geschlechts rühmen, und ob man wohl wegen der Vie-

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len Frembden, die nicht nur von Zeit zu Zeit ab und zureisen, sondern auch sich allhier niederlassen, eine gäntzliche Veränderung der Sitten und Kleider hätte vermuthen sollen; so hat es doch den vornehmsten und vermögensten unsers Orths, denen göttliche Vorsicht an Zeitlichen Güttern ein großes Zugeworffen, gefallen, beÿ dem eingeführten Modell einer untadelhafften Redlichkeit, Freundlichkeit, Dienstfertigkeit, Wohlthätigkeit und Emsigkeit zubleiben. Jnsonderheit wuste der Autor Chron. Norimberg den Töchtern Schlesien eine besondere Ehre anzuthun:
Sexus foemineus in Selesia venustus est et affabilis, sed sine pudicitiæ tamen labe, sie sind schön und freundlich, doch ohne die geringste Verletzung ihrer Keuschheit, und Neander: Veneres es puellæ Silesiæ tales sunt, ut vel silicem subigere possint ad amandum, sie sind so qvalificirt, daß sie auch einen harten Stein zur Liebe bewegen können. Lichtstern in der Schles. Fürsten=Crone p. 765 weiß dieses gar fein im deutschen auszudrucken: Das gerade, wohlgewachsen und recht alabastrirte Frauen=Zimmer, giebt mit seiner Schönheit, damit es Gott geseegnet, andern Nationen wenig nach. Es weiß mit seiner angebohrnen Freundlichkeit und Höfflichkeit, Frembden und Einheimischen, über die Massen sittsam zubegegnen, und fässelt beÿdes mit seiner Schönheit und Sittsamkeit, viel hundert in Schlesien kommende Frembde, dergestalt, daß sie wie-

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der allen Vorsatz sich müssen gefangen geben, in eine Heÿrath einlassende und Schlesische Bürger zu werden. Diese Betrachtung gab dereinst, bey der Vornehmen Kretschmer= und Baumgartischen ehelichen Verbündung, die glücklich ausgeschlagen, Anlaß zu folgenden Gedancken:

Die Töchter Schlesiens sind aus der massen fein.
Es hat schon die Natur so was in sie gepräget,
Das man bey andern fast umsonst zu suchen pfleget,
Wer sie genau betracht stimmt völlig mit mir ein.
Man läßt ein iedes Land an seinen Ruhme blühen,
Die Töchter Schlesiens sind vielen vorzuziehen.

Die Väter rühmet man daher beÿ langer Zeit,
Man sagt: die Schlesier sind Kluge, weise Leute,
Ein arbeitssames Volck, so nicht auf einer Seite
Von Rechten abeweicht, das seinen Feind nicht scheut,
Sie sind beredt*) und schön, die nur nach Lobe streben,
Jhr Fuß ist stets bemüht, ihr Wandel Gott ergeben.

Eÿ! sind die Eltern so, wie sollten Kinder nicht,
Voraus die Töchtergen der Eltern Tugend erben
Die keine frembde Lufft an ihrer Bluth verderben,
An Wachsthum stöhren kann, wie Söhnen offt geschicht;
Ja wohl, an Töchtern kann man unverändert lesen,
Was unser Schlesier von Alters her gewesen.

Sie sind ausbündig schön, gantz artig und geschickt

*) Philippus Melanchthon soll offtmahls im täglichen Gespräch die Schlesier gelobet und gerühmet haben, daß sie beredsame Leuthe u. gute Redner wären.
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Sehr freundlich und beredt, das kann die Keuschheit leiden,
Jn Kleidern schlecht und recht, an Sitten höchst bescheiden,
Die wahre GOttesfurcht noch über alles schmückt.
Eÿ! demnach welches Land kann dieß beÿsammen weisen,
Drum muß man billig sie vor vielen andern preisen.

Das kunte man damahls mit einem auserlesen Exempel in Hirschberg bestetigen, und man kann versichern, daß unser Stadt zu allen Zeiten eine fruchtbare und glückliche Mutter vieler solcher feinen Töchter, um die sich auswertige bemühet, gewesen ist.

Vor alten Zeiten gab es hier mehrentheils Handwercks=Leute, fürnehmlich Tuchmacher und Weber. Eines theils beflissen sich des Ackerbaues, andere übeten Kauffmannschafft. Jnsonderheit erwieß sich das Weibes=Volck seht emsig und fleißig, allerhand Borten und Schleÿer zuwircken, Zubleichen und auf das schöste zu Zurichten, welche in große Anzahl von Frembden, Juden, Schotten und Polacken abgeholet und von den Jnwohnern selbst in ferne Lande geführet und verschicket werden. D. Schweckfeld, ein berühmter Hirschberger Stadt=Physicus wuste dieses in lateinischer Sprache gar sonderlich herauszustreichen.*) Fast glei-

*) Hic tela liateæ tenuissimæ, candidissima magno numero conficiuntur, qvæ in varias et remotus terras distrahuntur, in qvibus texendis mirabilis foeminarum industria soleriaqen perspicitur.
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cher Ausdruckung bedienet sich Henel. in Silesiagraphia nur mit dem Zusatze, daß Hirschberg dadurch ihren Reichthum vermehret un das Haupt über andere Städte sehr erhoben hätte.**) Wie aber Gott einem iedweden Lande etwas beÿgeleget dadurch es seinen Unterhalt, Nutzen und Auffnehmen suchen und befördern kann, da, zum Exampel, in einem der Kornbau, im andern der Weinwachs u. s. w. floriret. Also hat unser Schlesien gantz was besonders am Flachsbau, unsere Stadt Hirschberg aber und hiesige Gegend sich mit der Schleÿer=Manufactur dermaßen bekandt und berühmt gemacht, daß man von den Hirchbergischen Schleÿern weit und breit zu reden weiß. Das rühmet Fechnerius in Sylv. Elys. p. 21.***) Und p. 47 und 48, nach

**) Cibficitur heic ingens vis linteorum, qvæ ut tennitate præstantiaqen nullis hujus proviaciæ cedunt , f..ir in varias et remotus terras, magno civium lucru ac divitiarum augmento distrahuntur. Jn iis qvidem taxes dis mirabilis foeminarum industria solertiaqen perspicienda ut mirum non sit, si Hirschberga ex parvis initiis concintna Minervæ et Mercurii copula ad summa vel summis proxima se erexerit et caput inter alias civitates excessum extulerit.
***) Omnia non uni tribunatus munera terræ Hic segetes melius nascuntur, lætius illic Vites. Mollis Arabs bene=dentis thuris acerras Colligit acre piper sub Eoo sidere natum Europæ mittit cum gemmis Jndus opimis.
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dem er vorhero den Bober=Strom nach seinem Ursprunge und was er vor Städte, nehmlich Landeshutt u. Kupf-

Pannoniis vinum nobis affertur ab oris. Sic proprias atiam foecunda Silesia dotes
Obtinet, externo qvæ non nascuntus in orbe.
Austrinis late qvæ subjaret Alpibus, ora,
Bobera qvam liqvida Qvissusqen coronide cingunt,
Tota viret passim, geniali consita lino,
Qvo nihil atitius tellus producit alumna
Arte patant varia germen tam bobile gavæ
Foemella, et certis solertes usibus aptant.
Ætas hic omnis matres teneresqen puellæ,
Et plerinqen mares è molli tenuia fuso
Fila trahunt, multo qvæ præstinat ære redemtor
Externæ mercis peregrenum et mittit in orbem
Et lucrum non vile refert. Sed pollice textor
Conficit artifici preciosæ stamina telæ.
Jnde sibi panem qværes victumqen diurum.
Jtis tu comprimis studiis, Hirschberga, Minervæ
Textricis flores populis celebtrata remotis
Lintea tu texis subtilis dædala fæi,
Unde sibi fieri tam nobilis Autor Athena
Artis amat peplum cujus tua nomina limbo
Jntexat nivco memorentus utomne per ævum.
Macta esto his, Hirschberga, bonis et lintea perge
Texere, qvætenui possint contendere bysso,
Telis bombycum non detercora superbis.
Linea texta suant alii, qvæ foeda pudenda
Velent: unde niger capiat sibi subligar Afer.
Tu matronali capiti*)velamen honorum
Confice et eximiæ decus adspectable fronti
Adfer, qvo sese jactet formella venusta,
cum corpus tenerum preciosa syndone velat,
*) Diese Art Leinwand nenne unserer Landesleute Schleÿer.
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erberg berühret beschrieben, kömmt er endlich auf den Flachsbau und Schleÿer=Manufactur, und leget unser Stadt Hirschberg deswegen einen besonderen Vorzug vor andern bey, wie oben in dessen Carmine vom Bober=Fluße zulesen. Auf was Arth und Wiese aber die dücke und dünne Schleÿer=Manufactur hieher in diese Gegend kommen, und was es anfänglich vor eine Bewandniß damit gehabt, damit verhält es sich zuverläßlich also: Nehmlich, daß der erste Weber hierum ohnstreitig ein Hirschbergisch Stadt=Kind, mit Nahmen Joachim Girnth, seines handwercks ein Schuhknecht gewesen, welcher Ao. 1470 Bürger und Meister allhier worden ist. Derselbe hatt zu Harleben in Holland das Webern gelernet, beÿ seiner Rückkehr zweÿ Messingene nebst einem kleinen von einem Holländischen Tischler gemachten Gezehe oder Webe=Stuhl, als ein Modell, mit gebracht und nach allhiesiger Verfertigung eines grössern Stuhls, nebst seinem Schuster Handwerck das Weben continuiret. Da er denn das erste dücke Webe damahlen in seines Vaters, hernach in seinem eigenen Hause am Ringe, welches Hr. Gottfried Kahl, Vornehmer Bürger,

Gemmarum et niveo suspendit pondera collo.
Parva loqvor: Coelotua lintea digna videtur,
Scilicet exornat superos stola candida manes,
Qvæ nives splendore nitet, ceu linea vestis,
Lucis qvæ præbet puro simalacra pudore.
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Kauff= und Handelsmann anietzo besitzet; und zwar in dem Ercker seiner Wohnstube verfertiget, und solches nebst andern, vermuthlichnach Wien zu reichlichen Verkauff verführet. Hierauf hat er seine Schwestern, die eine Martha, die andere Elisabeth benahmet; jedoch mit diesem Vorbehalt im Weben unterrichtet, daß sie ihm, vor Kost und Kleider, sieben Jahr zu arbeiten haben versprechen müssen, und habe soche dücke Schleÿer=Arbeit bis gegen Ao. 1622 oder 1624. Um welche Zeit ein gewisser Domherr aus Breßlau, entweder ein von Franckenberg oder Falckenberg einer Hirschbergerin Nahmentlich Marthæ Moybanin gebohrne Laußmannin, damahls Jonæ Moybani, eines Goldschmidts allhier in Hirschberg, hernach in Breßlau Bürgers Ehe=Frau, unsers Weyland alten Hrn. Jonæ Kämmerers, dem der gantze Platz, worauf unsere Evangelische Kirche und Schule erbauet worden, gehöret hat, Groß=Mutter, Mütterlichen Seites, Vorschuß gethan und auf seinen eigenen Gewinn und Verlust, ein dünne Webe Schleÿer zuverfertigen verlanget. Ob nun schon erwehnte Martha Moybanin, welche zugleich eine Descendentin von oben erwehnten Joachim Girnthen, und zwar in sexto gradu inæqvalis lineæ, oder

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eine Stieff=Enckelin ist, niemahlen vorhin einige dünne Schleÿer gesehen: nimmt sie doch das Muster von dem dünnen Flor und verfertiget das erste Webe in des Kalinichens Hause vor dem Langgassebthor ohne Zuziehung eines Webers. Allein nach dem solches erste Webe auf der Bleiche ritschig worden, verfertiget sie auf fernere Unkosten wohlgedachten Domherrns, iedoch mit Zuziehung eines jungen Webers, mit Nahmen Christoph Schwanitzes, der vorhin das Weben beÿ ihr gelernet, nach der Hirschbergischen Belagerung aber nach Grunau gezogen, ein anderes und zwar gut und tüchtiges dünnes Webe, welche Arbeit so dann nicht nur von Zeit zu Zeit besser gerathen, sondern sich auch nach und nach über alle die Massen hierum ausgearbeitet hat. Welche Nachricht von Hrn. Elia Cämmerern, einem Hirschbergischen gelehrten Stadt=Sohne und Juris Practico, als des erwehnter Hrn. Jonæ Cämmerers Hrn. Bruder, welcher, wie aus den Actis zuersehen, denen Schleÿer=Webern wieder die Leinweber bedient gewesen, deutlich und ordentlich colligiret worden. Die gestreifften und gepünckten Schleÿer sind etwa beÿ 40 Jahren her, nach einem Schweitzerischen oder Frantzösischen Modell nachgekünstelt worden, von einem geschickten Weber in unserm Grunau, der

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es hernachmahls vielen andern um ein billiges gewiesen und gelernet hat. Daß also diese dücke und dünne gestreiffte und gepünckte Schleÿer=Manufactur in hiesiger gantzen Gegend zu einer der gemeinesten und profitablesten Nahrung worden ist; darbeÿ sich auch unsere liebe Stadt nicht übel befunden hat, woraus seitdem eine alhiesige Löbliche Kauffmannschafft sich nicht begnügen lassen, ihre Waaren auf die berühmten Handels=Plätze: Wien, Prage, Breßlau, Brinn, Franckfurth an der Oder, Leipzig, Naumburg, Dantzig, Königsberg, etc. zu verführen; sondern auch nach Trieste, Hamburg, Holland, Engelland, Schweitz, Franckreich, Spanien, Portugal, Jtalien, Moscau. Schweden, ich möchte fast darzu setzen in Asiam und Affricam, Ost= und West=Jndien zuverschicken. Dieses schloß ein berühmter Hirschbergischer Stadt=Sohn in Leipzig Hr. D.C.M. Adolph, Phil. et Med. Doct. Assess. Fac. Med. Soc. Nat. Collega et Collegii B.M.V. Senior et Præpositus in diese wohlgesetze zweÿ Disticha ein, die gewiß meritirten unter ein Kupffer von unserer Stadt Hirschberg geschrieben zu werden:

Prisca fides: labor immensus: commercia rerum:
Sunt, HIRSCHBERGA etuum robur et.

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Lintea cum Batavo tua Britto partat ad Jndos,
Numen fida colis Cæsaris atqen Dei

Wie nenn man diese Stadt? Gott und der Käyser treu
Von alter Redligkeit und unverdroßner Mühe.
Was Wunder, daß in ihr die Handlung herrlich blühe,
Man legt ihr diesen Ruhm mit allem Rechte beÿ
Es ehren sie nicht nur die nahen Handels Plätze,
Man hört, daß alle Welt sie werth und Nützlich schätze.

Es schwebet annoch im rühmlichen Andencken, wie bemüht sich Tit. Hr. Gottfried George Jeoseph von Ehrenschild ein allhiesiger Hochverdienter Bürgermeister und königl. Hofe=Richter, zur Erhebung des Commercii die Ausfuhr der Schleyer=Manufacturen zu stabiliren bewiesen; Gestalt er zur Erleichterung dieses seiner dem Lande zum besten angeziehltten Jntention, nicht allein An. 1676 auf eigene Kosten in Holland, sondern auch hernach Ao. 1682 abermahlen alda und nach den Spanischen Niederlanden, wie auch Franckreich und Engelland, um sich des Werths und der Güthe bedeuteter Manufacturen bestens zu prævaliren und solche iemehr und mehr in dem werthen Vaterlande zu stabiliren und fortzusetzen, ver-

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reist ist. So weiß man auch, was vor und nach der Zeit: die Adolphe, die Frömberge, die Ziegler, die Krelle, die Pohle, die Hempel, die Bertermanne, die Nicolai, die Riemer, die Rüdiger, die Pfeiffer, die Steulmanne, die Knebel, die Buchse, die Glafeÿ, die Steuer, die Kretschmer, die Körner, die Baumgarte, die Mentzel, die Scholle, die Beÿer, die Hoffmanne, die Scholtze, die Tralles, die Ketzler, die Caspary, die Weissige, die Holtzhausen, die Wagner, die Kampmüller, die Fritsche, die Haude, die Glogner, die Dittriche, die Winckler, die Gottfriede, die Jäger, die Crusiusse, die Schäle, die Knolle, die Lehmanne, die Glatte, die Ulmanne, die Streite, die Jhle, die Hienelin, die Böhme, die Schneider, die Gotsche, die Döpler, die Martin, die Hartmanne, die von Höselin, die Krache und a. m. als vornehme Kauffleute, die zum Theil arm nach Hirschberg gekommen und einen grossen Seegen allhier gefunden, bis auf unsere Zeit zu löblich beygetragen haben.

Außer einer löblichen Kauffmanns=Societät, die sonst unter der Bürgerschafft die siebende Stelle hat, bestehet die sämmtliche Bürgerschafft aus nachstehenden 16 zünfften: 1.) die Fleicher, 2.) die Schuster, 3.) die Becker, 4.) die Schmiede, 5.) die Schneider, 6.) die Kirschner, 7.) die viel

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Handwercker, zu denen sich die Zuckerbecker, die Balbier, die Goldschmiede, die Buchbinder, die Posamentier, die Ferber, die Huttmacher, die Kannegisser, die Beutler, die Weißgerber, die Sattler, die Seiler, die Messerschmiede u. a. halten. 8.) die Büttner, 9.) die Tischler mit denen es die Dreßler, die Rademacher, die Stellmacher p. halten, 10.) die Gemeine Bürger=Zunfft, 11.) die Leinweber und Züchner, 12.) die Töpffer, 13.) die Tuchmacher, Tuchscherer und Walcker, 14.) die Schlosser, 15.) die Mäurer, 16.) die Stricker

10. Gesunde Lufft.

Die Lufft hierum ist frisch, rein und gesund. Aere fruitur bono et temperato et salubri, schreibt ausdrücklich von unser Gegend Henel. in Silesiogr. Renov. p. 208. Schickfus setzet die Ursach hinzu: Weil die Berge gegen Morgen und Mitternacht etwas flach würden, so würden die Aqvilonii und Curi eingelassen, welche die Dünste und Nebel von den Wässern und Wädern aufgezogen, zertrieben, die Lufft durch weheten und reinigten. Und ob zwar die Sudetes und das Riesen=Gebürge gegen Mittag sehr hoch stiegen, verhinderten sie doch nicht den Sonnenscheine

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diese Gegend zuerwärmen, sondern brächen u. schwächen vielmehr, die ungesunden und schädlichen Austros, damit sie weniger schaden oder die Lufft inficiren könten und machte der Wiederschein von den entgegen gelegenen Gebürgen diesen Orth gantz warm und fruchtbar. Welches wohlbemeldeter Hr. D. Adolph in seinem gelehrten Tractatu de Therm. Hirschb. c. I. p. 7. mit netten Worten erleuterte.*) Jch besinne

*) Cum regio itaqen alta sit et montana, saluberrima illa habetur. Jtinc et Plato jam memorat se in altissimis et temperatis regionibus invenisse valde longævos. Hinc et Apennini montes lydiæ, Athos inter Macedoniam et Thraciam mons, eo nomine celebres sunt, qvod incolas sanos alant atqen longævos. Solum est morice siccum et alendis fragibus sat nite ac arboribus et fruticibus resinosis, balsamicis plantis et herbis varii generis svave fragantibus=qvæ aerem attenuarc et salubriorem reddere possunt, et pascuis pecorum pingvibus et salubribus freqvens existit. Variis aliis et perennibus crystallinis aqvis, glarevsis, dulcibus dulqen strepitu per rivulos torrentesqen decurrentibus et vel in media æstate gelidis, gustui non in gratis et optimis, salubribus (nec Nili ideo uqvis secundis) abundat iisdemqen rigatur. Nulli lacus nullaqen pallud es inveniuntur, vel non tales, qvæ aerem inquinare posscaten sic et perflatur acre elastico, æqvali, sereno, puro, salubribus ventorum flatibus agitato, ad frigiditatem potius inclinante. Jdcirco placida coeli temperies verno alias tempori maxime similis, omnesqen deinceps anni partes pari salubritate perourrit; nec alla regio in tota Silesia (ne majus qvid
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mich, daß ein Vornehmer Gönner aus Breßlau, als er unser Gegend Ao. 1728 an Pfingsten beschauet hatte, de dato, 29. May, schrifftlich bekandte, wie annehmlich und gesund, er diese unserer Gegend befunden hätte, „das Andecken der gethanen Lust=Reise machet, daß ich noch nicht recht zu Hause bin. Jch kann versichern, daß ich mein Tage nicht so vergnügt gewesen, als auf dieser Reise, da in so weniger Zeit mir so viel schöne und abwechselnde Anehmlichkeiten vor Augen kommen; am allermeisten aber in den Hirschbergischen Revieren, welche ich vor die rechten Tempe Silesiaca halte und in denselben alles dasjenige angetroffen, was man vor Zeiten an den Tempibus Thessalicis bewundert hat.“ Und wenn dem nicht also wäre, wie könte auch Philotheus im Lobspruche Schlesiens unser Hirschberg, wie die güttige und höffliche, also auch die gesunde nennen? Daß man dannenhero den hierwieder gemachten Einwurdd aus Donii libro des restituenda Salubr. agri Rom.

dicam) salubrior haberur. Adeo benigno vultu respicit illam coelum, qvam florida Silesiæ tempe non inconvenienter dixeris, Jactet vicina Bohemia aeris sui salubritatem, Neapolis Neapolituni Jactat Hispani ea propter Madritum et Granadam, Brasiliam alii. Jactat ensem, nos aeris nostri salubritatem merito extollimus qvia patricam nostram commendat.
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und Dieterici Jatreo Hippocratio, ehe man ihn auf unsere Gegend völlig applicieret, noch wohl in einiges Bedencken nehmen wird. Man könte vielmehr daraus Schliessen, daß unsere Gegend und Stadt eben deswegen einer recht gesunden Lufft genüssen müsse, weil sie nicht auf sehr hohe und sehr kalten Bergen, die noch weit genung entfernt sind, sondern auf einer solchen Höhe lieget, die man mit allem Rechte eine lustige Höhe, welche die Winde recht durchstreichen können, nennen mag.

Ein erfahrner Gesundheits Gelahrter, der die Hirschbergische Lufft, relative, gegen andere in Schlesien und Böhmen an sie grentzende Lufft=Striche betrachtet, erwog, behauptete aus nachstehenden Beweiß=Gründen, daß sie eine mit von den gesündesten seÿ: Er bezohe sich: 1.) auf den gebürgichten Land=Strich, und weiter, daß generatim von den erfahrensten und verständigsten Physicis die gebürgichten und erhabenen Land=Striche allezeit vor gesünder geurtheilet würden, als die flach u. niedrig gelegenen. 2.) Speciatim auf das Riesengebürge, welches, weil es sich zwischen Süd=Ost

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und Süd=West sehr weit ausdehne, und denen daher blasenden feucht= warmen Winden (welche nach dem allgemeinen Ausspruch der brühmtesten Naturkündigen mit ihrem Qvalitatibus zu Febribus patridis, malignis contagiosis et pestilentibus gern Gelegenheitzu geben pflegten) den allzufreÿen Paß ziemlich verrigelten, da auch die über und um das Gebürge herum sich befindende Atmosphæra mit seinen contraiten Qvalitatibus, die qvaliates der durch sie hinstreichenden feucht=warmen Winde ziemlich corrigirten und verbesserten, überaus viel zur Gesundheit und hohem Alter der Einwohner beÿtrüge. 3.) Auff die frischen, hellen leichten und gesunden qvellen, die sich häuffig genung in unserm gebürgischten Land=Striche befänden und ein klares Zeugniß von den guten und gesunden Beschaffenheiten nicht allein des Bodens der unter irrdischen Gegenden, sondern folglich auch der über denselbigen sich befindenen Lufft=Gegend gäben. 4.) Auf die häuffigen Winde, welche, weil sie insgemein häuffiger und stärcker um die hohen gebürgichten Gegenden, als in der Fläche und Tieffe wehrten, dieselben aber von dem weisen Schöpffer unter andern auch hauptsächlich zur Ventilation und Reinigung der Lufft und zur Zertheilung und Vertreibung der aus der Erden steigenden Dünste verordnet sind, die gebürgichten Oerter ungemein gesund machten; daher auch von vielen,

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ja den meisten und berühmtesten Medicis den Krancken, die mit langwierigen Maladien behafftet sind, gerathen würde, sich an hohe und erhabene Oerter, der reinen Lufft wegen, zubegeben. 5.) Besonders bezohe er sich auf den freÿen ungehinderten Paß der Ost= und Nord=Winde, als welche zu Vertreibung und Corrigirung der bösen Ausdünstungen, als von welchen kein Ort in der Welt gantz freÿ wäre, am allermeisten beÿtrügen. 6.) Auf die häuffichen Hartz=Wälder und Büsche, welche mit ihren balsamischen Exhalationibus zur gesunden Beschaffenheit der Lufft und langen Leben ungemein viel beytrügen. 7.) Auf das hohe Alter dero Einwohner; indem es in Vergleichung anderer angrentzenden Flach= und tieff=liegenden Erd=Striche, um die Gebürge und insonderheit um unser Riesen=Gebürge, mehr zu einem 60. 70. 80. 90. 100=Jährigen Alter gelangende Personen gäbe, als an den Orten, die weit vom Gebürge entfernt wären. 8.) Auf die Fruchtbarkeit der Einwohner. 9.) Auf die das Gemüthe ungemein ermunternde und ergötzende angenehme Variation der Berge, Thäler, Wäler, Flüsse, Bäche etc. 10.) Auf die Seltenheit der Pest; denn obwohl die Land= und sonderlichen das flache Pohlen grentzenden Gegenden, mit der Pest öffters heimgesucht würden so wäre doch unser gebürgichter Land=Strich ziemlich und meistens

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verschonet blieben, und sich auch etwas geäusert hätte, so wäre es doch bald wieder vorbey gegangen, so bald die Lufft von dem Winde wäre gereiniget worden, so wären auch in Relation anderer nicht so volckreichen Land=Oerter, sehr wenige an der Pest hier gestorben. 11.) Auf das einmüthige Zeugniß der besten Scribenten, die unserer gebürgichten Gegend recht kündig gewesen und wegen der gesunden Lufft herrliche Zeugnisse gegeben hätte. Wohlermeldeter Hr. D. Adolph meinet über dieses, daß auch das Holtz auf denen Bleichen an vielen Orthen und Städten der beyden Fürstenthümer Schweidnitz und Jauer, insonderheit allhier in Hirschberg, Landeshutt, Schmiedeberg, Greiffenberg und umliegenden Dörffern, wenn es verbrennet wird, durch seinen aufsteigenden Rauch, der viel oelichte und hartzige Theile in sich hielte, die Lufft reinige und gleichsam einbalsamire.*) Wie wohl der Hr. d. Casp. Gottlieb

*) Si ulterius causus slubritatis (Silesiæ) particulares magis scrutari vellemus, aliæ plures nobis præsto cssent. Sic v. gr.non in postremis est, qvod multis in locis, oppidis Ducatuum Jauroviensis et Svidnicensis, imprimis Hirschbergæ, Landehuttæ, Schmiedebergæ, Greiffenbergæ etc. etc. circumjacentibus pagis, peo linteaminibus candefaciendis= freqventes et qvotidianos ignes struant ex lignis abietum ; pinorum, fogorum, juniperi et similium, resinosis et balsamicis, qvi non solum aerem purgant, sed et iphum ejusmodi balsamicis, resinosis, oleosis, subtilibus salinis volatilibus, spirituosis, acidulis, qvæ salubria sunt imprægnant effluvus. Jn disp. Siles. p. 20.
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Lindner, in seiner gründlichen Betrachtung des rothen u. weißen Friesels p. 85 sq. die Lufft hierum, wegen der vielen Dorff= und Land=Bache, Teiche, Lacken und Sümpffe, unzehligen Brunnen, welche an den Wurtzeln der Berge hervorqvellen und mit ihren Gewässer, den Boden fast durchgängich durchrinnen, lieber gantz ungesund darstellen will. „Denn bey dieser einseitigen, feuchten und wassereichen Landes= Beschaffenheit, schreibt er, würde die Lufft, beÿ einer halbe Wege warmen Witterung, mit immer wärenden nassen Dämpffen und Dünsten angefüllet, die der erwärmte Boden in die Höhe dufftet; welches denn noch um soviel mercklicher geschähe, wenn der zugleich nach und nach zergehende Schnee an und auf denen Bergen ein Theil seines Wassers in die Höhe rauchen ließe, welcher noch darzu die Lufft mercklich erfrischte oder gar erkältete. Hierzu käme, daß die vielen sowohl um die Stadt, aus auf denen Dorffschafften erbauten Bleichen das ihrige reichlich darzu beÿtrügen und Jahr aus Jahr ein, so Tag und Nacht, den wässerichen Theil des dabeÿ verbrennenden Holtzes, als noch eine weit grössere Menge solcher Feuchtigkeiten, unter der Zurichtung der Leinwand in die freÿe Lufft schickten, zugeschweigen, was hierbeÿ die an sich selbst reich bevölckerte Gegend, so von Stadt als Land, mit ihren Häußlichen und Wirthschafftlichen Verrichtungen

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ihrer Jnnwohner veruhrsachte. Alles dieses wäre von desto augenscheinlichern Erfolge, weil die mit Bergen umschlossene Gegend keinen so gar freÿen Windtrieb hätte, welcher die immerfort aufsteigende Dämpffe und Dünste zeitig und flüchtig zertheilete, wie sonst auf freÿem und platten Lande geschähe. Ja weil durch die Höhe der Gebürge, als auch durch die gewöhnlichen Wolcken=Lasten selbst der frühzeitige und freÿe Einbruch der Sonnenstrahlen gehindert würde, so müsten sich dergleichen Ausdunstungen um so viel länger hier verweilen und könten sich langsam und um so viel schwerer in eine rechte Höhe schwingen und daselbst zerbreiten, welches die sehr öffters vorkommende Nebel zur Gnüge bestätigten. Auch der so offt vorkommende und gewöhnliche Nord= oder Nord= West=Wind, welcher überhaupt und am gemeinsten Schlesien durchstreiche, verdiente hierbeÿ in genauern Betrachtung gezogen zuwerden, weil er sehr viel Regen und Dünste schwangere Wolcken über die hier gegen Abend und Mitternacht abhängigen liegende Berge in diese Gegenden stöße, welche sich denn leicht, zumahl wenn sie schwer wären und tieff gingen, an unser höchstes, nehmlich das Riesen=Gebürge

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stremmten und sich hier ihres Wassers und ihrer Feuchtigkeiten zu entlassen suchten. Daß denn auch in dem platten Lande Schlesiens zu der gemeinen Redens=Art Gelegenheit gegeben, nach welcher man sagte: Die Wolcken zögen nach dem Gebürge zu und würden sich da vollends ausregnen. Aus allem diesem erhellete, daß in diesen Gebürgichten Gegengenden eine dünstige, neblichte, feuchte, nasse schwere Lufft zu Hause seÿn müste, welche noch darzu von denen kalten Gebürgen immerfort empfindliche erfrischet und erkaltet würde. Wie weit dieses alles seine würckliche Richtigkeit hätte, erwiese die tägliche Erfahrung durch die Jährlich vorkommende Witterung, welche überhaupt dahin ausginge, daß die Winter ordentlicher Weise an Schnee und Eiß einen Überfluß; Frühling und Herbst aber an Regen und schlüpffrichen nasskalten Wetter keinen Mangel hätte. Auch die heitersten, klaresten und Wärmesten Sommer=Tage hätten öffters ihre dämpffiche Nebel, so wie reine kühle und recht angreiffende Lufft zu Nachts=Zeit vergesellschafft. Jn einem Tage wechselte das Wetter zuweilen auf die verschiedenste Weise mit Schnee, Regen, Sonnenschein, Wind, Sturm, Stille, Trockene, Hitze und Kälte unter einander. Und so könne und müsse es denn leichte geschehen, daß Naturen, welche empfindlich, schweißig und we-

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der von Jugend auf zu dieser Landes=Witterung Handfeste erzogen worden, noch sich in der übrigen Lebens=Art achtsam und vorsichtig, zumahl bey Haupt= Wechseln und zur Nachtzeit dagegen verhielten, einen öffteren Abgang und merckliche Hinderung ihrer sonst gewöhnlichen und der ungemein und ohenentbehrliche nothwendigen Leibes Dunstung leiden müsten u.s.w. Wormit aus dem angeführten sicher zuschlissen, daß hierum eine so sehr ungesunde Lufft seÿ, so verdienen unsere Herren Gesundheits=Gelehrten ungemeinen Ruhm und setzen sich würcklich in den Credit, daß sie den Methodum medendi spezialem ad individua gantz genaue innen haben, in dem die von der ungesunden Lufft sonst herrührende viele Kranckheiten geringes Aufsehen allhier machen; zugeschweigen, daß man auch nach Proportion dieser Volckreichen Stadt und Dorffschafften Hartau, Schwartzbach, Kunnersdorff und Goitschdorff nicht übrig viel Leichen auf hiesige Kirchhöfe tragen siehet. Das ist gewiß, daß man nie gehöret, daß aus Jnficirung der Lufft, die Pest iemahls hierum hefftig grassieret hätte. Was Ao. 1508, 1585, 1586, 1599, 1625, 1626, 1633 und 1634 geschehen, so ist dieselbe Seuche durch GOttes Verhängniß wegen vielfältiger Sünden eingebracht worden sind. Will man einwenden: 1.) Daß beÿ 30 Jahren her eine besondere

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Kranckheit, die man den Friesel nennet, in und vor der Stadt grassieret, dadurch insonderheit Ao. 1708 ein großes Theil der Jnnwohner hingerissen worden? So antwortet obgedachter Erfahrner Gesundheits= Gelehrter: Wenn die verkehrte Diæt vieler Leute, der Mangel der Leibes= Bewegung, das allzusparsame Trincken, die überhäufften Gemüths Unruhen, eine mangelhaffte Erkenntnis oder Diagnosis des Ursprungs des Friesels, und folglich eine verkehrte Methode dasselbe zu curiren nicht thäten, würde man von Friesel kein so groß Gespränge, und den Ort bey Auswärtigen deswegen nicht so verdächtig und durch unbedachtsames so wohl Schrifft= als mündliches Urtheil, wegen nicht gesunder Lufft, verhasst machen dürffen. Doch anietzo höret man nicht weiter, daß es so böß=artig und häuffig ausbreche. Man besehe Hr. D. Joh. Christoph Oßwalds Jnaugural Disp. de Purpura Epidemica woraus Hrn. D. Lindners Vernunfft= und Erfahrungsmäßige Betrachtung des rothen und weißen Friesels darnach deßen Benennung, Alter, Unterschied, Erkändtniß, Ursache, Vorbedeutungen, Cur, Verhalten und Vorbauung, deutsch, verständlich, natürlich und zuversichtlich angegeben werden und zugleich in einer besondern Abtheilung die Frage erörtert wird: Warum der Friesel zu Hirschberg in Schlesien in so gemeinen Schwang gehe: Schweidnitz 1735 beÿ Joh.

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George Böhmen. Ein nützliches und fein geschriebenes Tractätlein, das völlig Beyfall findet, auch beÿ denen, die er vereinet ihm entgegen zu seÿn, nur daß Jhm, wie ein vornehmer Mann geurtheilet , noch kein recht böß=artig Friesel möchte unter die Hände gekommen seÿn. Wolte man ferner einwenden: 2.) Die Lage der Thäler mit denen darinnen enthaltenen Ausdünstungen machte die Lufft ungesund? So wird geantwortet: Daß wohl wenig solche Thäler würden gefunden werden, da den Lufft=Winden von allen Seiten der Zugang versperret seyn solte. Ja es würden wohl wenig NB. so enge und tieffe Thäler können gezeiget werden, welche durch die Bewegung der oben drauf liegenden Lufft und der drüber herstreichenden Winde nicht ziemlich selten gereiniget werden können. Wenn man zumahl betrachtete, daß die Ausdünstungen nicht eben in der Tieffe blieben, sondern theils durch ihre eigene Leichtigkeit in die Höhe stiegen, daß sie oben durch die streichende Lufft zertheilet und verbessert werden könten; theils auch durch die drüber hinstreichende und die drunter liegende Lufft und Ausdünstungen mit in Bewegung bringende Winde durch die Bewegung zertheilet, verdünnet und zum Aufsteigen und bessere Qvalitäten an-

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zunehmen tüchtiger gemacht, dann verwehet und verbessert würden. Wie nun überhaupt nach dem Geständniß und Zeugniß der verständigsten Naturkündiger die Lufft auf und um die Gebürge besser wäre, als die auf dem flachen und niedrigen Lande, so würde wohl schwerlich beÿ unserm Gebürge, das Zumahl eine so vortheilhaffte Lage hat, eine Exception der reinen Lufft wegen zu machen seÿn. Und wenn auch die Lufft in einem und dem andern, NB. engen und tieffen Thale etwas ungesünder wäre, als die andern daran stossende, so liesse sich doch dieses auf die großen und weiten Thäler, ob sie gleich auch sehr tieff wären, nicht appliciren; denn in diese drängen die Winde, durch das vielfältige Anstossen gewaltig genug ein, und das kleine Theil der Lufft, das in einigen, NB. engen und tieffen Thälern wäre (und welche, wie oben gedacht, dennoch von den dran stossenden Lufft gesündrer Eigenschafften an sich nähme) könne der allgemeinen Lufft und Winden keinen so schädlichen Characterem eindrücken, daß man um deswillen einen gantzen Strich Landes vor ungesund urtheilen solte, maßen jenes kleine Particul der Lufft von der allgemeinen Lufft verschlungen, gereiniget und verbessert würde. So würde auch schwer-

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lich können dargethan werden, daß die Einwohner unsers Gebürges in den Thälern ungesünderer Natur und kürtzern Lebens wären, als ihro Nachbarn, die auf der Höhe wohnen, welches aber nothwendig seÿn müste, wenn sie in ungesunder Lufft wohnten, nam effectus testatur de causa.Wolte man 3.) noch weiter einwenden: Die schädlichen, mineralischen auch faulen Ausdünstungen aus unserer Bergichten Gegend machten die Lufft ungesund? so ist schon oben gedacht worden, daß kein Land in der Welt ist, das nicht seine schädliche Ausdünstungen unter den guten vermenget hätte; daher drum auch die Morbi endemii oder solche Kranckheiten, die einem ieden Lande eigen wären, zum Theil entstünden. Ja von den unterschiedlichen Witterungen der Mineralien kame es, daß manchmahl in diesem halb oder, gantzen Seculo gewisse Kranckheiten grassirten, die in einem andern, oder der andern Hilffe des Seculi gar nicht mehr verspüret würden. Davon aber wäre hier nicht die Rede, sondern hier frage sichs: Ob unsere gebürgichte Gegend mehrere und schädlichere Ausdünstungen und Witterungen hätte, als andere und sonderlich die benachbarten angräntzenden Erd=Striche

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in Böhmen und Schlesien! Welches wohl nicht leicht iemand, in Betrachtung der oben angeführten Gründe von der gebürgichten Lufft an sich selbst, von der Vorthelhafften Lage des Riesengebürges, von den Winden, Walken, Qvellem, alten Leuten, Seltenheit der Pest u.s.w. nur mit einem Schein=Grunde der Wahrheit würde bejahen können. Die Scriptores Silesiaci gäben durch ihre vernüfftige Zeugnisse das Gegentheil zuverstehen. Endlich und 4. wird eingewendet: Die Salpetrischen Theilgen in der Lufft wären der Gesundheit præjudicirlich? Dieses aber würde wohl niemand glauben, der die Natur des Salpteres recht eingesehen hätte; zum wenigsten könne er, weil er der Fäulung wiederstehet, auch zu Febribus putridis, malignis, purpuratis und pestilentibus Gelegenheit geben. Hr. D. Stahl sage: Daß der Salpeter, wenn er in der Pest nicht allzu starck auf einmahl gegeben würde, vor den Fluxibus Symtomaticis præservire. Ferner die Nachwelt würde noch erfahren, was vor herrliche Würckung in dem Salpeter verborgen läge, weswegen er iedem dessen Gebrauch bona fide anriethe.

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11. Lebens=Unter
halt.

Alles was zum Unterhalte des Lebens von nöthen, ist hier überflüssig zubekommen. Denn neben dem Getraÿde, so das Feld gut und ein träget, wird wochentlich aus dem Lande, und zu weilen aus Böhmen viel Korn, Weitze, Gerste, Haber us.w. zugeführet. Auch wird hin und wieder viel Rind=Vieh gezeuget; so giebts auch Schaaf=Trifften, beÿ denen von Adel und Forwercks=Leuten, davon gut Fleisch, Butter und Käse zu bekommen, einiges davon auch anders wohin verführet wird. Gute und gesunde Fische geben die Flüsse, der Bober, Zacken, und andere Berg=Wässerlein, alsda sind: Gründeln, Kressen, Ockuleyen, Heßlinge, Persicken, Hechte, Ahlruppen, Parmen, Aschen und insonderheit Forellen, auch gute Krebse; So ist auch zur Herbst=Zeit an guten Karpffen, Hechten, Perschken und andern Teich=Fischen gar kein Mangel. Mehr giebts große und kleine Vögel in großer Menge; Haselhühner, Bürckhüner und Auerhüner sind zwar in hohen Gebürgen, kommen aber Selten für gemeine Leute. Vor Zei-

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ten waren auch Hirsche und Rehe gemein, welche aber von Bären und Wolffen sehr vertrieben worden; Hasen sind das das gemeinste Wildpret. Jn den Gärten um die Stadt werden allerleÿ Küchen=Kräuter, so man Zur täglichen Speise bedarff, häuffig gepflanzet. An Obst mangelt es auch nicht und wird desselben auch von andern Orten, insonderheit aus dem Liegnitzischen genungsam hergebracht. Man brauet Bier aus Weitzen, auch Zuweilen was weniges aus Gersten; der vortrefflichen Weine, sonderlich Ungarischen, die weit und breit hier gesuchet werden, zugeschweigen. Was Naso in Phonice Rediv. beÿden Fürtsenthümern Schweidnitz und Jauer nachgerühmet, will dieser Gegend fast allein gebühren:
Fert segetem tellus, varium petrosa metallum
Culmina
, dant pisces flumina larga suos
Suppeditant carnem
, sylvestrica lustra ferinam

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Rivorum graciles vena ministrat opes
Dixero Pandoram
, qvæ pandit fructibus oram
Et nimis humanam
, qvæ bona donat humun
Responsum facient corda litata DEo

Jst ein kurtzer Jnhalt der unvergleichlichen Passage, aus des Hrn. D. Lindners Übersetzung des Fechnerischen Schlesischen Zotenberges, die ich mit deßen gütigen Erlaubniß hier befügen soll:
Sagt! was fehlen euch für Mittel! sagt! was
fordert euer Wohl?
Sucht ihr Brodt und Gerten=Früchte? sucht ihr
Obst und Kraut und Kohl?
Sucht ihr Mastvieh? sucht ihr Wild? sucht ihr
Vögel? sucht ihr Fische?
Wählt! hier ist der Überfluß. Wählt, berei=
chert eure Tische.

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Seht nur! wie die vollen Herden an den
frohen Hügeln gehen!
Wie sie in fetter Mastung und zur Schlacht=
banck fertig stehn!
Seht! wie flüchtig schweifft das Reh! seht!
fertigt springt der Hase!
Jenes durch den dicken Pusch; dieser in dem
dichten Grase.
O! was fliegen hier für Vögel durch die
Waldung, durch die Lufft!
Höret nur! wie die Turtel=Taube nach dem
Täuber girrt und rufft!
Wie der Püsche Zier und Preiß, wie die lau=
ten Nachtigallen
Angenehm und allerliebst locken, schlagen
gluchsen, schallen!
Hört nur! wie der Wald den Ton nach der
stillen Weite träget,
Und ihn theils gemach versteckt, theils be=
liebt zurücke schläget!
O! wer rühmt die vielen Qvellen! o!
wer preist der Bäche Zahl?

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Welche hier von allen Seiten in das offenba=
re Thal,
Theils mit Gurgeln, Braus und Jäscht; theils
mit Lispeln, Prudeln, Lallen
Gar besonders angenehm von der gähen Höhe
fallen.
Um und um sind Feld und Fluren unaufhör=
lich Wasserreich.
Dorten glänzt ein heller Weiher; hier ein silber=
farbner Teich.
Disseits schweifft ein heller Strom an dem wal=
digem Gehege;
Jenseits laufft ein schneller Bach durch verschlungene
krumme Wege:
Gantze Scharen guter Fische werden überall er=
blickt
So der schlaue Fischer angelt und in unser Küche
schickt.
Gleichen Lebens=Unterhalt, gleiche leckerhaffte
Speisen
Hat der Schattenreiche Wald überflüssig aufzu=
weisen.

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Hier sind Ziemer, hier sind Tauben, die des Vogel=
stellers List
Theils mit Trug und fang erdrosselt; Theils
mit Blitz und Ble erschüßt.
Hier ist köstlich fettes Wild. Hier ist Vor=
rath für die Jäger.
Alles steckt gedrungen voll, Hecken, Forst, Ge=
hänge, Läger.
Hier bestrickt das dichte Netz das geschlan=
cke muntere Reh;
Dorten thun dem vollen Schweine Fang und
Stooß und Wurffspieß weh.
Und wenn endlich Garn und Spieß diese Köst=
lichkeit erbeuten.
Läßt sich gleichfallß unsre Wahl für die Sehn=
sucht zubereiten.

12. Mühlen.

Noch ist zugedencken, daß unsre Stadt und hiesige Gegend mit allerhand wohlbestellten Mühlen versehen ist. Bey unser Stadt haben wir die Ober= Nieder und Neu=Mühle, die genung im Stande sind die Stadt zuversehen. Bey deßen Ermangelung ka-

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nn man sich der nahe gelegenen Straupitzer und Kunnersdorffer Spittal=Mühle gebrauchen. Doch haben auch die übrigen Stadt=Dörffer in Hartau, Schwartzbach und Grunau ihre wohlangebaute und gangbare Mühlen, desgleichen alle umliegende Dörffer, deren etliche zweÿ bis dreÿ haben, wie in Hernsdorff unter dem Kÿnast, etc. So hat es auch allhier eine Schleiff=Mühle, dem Hrn. Bürgermeister Kretschmer zugehörig; desgleichen zweÿ Walck=Mühlen, von welchen die vor dem Burg Thore am Mühlgraben einer Löbl. Tuchmacher=Zunfft eigenthümlich zustehet, darinnen neben den Tüchern auch Schleÿer gewalcket werden; die auf dem Sande gehöret Hr. D. Wendlern, ehemaligen berühmten Stadt=Physico, anietzo Hochansehnlichen Senatori allhier, darinnen nur allein Schleÿer gewalcket werden; doch ist auch eine Schleÿer=Walcke in des Hrn. Bürgermeister Kretschmers Schleiff=Mühle. Beÿ der Walck=Mühle am Mühl=Graben haben auch die Weiß=Gerber ihre Walcke. Jn Kunnersdorff hat es auch einen Kupffer=Hammer, den der Zacken treibet, und der sich offt genung hören lässet. Die neue=erbaute Schön=Farbe auf dem Sande, auch am

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Zacken lässt sich schön ansehen. Bey der Nieder=Mühle stehet die schöne Wasser=Kunst, dadurch sie Stadt mit Wasser versehen wird. Wiewohl auch andere gute Wasser=Leitungen, die von der Höhe der umliegenden Berge herein in die Stadt und Vorstädte geführet werden, genungsames zum Theil recht wohl schmeckendes und gesundes Wasser geben, unter welchem dem sogeanntem Pfarr=Wasser in und vor der Stadt, nebst dem Schul=Wasser hierhaußen besonders Liebhaber finden. Dergleichen Wasserkunst hat man auch beym Kunnersdorffer Kretscham oder Steige, die der darbeÿ liegenden Bleiche zum besten errichtet worden. So haben wir auch noch bey unser Stadt eine wohlerkante Pappier=Mühle, die der itzige Besitzer, Hr. Gottfried Flegel eigenthümlich an sich gebracht; Dergleichen hat es auch in Arnsdorff; Gierßdorff, Petersdorff und Jönowitz, darinnen allerhand Gattungen von Pappier gemacht werden, die ihre Abnehmer finden. Der schönen Gottfriedischen Wasser=Mangel bey Petersdorff, die auf Wernersdorffischen Grund u. Boden liegt, aber unmittelbar in des Hermßdorffische Amt gehöret ist anderwerts gedacht worde; Dergleichen man auch beÿ der Nieder=Mühle allhier, item im Warmen=Bade hat mit einem trefflichen Gebäude. An Breth=Mühlen ist gleichfals kein mangel, als deren es zweÿ in HermsDorff und zwey in Petersdorff hat.

13. Riesengebürge.

Weil auch diese Gegend ein groß Stücke des Riesen=Gebürges in sich

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begreiffet, so wird sie insgemein von den Schlesiern das Gebürge genennet. Gehet beÿ Friedeberg am Qveiß an, erstrecket sich durch das Jaurische und Schweidnitzische biß an das Münsterbergische Fürstenthum an zehen Meilen lang, scheidet Schlesien von Böhmen, dehnet sich noch 24 Meilen weit, bis es sich bey Jabluncke, an der Spitze das Ungarischen Gebürges, endiget; Jn der Breite aber erstrecket es sich bis Jauer und Goldberg. Deßen unterschiedene Berge hierum wiederum besondere Nahmen führen, als: der Seuffenberg, die grosse und kleine Koppe, die grosse und kleine Sturmhaube, der Reiffenträger, der käuliche Buchberg, der Riesen=Kamm, die Mittags=Steine, der Mädelstein, der Kamm des Mannsteines, der Krummenhübel, der Bornberg, der Schwartzberg. Die übrigen Berge z. E. gegen Abend der Ottilienberg, gen Mitternacht der Zeißkenberg, der Spitzberg, der Stangenberg, inwelcher Gegend schwartzer Thon gegraben wird, woraus die Töpffer weise Gefässe brennen, welches iedoch dem Buntzlauer und Waldenburgischen in Meißen bey weiten nicht gleich kömmt, wie Henel. in Silesiogr. Renov. Part. 1. p. 209 ertheilet; Gegen Morgen das Molcken= oder Bolcken=Hauß, der Grun=Pusch, der Creutzberg u.s.w. mit welchem die Stadt Hirschberg als ein Amphitheatrum umschlossen ist, sind von weit geringer Wichtigkeit, weil das Haupt= Riesen=Gebürge gegen Mittag billig unter allen den Vorzug behält. Und es ist auch ein sonderbahres Meisterstücke der Natur, welches mit seinen trotzigen Spitzen den gestirnten Himmel und mit seinen tieffen Thälern den Abgrund der Erden zueröffnen scheinet. Führet den Nahmen des Riesen=

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Gebürge nicht daher, daß etwa vor Zeiten auf demselben nach der Einfältigen Einbildung, Riesen, oder wie Hr. D Melchior Wentzel Lodgmann de Aven, Käyser= und Königl. Maj. des König=Grätzer=Krayses geschworner Land=Physicus im Königreich Böhmen in der Beschreibung der Mineralischen Wasser in denen St. Johannis=Bädern beÿ dem Riesen=Gebürge des Königreich Böhmen etc. p. 44. redet, wunderlich=gewöhnlicher Gestalt und grossen schier denen Riesen=ähnliche Männer gewohnet hatten, sondern weil deßen hohe Spitzen gleichsam wie Riesen über die andern Berge, jenseits in Böhmen und diesseits in Schlesien ragen und weit übersehen; oder wie Frider, Becmannus*) im Orat. de Monte Gingantes in Franckfurth an der Ao. 1679 d. 10 Febr. gehalten redet, omnes montes Silesiæ altitudine superat, alle Berge Schlesiens an Höhe übertrifft. Welches der berühmte D. David Pareus, der in seiner Jugend Rectore Schulingio unsrer Stadt Schule frequentiret, in Hodeporico also ausgedrucket:
Qvi reliqvos tantum superavit vertice, qvantum
Roma inter reliqvas eminet
Pygmæosqen breves qvamtum superant Titanes
,
Unde Gigantes mons qvoqen. Oder:

Sie dagen vor gewiß von diesem hohen Berge
Er seÿ ein großer Rieß, die andern Berge Zwerge.
Heisset sonst auch das böhmische Gebürge, weil der mehriste Theil in Böhmen lieget, Schlesien von Böhmen scheidet und sich mit demselbigen endiget. Jtem das Südötische Gebürge lat. Sudetes, weil es sich von West gegen Ost, nehmlich von dem Meißnischen und Voigtländischen biß an die Carpatischen Unga-

*) Jst ein Sohn des berühmten Franckfurtischen Professoris, so eine Weile unter dem Hr. Gryphius zu Breßlau frequentirt.
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rischen Revire und Vorgebürge ausdehnet. Oder qs. Süd=Oede, das ist, die Wildnis oder Wüsten, gegen Süd oder Mittag gelegen. Jtem das Schnee=Gebürge, weil es fast ohne Unterlaß mit Schnee bedecket ist. Jtem Cerconesse oder Krkonos, ein böhmischer Nahme, lat. Montes Corconossii, deutsch das Riesen=Gebürge. Jtem das Riphäische Gebürge, von den Riphæis, einer Scythischen oder Polnischen Nation, welcher mit dem Zecho in Böhmen kommen, also benennet. Welche Meinung iedoch der Curiosus Silesius vor schlecht gegründet hält, vielleicht aber ist die Benennung â Riep oder Reiff, pruina, noch schlechter, so wohl als die απο της ζιπαδος â flatuum vi, von den hefftigen Winden, die hierum beständig blasen, noch weiter hergesuchet seÿn möchte.

Jst ein Theil des alten Hercÿnischen Gebürges, welches durch gantz Deutschland gegangen und sich in die 60 Tage=Reisen von dem Schwartzwalde, bis in Sarmatien hinein erstrecket, welches man auf derjenigen Land=Charte, die Hr. Joh. Theod. Jablonski seinem teutschen Tacito, mit Anmerkungen Ao. 1724 zu Berlin edirt, beygefügt, überaus fein, sehen kann. Dahero kommt es auch, daß es sonderlich in Pöetischen Hercinie benennet werde, wohin vor andern Opitius in seiner wunderschönen Schäffereÿ von der Nÿmpfe Hercinia zielet, welche verdienet gelesen zu werden.

Die Höhe der höchsten Spitze dieses unsers Gebürges, oder die so genannte Schnee=Koppe, liegt 3 Meilen von Hirschberg und wird 30 Stadia, derer 32 eine deutsche Meile zu 4000 grossen Schritten gerechnet, machen, oder 3 Viertel einer deutschen Meile hoch zu seÿn ge-

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rechnet. Gygantæus mons in immensam altus, die Riesen=Koppe ist unermesslich hoch, schreibt D. Schwenckf. in Silesiograhia ante Stirpes, daher man sie auch weit und breit sehen kann. Luc. in Denckw. p. 2137 meldet, daß man sie an etlichen Orten auf 12 bis 14 Meilen mit dem Gesichte erreichen könne und gleich einem gespitzten Thurm in die Augen leuchte. Heisset insgemein die Schnee=Koppe, weil auch beÿ warmen Sommer=Tagen der in desselben Thälern und Absätzen liegenden Schnee niemahls gäntzlich, der ungemeinen sich hierselbst ereignenden Kälte halben, verzehret wird. Die große Koppe wird sie genennet, zum unterschiede einer andern, welche die kleine Koppe, oder auch die kleine Sturmhaube genennet wird. Viele nennen sie auch den Schlesischen Wetterhan; denn wenn dessen Spitze rein und helle, so verspricht man sich gut Wetter; wenn sie aber mit Nebel oder Wolcken umgeben, versiehet man sich Wind oder Regen, wie so wohl Schwenckf. l. c. als Christ. Felsmann. Cuprim. Sil. in Dissert. de Montibus ut et specialis partis Siles. Deliciis*) meldet.

Auf derselben stehet eine der allerheiligsten und unzertheilten Dreÿfaltigkeit auferbaute zierliche steinerne runde Capelle, welche Hr. Christoph Leopold Graff von Schaffgotsch, käyserl. Cämmer=Præsidente in Schlesien als Grundherr mit großer Mühe von Ao. 1668 den 26. Julii hat erabuen und Ao. 1681 den 10. August. war der Tag des heil. Laurentii, der darzumahl auf einen Sonntag einfiel, durch den Hrn. Prælaten von Grissau, in Gegen-

*) Non immerito, schriebt dieser, appellatur solarium Sile
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wart vieler hundert Personen einweÿhen lassen. An welchem Tage Jährlich eine solenne Besuchung dahin angestellet wird, so außer dem noch viermahl des Jahres geschiehet, nehmlich Festo SS. Trinitatis, Mariæ Heimsuchung, Mariæ Himmelfahrt, Mariæ Geburth. Die Höhe dieser Kuppe, welche zum wenigsten 6 Stadia, oder bey nahe eine Viertel Meile über die andern Berge empor raget, wird auf sonderlichen in Stein ausgehauenen Stuffen bestiegen. Dazu man iedoch keines Schweiß=Pulvers benöthiget ist, indem der hart empor steigende Weg die Schweiß=Löcher reichlich eröffnen kan. Wiewohl die etwas harte Lufft oben auf der Kuppe nach dem Schweisse etwas wehe thut.

Jn der letzten Baude am Seuffenberge, die der damahlige Teich=Wärter Samuel Breter erbauet, wird den Reisenden nach der Kuppe ein Buch vorgelegt, darin sie ihre Nahmen, oder sonst etwas Denckwürdiges schreiben können. Man hat damit Ao. 1696 angefangen und ist bereits zu etlichen Folianten angewachsen. Man besehe die vergnügte und unvergnügte Reisen auf das Welt=beruffene Schlesische Riesen=Gebirge, welche von Ao. 1696 biß 1707 theils daselbst den Allerhöchsten zupreisen, theils die erstaunenden Wunder der Natur zubetrachten, theils sich eine Gemüths=Vergnügung oder Leibes= Bewegung zu machen, theils den beruffenen Riebenzahl auszukundschafften, von allerhand Lieb-

siorum vel designator tempestatum, qvia in ispso vulgus notas futura tampestatis colliggere consvevit. Si enim in fastigis clarus conspicitur, bona äeris temperies speratur, si vero obnubilus et nebula qvasi septus, ut videri vertex neqveat, pleruqen pluviae vel ad versa äeris tempestas timetur.
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habern angestellet worden, sind etc. Hirschb. Druckts und verlegts Dietrich Krahn 1736.

An dieser Kuppe liegen die so genannten Violen oder Velcken=Steine, so dichte beÿ einander, daß man meynen sollte, sie wären durch menschliche Hände mit grossen Fleisse zusammen getragen werden, davon man zur Curiosität etwas mitnehmen kann. Es sind mässige Steine, mit einem rothen Mooß, welchen man Steinblüthen nennet, überzogen, die einen lieblichen Geruch, wie blaue Veilcken von sich geben. Die Wurtzel=Gräber kratzen ihn ab, soll in ein Tüchlein gebunden und zu Kleider gelegt, vor die Motten dienen. Ob diese Violen=Geruch von den Steinen selbst, oder von dem Mooß, der auf oder an den Steinen gewachsen, herkommen, ist eben noch keine ausgemachte Sache. Der berühmte Gryphius erzehlet in der ersten Fortsetzung des Zieglerischen Schauplatzes, daß die Velcken=Steine ihren Geruch von dem Feuer hätten, wenn sie dadurch erhitzet und mit Waßer oder Bier begossen würden. Hr. D. Volckmann in Siles. subter. hat observiret, daß wenn gleich kein Mooß mehr auf den Steinen gewesen, auch nicht eben gar verwahret gelegen, sie dennoch einen starcken Violen=Geruch behalten hätten. P. I. c. 2. p. 4/8. Hingegen Hr. D. Franc. Ernst Brückmann behauptet in epist. Hinerep. 13. daß der Geruch im Mooß, der auf und an den Steinen wächset, stecke, und beziehet sich auf Henel. Sil. Ren. p. 282. Hr. D. Kundmanns Promt. Rer. natur p. 205 und Schwenckf. Hirschb. Warmb. p. 181. Man besehe die Gelehrten Neuigk. Schles. de Ao. 1734 p. 441. 442. Es kan

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beÿdes beÿsammen stehen, daß er nehmlich so wohl im Steine, als im Mooß stecke, doch meinet Frid. Becman. in Orat. de Monte Gigant. daß er mehr im Mooß als in Steinen wäre.*) Sonst wächst auf den Steinen, zunechst denen vorüber rinnenden Bächlein ein rother Mooß, der sich dem Bluthe vergleichet und mit einem scharffen Messer von den Steine abgeschabet werden muß. Wenn man nun den abgeschabten Mooß in ein Pappier versammlet und in einem warmen Gemach durch ein Jahr wohl verwahret, verändert sich der Mooß in ein grünes Pulver, dessen Geruch den lauen Violen sich kräfftig vereiniget. Ein erfahrner Chymicus meynet, daß eben dieser Mooß derjenige seÿ, von welchen Theopharastus schreibet, daß wenn er von Steinen abgeschabet und gedorret würde, ein köstliches und bewertes Mittel seÿ wieder den Blasenstein. Besonders lese man von dem Jolitho oder Lapide Violaceo die unmaßgebl. Gedancken Hrn D. L. Herrmanns Past. und Senior zu Masseln in Gelehrt. Neuigk. Schles. de An. 1735 p. 115 sqq. und p. 170 sq. Man möchte gleichwohl fragen: Wie diese Steine alle so Stückweise hieher kommen? Das weiß der Hr. D. Lindner im 6 Stücke der sorgf. Veil. am besten Zubeantworten. Denn als er beÿ der zweiten Reise auf das Riesen=Gebürge sich die Mühe gab, diesen Berg recht anzusehn, befand er, daß dessen Gehalt mürbe, brüchig und splitterreich seÿ. Daraus urtheilte er, daß der Stein=Hauffe nichts anders vorstelle, als lauter solche abgesplitterten abgebrochene und herabgefallene Steine und Fels-

*) Lapis violaceus non adeo, qvam rubellus Muscus ipsi adhærens, violaceum hunc odorem spargere videtur.
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stücke, welche die Sonnenhitze gesprenget, der Donner zertheilt, der Regen durchschweifft, der Schnee zerqvetscht, die Lufft zermalmt, der Wind durchbohrt, der Sturm angerissen und überhaupt der Ungestümen des Wetters zerschmettert und nach und nach grundwärts gestürtzet und berg ab gekugelt habe p. 85. Kann also wohl seÿn, daß er vor etlichen hundert Jahren gantz eine andere Gestalt möge gehabt haben. Henel. in Silesiogr. weiß nicht ob er die Natur oder Kunst an ihr mehr bewundern soll, indem es schiene, als wenn die bund=farbichten grossen und kleinen Steine gleichsam mit Menschen Händen wären zusammen getragen und dahin geleget worden.*)

Jm Rückwege des Berges gegen Mitternacht ist das so genannte Knie=Holtz, welches die kalten Winde und andere Ungewitter, ja der Schnee jung niederdrücken, daß es keine Gestalt eines Strauches oder Baums erhalten kann. Hat die Benneung von der Höhe, weil dessen Zweige oder Ruthen nicht viel höher wachsen, als ein Menschen Knie beträgt, biß endlich verdorren. Der Hr. D. Lindner hält es im 5. Stücke der sorgf. Väter für eine Gattung rother Tannen, und glaubt, daß es mit den Carpatischen Krumbholtz befreundet seÿ; auch eben so ein Oel geben würde, wenn man es mit dem Feuer chÿmischer Weise nothzwängte. Unter dem

*) Cacumen non terra vel, sabulo, sed meris sapis majoribus, minoribus qvasi humano opere totum congestum, qvorum qvæforis solaribus raediis sunt explosita, musco corcice apparent, ita variegata et picturata coloribus eleganter, ut naturam an artem mireris dubium videatur. Conf. Volckmann Sies. subterr. c. 2. Paragr. 9. p. 47.
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Knieholtze auf diesem Kamme wächst eine Wurtzel, die wieder den Schmertz der hohlen Zähne, ein bißgen davon darin gelegt, sehr gut ist. Hierum ist auch der so genannte Goldbrunn, aus dessen Sande man vor alten Zeiten Goldkörner will gewaschen haben, davon er auch den Nahmen führet.

Gegend Mittag und Abend ist eine schöne flache Wiese, auf welcher mitten im Sommer Schnee lieget, der iedoch dem Schnee kaum ähnlich sehet. Dieselbe zeiget die Straße auf den Seiffenberg, allda hinunterwerts ein großer Teich ist der in Länge und Breite mehr als 200 Ellen begreifft, reich an Forellen, dessen Tieffe mit 300 Ellen nicht ergründet werden können. Ein ander felsichter Weg höher empor, wo man zur Lincken Hand Rübenzahls so genannten Lust=Garten liegen läst, führet zum schwartzen Teiche, welcher dem vorigen an der Grösse weit übertrifft, aber keine Fische ernähret und wegen unermeßner Tieffe ein Abgrund genennet werden mag, davon dieser der große Teich, jener der kleine Teich genennet wird. Hr. D. Schwenckf. nennet sie in der Beschreib. des Hirschb. Warmen=Bades, zweene Seen, unter welchen der große und höhere gar an einem wilden, wüsten und einöden Orte gelegen, dessen Wasser schwartz und finster anzusehen; der kleine und etwas niedrigere habe herrliche und an den Farben gar schwärtzliche Fohren, lieffe aus und vermische sich mit dem Arnsdorffischen Wasser und Lomnitzer=Bach, welche bey Schildau im Bobel fället. Auf den großen Teich wagte sich dereinst Hr. Christoph Leopold Graff Schaffghotsch, Jllustis Dominus horum tractuum, auf einem Kahn und versuchte von einem Orte zum andern zu schiffen, welches Er auch oh-

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ne daß Jhm etwas wiedriges hätte begegnen sollen glücklich bewerckstelliget hat. Becm. I. c

Was immittelst von den dreÿ grossen Steinen zu hatten, die nicht fern davon auf der Höhe liegen und welche der Riebenzahl in den grossen Teich werffen wollen, der Meinung die gantze Welt damit zuersäuffen, fällt mit dem Gedichte von Rübenzahlen auf einmahl weg, ungeacht man am Wege von der letzten Baude hinauf, die Stuffe zeiget wohin er getreten, als er im Werffen den Fehltritt soll gethan haben. Wiewohl andere die Stuffe vor eine eingetreten Bärenklau halten, die der Rübenzahl in Bären=Gestalt soll hinterlassen haben; andere Gedancken davon führen, die wir mit Fleiß übergehen. Eben so mag es auch mit einem andern Stein, der auf der Höhe liegt und Rieben=Zahls=Cantzel von etlichen, ziemlich abusive, genennet wird, verhalten.

Rings umher umgeben diese Berge schöne Thäler: Der Riesengrund; der Aupen=Grund; der Teuffels=Grund, sol Riebenzahls Wurtzel= Garten gewesen seÿn; der berühmte Hr. D. Lodgmann meldet l. c. das der böse Feind viel ausländische und orientalische Bäume, auch unterschiedliche frembde und unerkenntliche Kräuter und Wurtzeln ihn hierin gepfropfet und gepflanzet habe. Ferner der Goldgrund, die Mittags= Gruben, darinnen die durchströenden Bächlein Gold=Sand mit sich führten; der Mummelgrund, welcher unter allen der bekannteste, die Jser=Wiese, die Zacken=Wiese und andere mehr; Die Schnee=Gruben sind durch tieffe Thäler mit hohen Bergen, in denen

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der Schnee selten zerschmelzet und offt in den heissen Hundstagen daselbst zubefinden, umschrencket. Es sind derselben dreÿ und wachsen viel Kräuter darinnen.

Jn diesem Gebürge hat sich Ao. 1666 den 15. Dec. zwischen dem Bornberge und der Schneekoppe ein erbärmlicher Fall zugetragen, da zu Nachts eine Schnee=Wand von einem abschissenden Berge abgebrochen und zweÿ Viehbauden oder Berghäuser, deren eines leer und öde, und in den andern Mann und Weib mit 6 Kindern überfallen, zerschmettert und eingeschlagen. Den nackten Mann nebst dreÿ Kindern haben die Nachbarn den vierdten Tag gantz zerdruckt und zermangelt aus dem Schnee=Hauffen herausgegraben, die Mutter aberr sammt den andern dreÿ Kindern haben sie zur selben Zeit nicht finden können. vid. Neu Schles.

Es hat zu allen Zeiten Leute gegeben, welchen die auf dem Riesen=Gebürge verborgen=liegende große Schätze dergestalt in die Augen gefunckelt, daß sie ungeacht aller zubesorgenden Gefahr sich gelüsten lassen, denselben auch mit allerhand Zauberkünsten und Teuffelsbenennungen nachzugraben, iedoch offtmahls mit Schand und Schaden davon müssen abziehen. Einem Jtaliäner von Venedig, deßen Erasmus Francisci im Höll=Proteus p. 577 aus Schwenckf. und Schickf. erwehnet, ist es sehr wohl gelungen; denn derselbe hat sich An. 1456 beÿ klaren hellen Wetter mit Proviant auf acht Tage wohl versehen, selb dritte gewagt und durch bestandene Schliche und ausgezeichnete Gänge*) auf dem Riesen=Ge-

*) Man besehe den 2 Theil der Hirschb. Merckw. p. 22 bis 35. Weil aber dieselben Spuren u. Zeichen nicht mehr verhanden sind, habe die Beschreibung hier weggelassen.
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bürge, beÿ einem Zweÿspitzigten hohen Steine, der gegen Mitternacht hol gewesen, auf einer Wiesen eingeschlagen und daselbst in einem Revierlein oder Bächlein Gold einer Erbse, ja Welschen=Nuß groß gelesen. Jm Aupen Grunde soll er Gerippen von todten Menschen, die sich vielleicht verirret und aus Hungers Noth umkommen, angetroffen, beÿ denen er kostbare und herrliche Edelgesteine auch viel gesammletes flammicht und körnicht Gold=Gemülle gefunden hat. Er hat auch bey einem Steine, nicht weit vom Zackenfluß auf einer lustigen grünen Auen eingegraben und unter dem Mooß schon gediegen Gold gesammlet, auch nicht fern von einem breiten Stein, der im Zacken liegt, Amethisten, Topazier Schmaragden, Chalcedonier und andere Edelgesteine zusammen gerafft. Nachdem er nun einem mächtigen Schatz an Gold und Edelgesteinen von dem Riesenberge an bis auf den Kynast gesammlet, hat er sich ein prächtiges Gebäude zu Venedig aufgeführt und diese Worte über das Thor in Stein einhauen lassen: Montes Chrysocreos fecerunt nos Dominos. Die Gewissheit dieser Sache zuerfahren hat der berühmte Wallstein, Hertzog von Friedland dereinst seinen getreuen Diener Johann Waltern, nacher Venedig bloß deswegen gesandt. Nach dessen Wiederkunfft und eingezogener Nachricht bauete Fürst Wallenstein das Bergwerck zu Jörtschin in Böhmen und setzte Christoph Aurelium zu einem Bergmeister, der nach des Wallensteins Tode in Schlesien kommen, sich beÿ dem Riese=Gebürge aufgehalten und dieses alles dem damahligen Ertz=Priester

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in Schmiedeberg, Hrn. Böhm, bekräfftiget und mit neheren Umständen erwehnet hat, wie Naso in Phoen. p. 323. versichert. Ein gleiches berichtet Hr. D. Lodgman i. c. p. 55. von den Hoch=Elbischen Gebürgen, daß daselbst sie alten Fund=Gruben wiederum wären empor gebracht worden, wo man Gold u. Silber=Ertzt ausgegraben und geschmoltzen hätte. Ja wenn man nur ein wenig, schreibt P. Balbinus, mit einer Hauen vor Zeiten die Erde bewogen, viel Körnlein des allerreinsten Goldes in Größe einer Erbsen, auch wohl einer wälchen Nuß grosse Körner gefunden habe, zu deren Abwasch und Säuberung viel Dörffer und Werckstäte in diesen Gebürgen wären auferbaut worden, als: Hermann=Seuffen, von einem der Hermann geheißen und dessen kundig gewesen: also auch Brunnern=Seuffen, von einem gewissen Brunone, der das Gold vom Sande geschieden und mit seinen Gehülffen im Brunnen abgewaschen. Von diesem Gold=Ertzt wurden bis dato noch in denen Gotteshäusern goldene Kelche und andere aus diesem Erzt herausgezogene und dahin verehrte Gold=Arbeiten verwahret. Was Sinap. im 2 Theil seiner Schles. Curios. p. 470 von einem, Wolff Ulstett genannt, aus der Reichsstadt Acken gebürtig guter adlichen Ankunfft ex MST. veteri Chronico erzehlet, daß er Ao. 1051 zur Zeit Hertzogs Bretislai in Böhmen kommen, dreÿ Jahr das Cantzler=Amt bedienet, nach dessen Tode aber von seinem Sohne Spitigneo sammt allen Deutschen aus dem Lande gejagt worden, an dem Wege nach Breßlau beÿ Trautenau 60 deutsche flüchtige Berghauer mit Weib und Kinder im betrübten Zustande angetroffen, die sich erbothen, ums trockene Brodt zu arbeiten,

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sie mit Erlaubnis des Grundherren aufs Riesen=Gebürge, ihr Glücke zu suchen, geführet, am neundten Tage gediegene Silber Stuffen aus dem Silber=Grunde, der den Nahmen daher empfangen, gebracht, Kirche, Schule und Spitäler zu Trautenau, desgleichen den Grundherrn damit bedacht, geschworne Bergmeister, Steiger und Schichtmeister, nach Bergwercks=Ordnung gesetzet, und nachdem er in kurtzer Zeit einen grossen Schatz geholet, das Schloß Breckstein oder Silberstein gebauet, Hertzog Spitigneum mit so viel gediegenem Silber, als zu einer fürstlichen Taffel gehöret, davor er ihn den Zunahmen von Silber mit ernennter Confirmation seines Adels, Vermehrung des Wapens, Bestetigung über die Bergwercke, auch Freÿheit vor die Deutschen erhalten in Böhmen zu handeln und zu wandeln, beschencket, die Herrschafft Trautenau und Schatzlar mit dem vorher vertriebenem Volcke besetzet, kan daselbst gelesen werden. Der berühmte Hr. Prof. Kirchmaier in Wittenberg stehet in der Hoffnung besserer Zeiten p. 69 würcklich in den Gedancken, daß das hohe Südötische Böhmische Schlesische /: zumahl Riesen=Gebürge :/ biß durch Ungarn und Siebenbürgen, als eine von GOtt und der Natur an unaussprechlichen Reichthümern von Metallen, Mineralien und Edelgesteinen gesegnete übergroße Scheide=Wand, so dem euserlichen Ansehen nach, arm, kahl, wild, ja fast greßlich und horribel anzusehen, vielen Völckern und Nationen zu gute dermaßen ausstaffieret seÿ, davor man Gott dancken und mit Fleiß, Sorgfalt und nöthigen Spesen sollte aufsuchen lassen. Denn ob wohl in einem Tractu weit mehr und besser Anbrüche und Geschicke verhanden, als in dem andern; so wäre doch denen verstängigen und exercitatioribus naturæ cur

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iosis und consultis zuerweisen möglich, daß dieses fast concatenatum Naturæ dorsem durch so viel große Districtus mit Metallicis principiis, semineis ac officinis vom Anfang her durch GOttes FJAT, CRESCJTE et MULTJPLJCAMJNJ geschwängert worden. Daher auch Georg Fabric. das Südötische Gebürge in Böhmen und Meissen Montes metalliferos Metallreiche Berge nennete. Wiewohl Schwenckf. in Silesiogr. von diesem Golde, wenn auch dessen noch so viel gesammlet würde nicht viel halten will. Jch kan mich erinnern, schreibt er, daß aus fremden Ländern Bergleute gekommen seÿn, und allerhand reiche Metall=Adern mit dem Leder entdecket haben, und mit großen Unkosten darnach gegraben. Aber nachdem sie sich betrogen gefunden, haben sie die Schachte verlassen und seynd wieder davon gewandert. Obzwar die Mineræ viel Ertz=Silber und Gold in sich haben: doch weil sie trefflich hart seÿn und mit Gallmeÿ vermischet, so verschwindet das beste Metall im Feuer. Ein vornehmer Chymisten Medicus in Leiptzig Hr. Joh. Zimmermann versuchte auch um das Jahr 1632 mit einem stattlichen Privilegio versehen, auf dem Riesenberge und der Jser=Wiese sein Heÿl, man hat aber nicht gelesen wie weit er damit kommen und ob er übergrosse Schätze gesammlet.

Auf dem Mehdel des Navorischen Gebürges hat die Elbe zwischen zweÿ hohen Klüfften ihren Ursprung. Der Mehdel ist ein Gegend an der Schnee=Kuppe, wo vor dem ein Mädglein sich verirret hat und an einem Felsen Tod gefunden worden ist. Navor, davon dieses Gebürge den Nahmen hat ist vor diesem ein altes Schloß gewesen in einem großen ebenen

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Platze, da man noch etliche Pflug=Bete siehet, gelegen. Jn dem so genannten Elb=Grunde nun, wo eilff Seiffen, Brunnen oder Qvellen, nehmlich 1.) der Elb=Brunn, Weiß= und Mehdel=Brunn, 2.) der grosse Seiffen beÿ der Rasen=Wiese, 3.) der Gold=Seiffen in dem Gold= Grunde, 4.) der grüne Seiffen, in dem Leit Graß, beÿm breiten hohen Steine, 5.) der krumme Seiffen auf der Kräuter=Wiese im Saten = Baum = Gesträuche, 6.) der Jehr=Seiffen beÿm Mittags=Stein im Ragen= Zagels (Rüben=Zahls) Nest, 7.) der Welsche Seiffen im Eich=Grunde beÿm Ruperts=Steine, 8.) Der Hirschbrunn im Thier=Garten, beym rothen Buch=Berge, 9.) der rothe Fluß im rothen Grunde, 10.) der Sperber=Seiffen hinter dem Bret=Graben in der Schnee=Gruben, 11.) der Qvaritz=Seuffen, oberhalb der großen Clausen, da man das Wasser zur Holtz=Flösse sammlet, nicht weit von der berühmten Silberzeche, St. Peters genannt, zusammen sich vereinigen, gehet die Elbe aus dem Clausen=Graben herfür, nimmet etliche Gebürgs=Wasser noch an sich, bis auf das Städtlein Hohen=Elbe, von dannen sie auf Pelsdorff, Münchsdörfflein, Leutmeritz, Dreßden, Magdeburg, Havelberg, Hamburg, biß in die Nord=See hinein. Von diesen eilff Qvellen soll dieser berühmte Fluß, die Elbe, den Nahmen bekommen haben. Wiewohl Schwenckf. I. c. anderer Meinung ist; denn er stehet in den Gedancken, daß die Elbe den Nahmen von Alba, das heist: Weiß, herhabe, weil der Haupt=Qvell, daraus die Elbe fleust, besonders p. wegen des Sandes und Kies, worüber sie empor prudelt, insgemein das weiße Wasser heisse, von dannen er den Abfluß vom Hirschbrunnen verschlinget, sich in den Elb=Grund stürtzet und so weiter mit fast unzehlichen Bächlein vermehret wird; Daß die Elb=Qvellen unstreitig zu Schlesien gehören, behaup-

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tet der gelehrte Prælat Fiebiger in den fürtreffl. Observationibus ad Henel. Siles. Renov. c. II. p. 126 aus den besten Autoribus, Fabro, Schickfusio, Schwenckfeldo, Kirchmaiero, Balbino, Cellario, daher nennet ihn auch Opitz im 4. Buch der Pöetischen Wälder seinen Landes=Strom, und das noch mehr, weil der Elb=Qvell seinen Ursprung oder Zufluß aus dem großen und kleinen Teiche, nach dem Excempel des Nili und Jordanis, die gleiche Phialas seu oculos, Wassersammlungen oder Brunnen hätten, nähme, wie Frider Becm. I. 8. nicht uneben vermuthet; besonders weil der grosse Teich, wie die Brunnen des Jordans und Nili, keinen Grund hätte, in signum Hydrophilacii ex intimis terræ visceribus ibi ebullientis.

Überhaupt begriffen diese Berge in sich helle und klare Wasser von unterschiedenem Geschmack nach der Natur und Eigenschafft der Ertz=Adern, durch welche sie rinnen und in die intersten Theile und Gründe abflissen und sich in kleine Bächlein versammlen, so hernach in dem Lauffe zunehmen und durch andere beÿschissende Wässer vermehret werden. Dergleichen beniehmet D. Schwenckf. im Hirschb. Warmb. und zwar folgende:
Die Aupe, enspringet nahe beym Elb=Brunn, fället von nahen Felsen herunter, davon er auch den Nahmen hat, durch den Riesen Grund und ander enge Pässe, beÿ Trautenau vorbeÿ unter Jerowitz in die Elbe.

Des Zackens ist oben gedacht worden.

Die Jser ist ein Fluß, der aus vielen Sümpffen zusammenlaufft und sehr sachte fortschleicht, davon er auch die Benennung haben soll, fället beÿ Brandeiß in die Elbe. Schickfus mercket von diesem Flusse an, daß er eben wie die Katzbach, Bober Zacken, St. George=Bach Gold=Körnlein beÿ sich füh-

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re. Naso setzet in Phoen. p. 327 hinzu, daß er viel böhmische Jaspides, Diamanten, Smaragde und Rubine heraus an das Land würffe, und Schwenckf. I. c. daß die großen und daselbst gesammleten polirten Rubine vor die böse Lufft getragen würde. Davon hat auch die Jser=Wiese den Nahmen, die in die große und kleine eingetheilet wird; die große gehöret der Hoch=Reichs=Gräffl. Schaffgotschischen Herrschafft in Schlesien, die kleine nach Böhmen, in hoc auri ramenta, grana rubini, Granati, Hyacinthi, Turcosii, Saphyri pulcherrimi lavantur. Schwenckf. in Silesiogr

Des Bobers wird auch oben gedacht.

Der Qveiß nimmt seinen Ursprung beÿ Gieren, ist gleichsam Schlesiens Grentzscheidung, passiret vor Friedeberg, Greiffenberg, Naumburg und Klitschdorff vorbeÿ und vereiniget sich beÿ dem Dorffe Machen, eine halbe Meile von Sagan mit dem Bober.

Von denen hierum liegenden Brunnen hat mehr ermeldeter Hr. D. Lindner, der sich um unser Riesengebürge ungemein verdient gemacht, ein besonderes Tractätgen zu schreiben versprochen, unter dem Titul: die Vortreffligkeiten der kalten Brunnen in den Hirschbergischen Gegenden um das Riesen Gebürge, im 5. Theile der sorgf. Vät. p. 71.

Wir haben bishero unterschiedene mahle erwehnet, daß diese Berge sehr reich an Mineralien und Edelgesteinen seÿn, gleichwie solches Volckmann I. c. und D. Schwenckf. in Catal. Fossilum Siles. weitleuffig darthun. Ja Balbin. in Hist. natur. Bohem. in additam ad. cap. 6 patragr. 1 et 2 recensieret sie und saget, es seyn dort Amethisten, Topyasten, Schmaragden, Chalcedon, Sardonic, Carfunckel=Steine, Saphier, Rubin, Türckes, Jaspis, weiß und schwartz

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Chrÿstall und setzet hinzu: Wenn die Hirthen selbiger Orthen einen Stein nach einem Vieh oder Kuh werffen, daß der Stein bey weitem theurer, als die Kuh seÿ

Achat, Agat oder Aigstein, ist ein Stein mit mancherleÿ Farben, Strichen und Linien gezieret und durchzogen, dergleichen in keinen Edelgesteine, auser dem Jaspide gefunden werden. Ein weißer Achat, ein Corall=Achat ein Onich=Achat, werde um die Ufer der Wasser, auch in etlichen Stein=Klüfften gefunden.

Alaunichter Kÿß, welcher zugleich Kupffer=Wasser hält in Schreiberau, daraus vor Zeiten Alaun und Kupffer=Wasser gesotten worden.

Amethÿst ist am Violbrauner oder wie Hr. J. C. S. will, Velcken=Blauer durchsichtiger Stein, wie ein Demant.

Bleÿschweiff oder Bey=Glantz im Riesen und Mummel=Grunde und sonderlich am Bleÿberge, hielt Gold und Silber, und brach grob und klein spießig.

Blende, tauber Glantz, ist eine Berg=Art, die Bleÿ=Glantz nicht unähnlich, aber leichter, taub und ohne Metall, wird an vielen Orthen im Gebirge gefunden um Hirschberg, an Ottilen Berge, auch in Grunau, neben einer gelben, daraus die Landbetrüger vor Alters Gold zu machen sich unterstanden und die Leute betrogen haben.

Bleichgelber Kÿß, wie ein Reinisch=Gold im Riesen=Grunde, auf Gÿren in ziehn Zwittern.

Carneol, ein fleischfarbener, röthlicher, durchsichtiger Stein, zuweilen mit Bleichen oder tunckeln Linien mit Pünctlein gezieret, wir in Pitschier=Ringe versetzet.

Chalcedonier, ein harter, weisser durchsichtiger Stein, einem reinen, weissen, durchsichtigen Horn nicht ungleich; die Jubiliere brauchen sie zu Wapen und Siegel=Ringen.

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Cristalle sind bekandte sechseckichte durchsichtige weisse Steine oben spitzig, werden gefunden große und kleine auf den hohen rauen Felsen, bißweilen in Steinbrüchen und auf Aeckern.

Der schwartze Cristall ist ein schwartz sechseckichter Stein, wie ein Cristall aber gar schwartz, doch etwas dursichtig, wird auf dem Gebürge hinter dem Kÿnast angetroffen.

Diamante, sind ein schöner, blancker, heller, durchsichtiger Steiu, an der Farbe den orientalischen manchmal gleich, auch harte, daß er Glas schneidet, aber von demselben gleichwohl unterschieden. Jst gar gemein und wird hin und wieder in den Bächlein, so von dem Gebürge fallen, gefunden, auch durch den Pflug im Acker ausgerissen. Ein kleine Viertel Meile vor Lomnitz an der Strasse nach Schmiedeberg, ist ein Berg, den man den Demant=Berg nennet, weil man alda solche Steine gefunden, welche Glaß schneiden. Man lässet ihn auf mancherleÿ Form und Arth zur Lust und Zierde schneiden.

Eisen=Graupen, röthlich an der Farbe, wurden vor Zeiten über dem Zacken, nicht weit von der Glase=Hütte viel gesammlet und in die Frembde geführet, der gäntzlichen Meinung sie sollten Gold haben. Jst aber nichts als Eisen daraus worden.

Granaten, sind rothe durchsichtige Steinlein, tunckler als die Rubin, werden auf der Jser gewaschen. Rothe, wilde Granaten brechen in Zwittern aufn Gÿren und im Eÿsenstein auf Schmiedeberg. Von den böhmischen Granaten, so insgemein vor die besten gehalten werden und denen billig auch die ächten Schlesischen beÿ=zurechnen, verdienet B. Balbin. Misc. Reg. Boh. Dec. I. I. 1. c. 31. p. 77 nachgelesen zu werden.

Hyacinth, ein roth=gelber durchsichtiger schöner Stein im Mummel= Grunde, auf der Jser und in der Matzenbach beÿ Hirschberg, da auch Gold geseuffet wird.

Jaspis, ein tunckler edler Stein, von mancherley Farben,

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grün mit rothen Tropffen besprenget, roth, gelb. Jst vor alters in hohen Werthe gehalten worden, welcher heutiges Tages, weil er gemein ist, gar sehr ins Abnehmen kommen.

Jasponichel, ist halb Jaspis, halb Qnÿx, wird an unterschiedenen Orthen gefunden, polliret und in die Ringe versetzet.

Kobalt insgemein Zincken=Ertz, im Riesen=Grunde, ist sehr schwefelicht und hält Silber, daran ihrer gar viel umsonst und vergebens gearbeitet haben.

Natürlich Kupffer=Wasser ist grün=körnicht getroffener Vitriol, wächst aus dem Kupffer=waßrichen Kÿssen im Riesen=Grunde. Wollicht Kupffer=Wasser, die Blume sieht aus, wie eine Wolle, wächst aus einem Atrament=Kyß und schwarzen Erde im Riesen=Grunde und zu Zischdorff.

Magnet=Steine sollen an etlichen Orthen des Riesen=Gebürgs anzutreffen seÿn. Eine artige Geschichte stehet in Lucæ Schles. Denckw. p. 2184 von zweÿ Männern, die beÿderseits mit Zwecken starck beschlagene Schuhe anhatten, davon der eine mit dem Fusse an der Erden hafften blieben; in dem abgeschlagenen Stücke hätte ein Magnet=Stein gelegen, der dem damahl. Hrn. Landes Hauptmann dieser beÿden Fürstenthümer, Hrn. Otto Freÿhern von Nostitz als eine Rarität wäre geschenckt worden.

Rubine waren auf der Jser=Wiesen gemein, wie auch anderen Orthen, da es Gold gab, aber gar klein gewaschen.

Blaue Sapphiere, sind schön und groß auf der Jser=Wiese gefunden worden. Kleine dunckle Sapphiere, waren in großer Menge auf der Jser und um den Spiller gantz dunckel und schwärtzlich. Weisse Sapphiere sind gemeiner, weiß und durchsichtig, zucken etwas auf blau.

Schierle, sind schwartz=gläntzende Steinlein, werden auf der Jser= Wiese und in der Georgen=Bach bey Hirschberg gefunden. Man vermeinte, sie sollten Goldreich seÿn weil sie von frembden Wallonen sind abgeholet worden, ist aber nichts daran gewesen,

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weil sie nur zum Schmeltz=Werck sind gebraucht worden.

Topazier, ein schöner gelber durchsichtiger Stein, welcher in tuncklen einen schönen Glantz von sich giebet, als funckelte er. Jst gemein und an vielen Orthen gegraben, auch offtermahls an sehr grossen Stücken gefunden worden, sonderlich auf den Feldern beÿ Nieder=Stonsdorff, vor Alters aber an der Strasse beÿ Lomnitz; wird pollirt, in Ringe, Halß=Gehäncke und dero Kleÿnoter versetzet etc

Desgleichen befinden sich auf Berg und Gründen so viel köstliche zur Artzneÿ dienliche Kräuter, deren etliche das Gold am Werthe weit übersteigen, unterschiedener Arten und Gestalten, daß man selbige nicht allesammt unterscheiden noch erkennen mag. Sie haben auch viel einen stärckern Geruch als alle andern Kräuter auf Wiesen und Gärten, vielleicht deswegen, weil in den tieffen Thälern und Gründen derselbigen Tugend von den hitzigen Strahlen der Sonne nicht ausgedorret werden kan, wie sonst auf den Feldern, Gärten und Wiesen. Aus welcher Ursache man ebener Gestalt das ietzige so genannte Hamburger Gesundheits Thee vor kräfftig und gut hält, weil es auf gewissen Schweitzer= Gebürgen gesammlet wird. Unter andern Geschlechtern ist eine sonderliche Arth, so man:

Die Lufft=Wurtzel nennet, deßen erster Geruch sich der Wurtzel angelick vergleichet, wird aber durch die Süssigkeit und Gestalt von der andern Wurtzel unterschieden. Denn die Wurtzel an sich selbst zeiget ein rechtes Frauen=Bild fast mit allen Gliedern und Nerven eingetheilet; Heisset sonst auch Brust=Wurtz, lat. Angelica alpina nobilior, die Blätter sind etwas schwärtzer, als der Geistwurtz, machet subtil, dünne, zertheilet zähe Schleime der Lungen, fördert den Auswurff, benimmt den Husten und machet Leuthen Athem. Desgleichen:

Alraun, ist eine Arth des Bergknoblauchs, in tieffen Gründen, als: im Aupen=Grunde, in Schnee=Gruben, auf

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der Jser gemein. Die Wurtzel ist länglich mit sechs, sieben, neun gleichen Enden unterschieden und mit einem Bast oder Haar umhüllet. Das Männlein ist einfach, das Weiblein dappelt, blühet im Junio und Julio, ist gut vor böse Nebel, ungesunde Wasser und vor gifftigen Thiere Stiche und Bisse. Jst das Moly montanum, dessen Clusius in Hist. Pannon. gedencket und sonst auch Allermannharnisch genennet wird. Die Marcktschreÿer wickeln sie in roth Tuch ein und verkauffen sie dem Leichtgläubigen Pöbel vor die Mandragoram; allein das ist gantz was anders, wie Hr. D. L. Herrmann im Sommer=Qvartal der Breßl. Natur und Kunst=Geschichte de Ao. 1721 p. 57 – 69 meldet.

Die Weißwurtz ist vor dem sehr beschrien gewesen, blühet in Majo und Junio, im Augusto aber träget sie Beeren. Die Wurtzel ist weiß und lang, machet die Haut weiß und vertreibet die Flecken, daher sie den Weibs=Personen sehr angenehm seyn soll, heilet auch Brüche.

Die Wendewurtz ist ungemein auf den hohen Gebürgen an feuchten Orthen und blühet im Julio, man nennet sie der Bauren Artzneÿ. Würget über die Massen, treibt über sich und purgiret durch den Stuel, daß manchem die Seele mit ausfährt, der Convalsiones erfolgen, welche sie endlich erwürgen. Jn lixivio decoct. pediculos et lentes interemit, cum larte muscas perdit. Die Wurtzel wird im Majo und Herbst gesammlet.

Mehr dergleichen herrliche Kräuter, die auf unserm Riesen=Gebürge anzutreffen, Z. E. die Geist=Wurtz oder Berg=Angelica, die Otter= Wurtzel, die Pestilentz=Wurtzel, Osterlutz, wilde Benedicten Wurtzel, Johanns=Wurtzel, Entzian, Baldrian, Hirschzungen, Tormentill=Wurtzel u.s.w. siehe in D. Schwenckf. Beschreib. des Hirschb. Warmen=Bades, desgleichen in Catal. de Stirp. Sil. Der Christwurtz noch zugedencken, wenn sie gleich aufgeschnitten wird, stehet darinnen C. H. welches

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iedoch einige in Zweiffel ziehen, und soll vielmehr eine Folix hierum wachsen, darinnen man die Buchstaben C. I. will observieret haben.

Das höchstschädliche Kraut, Eisenhüttlein genannt, wachset auf dem Gebürge in grosser Menge, ist dermassen giftig, daß es mittelst des Geruchs oder mit schwitzenden Händen angerühret, in das Geblüthe eindringet und kraft der Einziehung des Gifftes die Würckung hat, den Menschen zu tödten. Wird von den Gebürg=Leuten auch Wir.... genennet, ist dem Viehe sehr schädlich, die Ziegen thun am ärgsten darnach, die davon fressen und nicht vollauf Wasser haben, müssen crepiren, die Menschen hilfft darwieder gar nichts. Muß ungemein hitzig, beissend und scharff seÿn, so innerlich wie Feuer brennet und unerträglichen Durst verursacht.

Die Einwohner dieses Gebürges, welche einer gesunden Lufft genüssen, ernähren sich mehrentheils mit Spinnen und Vieh=Zucht, weil ihnen die Felsen gar wenig Ackerbau geben, daher sie meistens von Wutzeln, Käse und Milchspeise leben, darbeÿ sie nicht nur einer dauerhafften Gesundheit genüssen, sondern auch alt werden. Es ist gewiß, schreibt Lucæ in Denckw. p. 2139, daß man mehr, als insgemein in dieser Orthen, starcke, frische und gesunde alte Leute antrifft von Männern und Weibern, also daß ihrer sehr viel das Alter von 80 bis 90 Jahre erreichen, und sich noch wohl lassen bedüncken, wenn so ein Alter stirbt, welchergestalt er alters halben länger hätte leben können, oder wie Becm. I. c. saget: Der dieses eintzige nur beklaget: Se juga montis ob de-

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bitatos musculos in ascensu, ut artea, ascendere posse, daß er wegen geschwächter Kräffte die Berge nicht mehr so hurtig, als vorher besteigen könne.

Unten an des Berge Fuß und besagten Thälern breitet der gütigsteSchöpffer und Erhalter aller Dinge die schönsten Wiesen aus und zieret sie mit mancherley Blumen, insonderheit mit fettem Gras, davon die Berg=Leute ihr Vieh unterhalten und ihre Lebens und Nahrungs=Mittel genüssen. Jhr Getraÿde müssen sie entweder aus Böhmen oder von Hirschberg und Schweidnitz auf dem großen Korn=Marckte holen. Dieselben, wie auch andere, welche im Winter über das Gebürge zureisen haben, gebrauchen sich der Reiffen, die sie an die Füsse binden, und damit über den Schnee, obwohl etwas mühsam, doch gantz glücklich hingehen. Damit sie aber beÿ dem gefallenen tieffen Schnee des rechten Weges nicht verfehlen, stehen 50 bis 100 Schritte weit von einander Stangen aufgesteckt, die man daher Schnee=Stangen nennent und acht, Zehen bis zwölff Ellen lang sind. Es wird versichert, daß man sich zuweilen genöthiget befinde, dreÿ bis vier solche Stangen auf einander zu setzen, daraus man urtheilen kann wie hoch der Schnee in den Gebürgen zu fallen pflege. Beÿ allzu großer Glätte gebraucht man sich

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der Eisschuhe, sind kurtz an einander geschmidete eiserne Schienen, wie Huffeisen, an ihren Ecken geschärffet, die man wie Schuhe fest anbindet und in das glatte Eis einhauet, man mag Berg auf oder Berg ab steigen. Was der Hr. D. Lindner von einer ungeheuren Schnee=Wand oder Schnee=Webe, welche in der Nacht gegen 2 Uhr zwischen dem 20. und 21. Januar Ao. 1737 mit einem gar unbeschreiblichen Knall und Gedonner herabgestürtzet, und in den kleinen Teich durch das zweÿ bis drittehalb Ellen dicke Eis geschlagen, sammt seiner Reise dahin meldet, stehet in gel. Neuigk. Schles. vom bemeldeten Jahre p. 118 sp.

Anno 1701 entstand über diesem Gebürge, wie der gelehrte Hr. Observator ad Henel. Silesiograph. Renov P. I. p. 114 berichtet, auf Seiten Böhmen und Schlesien ein harter Grentz=Streit, beÿ deren Entscheidung eine hohe Käyserl. Commission viel Schwierigkeiten gefunden hat. Das Hoch=Reichs=Gräffl. Schaffgotschische Hauß hat von uhralten Zeiten her diese Grentzen besessen: Von dem Jser=Brunnen bis hinter den Käulichen Buchberg, von dannen wo der Jser und Mummel zusammen flüssen, ferner über den Krecksberg, bis zu des weissen Wassers und der Elbe Zusammen=Fluß und weiter bis zum weissen Brunn. Hergegen

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Böhmischer Seits prætendirte man diese Grentzen: Von dem Weissen Elb=Brunn bis auf die Kleine Sturmhaube, von dar zur großen Sturmhaube und zu den Veilgen=Steinen, ferner auf den Reiffenträger und auf den Riesen=Kamm, bis zur großen Drechsler=Tanne, wo dreÿer Herrn Grentzen zusammen stossen. Wie viel dieses importire, wissen dieses Orts erkundige und mag doch wohl in die Länge fünff Meilen und in die Breite eine halbe Meile, von dem käulichen Buchberge aber bis auf den Riesen=Kamm eine gantze Meile betragen. Ein gelehrter Patricius und breßlauischer Rathsherr, der Hr. von Wolffburg hat, weil er als Commissarius dies Gegenden alle in Augenschein genommen und die Gräntz=Steine selbst besichtigen helffen, eine accurate Charte davon verfertiget, und es wäre zu wünschen, daß selbte mit nechsten in Druck käme, vid. Schles. Labyrinth p. 10.

Mit besonderer Anmuth und nicht geringerm Nachdrucke wuste mehr gemeldeter Hr. D. Lindner unser Riesen=Gebürge darzustellen. Dieses treffliche Meister=Stücke in der deutschen Poesie ist zwar schon etliche mahl den Augen curieuser Liebhaber im Drucke vorgeleget worden; Allein man vergönne, da wir hier vom Riesen=Gebürge handeln, daß wir

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solches auch hieher setzen und unsern Leser damit vergnügen.
Weltberuffener Riesenberg! Deine Himmelhohe Höhen
Mögen noch einmahl so hoch zwischen Lufft und Wolcken stehen;
Lust und Sehnsucht übersteigt sie mit unabgesetzten Lauff
Und die Liebe der Begierde, das Verlangen eilt hinauf.
Deine Wege kosten Schweiß. Deine Bahn macht müde Beine.
Hier durchnässt den Fuß ein Sumpff; dorten qvetschen ihn die Steine.
Hier verspringt man sich auf Wurtzeln, so das Wasser ausgeschweifft.
Dorten stößt man sich empfindlich, wenn man an das Knieholz trifft.
Jetzo wird der Athem kurtz. Jetzo keucht die Brust gedrange
Bald macht einen Berg und Klufft schwindlich,
daumelnd, weh und bange.
Jn der Tieffe drückt sie Sonne. Jn der Mitte reißt die Lufft.
Jn der Höhe schmerzt die Kälte unter Winden, Dampf und Dufft.
Doch was achtet dies ein Geist, dem ein fürgesetztes Wesen
Nichts als Muth und Munterkeit aus den Augen lässet lesen;
Der nach diesen hohen Bergen, wie nach einem Himmel ringt,
Und für brennender Begierde nicht nur schreibt, sondern springt.
Der die Wunder der Natur hier für andern achtbar schätzet

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Weil sie Gottes Allmachts Hand so erhaben hat gesetzet,
Der den Ausbund seltener Sachen, Ertz, Gewächse, Kraut und Frucht,
O’ wie geb ich es recht kräfftig? Der den Kern der Erde sucht.
Last und Mühe wird zur Lust. Schweiß und Schmachten
wird zum Lachen.
Und denn sieht man erst recht auf, wenn die Wolcken
knallend krachen;
Wenn es blitzet, donnert, hagelt; wenn es Fels und Wald zerkeilt;
Wenn es rauschet, braust und rasselt; wenn es wirbelt, stürmt und heult.
Feige Männer zittern hier. Schüchterne verdrehn die Augen,
Welche sonsten in der Welt nur zu Stubenhüttern taugen;
Denen gar kein Wunder GOttes unvergleichlich mächtig läßt.
Aber ein Naturerforscher stehet stahl und eisenfest,
Thürmen sich die Wolcken auf; trübt und schwärtzet sich der Himmel,
Blitzt das Feuer um und um; Hält der Donner sein Getümmel;
Fällt der Hagel mit Gepraßel; macht der Sturmwind einen Strauß;
O das sieht ja wunderns würdig auf dergleichen Höhen aus.
Bricht hierauf die düster Lufft; theilen sich die Wolcken=Lasten;
Läst der angestrengte Wind weder Blitz noch Donner rasten;

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Kläret sich der trübe Himmel strahl der Sonne neuer Schein;
Jetzo sieht man augenblücklich in ein Paradies hinein.
Um und um grünt Wald und Pusch. Hier sind Berge, dorten Klüffte.
Hier liegt ein begrastes Thal; dorten stehn bemooste Grüffte.
Diesseits sind berühmte Städte; jenseits Dörffer angebaut,
Da man Häuser, Schlösser, Thürme, leuchten, gläntzen, funckeln schaut.
Dorten windet sich ein Fluß durch gekrümmte Schlund und Bogen;
Dorten wirfft ein breiter Teich silberfarbne Wasserwogen;
Hier erblickt man Saat und Stauden, die der Wind bewegt und streicht,
Und recht artig, Wellenförmig über ihre Spitzen schleicht.
Hier bescheint der Sonnen Glantz unterschiedne grüne Platten;
Dorten wirfft ein steiler Fels einen ausgedehnten Schatten.
Jn der Weite graun die Berge. Jn der Nähe grünt ihr Grund
Wald und Thal laßt zwischen inne, schwartz und blau und dunckelbund.
Hier entspringt ein heller Qvell; dorten wieseln heiter Bäche,
Diese rauschen, jener braust, wenn sie von der hohen Fläche

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Schnell und gähe grundwerts stürtzen, Dampf und Nebel um sich sprühn
Und mit Schaum und Jäscht und Blasen in der Tieffe weiter ziehn.
Endlich spreust sich Blum und Kraut. Beides weidet die Begierde
Dieses mit der Seltenheit, jene mit der Wunderzierde.
Was das Land auf seinen Fluren gar nicht beÿ sich fünden kann
Solches trifft man hier volkommen kräfftig, gut und kernig an.
Mag doch also Müh und Schweiß, mag doch Schreiten,
Springen, Steigen,
Mag doch Hitze, Wind und Frost Macht, Gewalt
und Kräffte beugen;
Wenn man dich, du Wolckenträger, dich, du Riesenberg, bezieht!
Gnug daß man auf deinem Gipffel eine Welt voll Wunder sieht.

Was übrigens von dem beruffenem Gespenste, der Rübenzahl genannt, welches sich vor Alters in mancherleÿ Gestalt soll haben sehen lassen und damit die Reisenden geschröcket, auch denen, die ihm Schmach angethan, allerhand Unglück, als Donner, Hagel, Ungewitter und Regen auf den Hals

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gebracht, hingegen andere mit Golde beschencket, davon wird ehestens von dem Hrn. D. Lindner eine Schrifft ans Licht treten, die aus einem gantz andern Tone klingen soll, als alle bißherige, so die leichtgläubige Welt auf eine recht ungeschickte und abgeschmackte Weise verführet haben; Abergläubischen, albernen und unvernüfftigen oder gar unchristlichen Schlüssen soll gewiß keine Stelle darinnen eingeräumet werden, dargegen dürffte es an anmuthigen Erinnerungen nicht fehlen, welche alle den Rübenzahls=Geschichten zum Nachtheil, vernünfftigen Lesern aber zum Vortheil dienen werden. Wie in der Vorrede zu den Vergnügten und unvergnügten Reisen auf die Schnee=Koppe, lit. D. b. in der Anmerckung versichert wird. Das wird ein schön historisch Werck werden! Wenn sich doch iemand aufmachte, und, da man einen Politischen Näscher, einen Politischen Qvacksalber, einen Politischen Maul=Affen, und wer weiß, was schon hat, man nun auch einen Politischen Rübenzahl schriebe, man könte treffliche Moralia anbringen: Doch die vom Rübenzahl bereits würcklich geschrieben oder seiner in ihren Schrifften gedencken sind folgende mir bekandt worden: D. Caspar Schwenckfeld, Physicus

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Hirschb. in Silesiographia ante Stirpes und in Hirschb. Warmen=Bade. Nicol. Henelius ab Hennenfeld in Silesiographia; zugleich deßen gelehrter Observator Michael Joseph Fiebiger in Scholiis ad Henelii Silesiographiam Renovatam. Jacobus Schikfusus in der Schlesischen Chronica. D. Melchior Wentzel Logdmann de Aven, Käyserl. und Königl. Maj. des König Grätzer Kreÿses geschworner Land=Physicus im Königreich Böhmen in der Beschreibung den Mineralischen Wasser in der St. Johanns=Bädern bey dem Riesen=Gebürge. M. Carl Ortlob in Disput de Spectris. M. Simon Fridericus Frentzelius in Disput. de Spiritu in monte, qvi vulgari nomine Rübenzahl nuncupatur, apparente, Ao. 1673 in Wittenberg gehalten. Johann Prætorius in Satyro Etymologico und Dæmonologia Rubenzahlii. Otto Graben zum Stein in der 5. Unterredung von dem Reiche der Geister. Georgius Ækerius in Glaciographia; Henricus Nicolai in Exercitatione de Magicis Artibus, Friedrich Lichtstern in der Schlesischen Fürsten Crone. M. Johann Heintzelmann, Vratisl. in Dissert. de Angelo dem Rüben Zahl in montibus Riphæis.

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Vechnerus in Breviario Germaniæ. Zeilerus in Germania. Sigismundus Scheterzius in libro de Consolatione. Martinus Opitius in Pöetischen Lust=Wäldern. Johann Fechnerus in Carmine de Monte Gyganteo. Der Herr von Lohenstein in Arminio. Fridericus Becmannus in Oratione de Monte Gygantes. Anonymus in Wunderlichen Historien von Gespenstern. Anonymus in dem vom neuen, wegen seiner kurtzweiligen Possen aufgelegten Schlesischen Rübenzahl, oder das Chosenhäffte und Welt=beschriene Gespenste, welches sich in den Gebürge zwischen Schlesien und Böhmen denen Reisenden in poßierlicher und mannigfaltiger Gestalt, auch mit seltsamen Verrichtungen præsentiret und durch wunderliche Avantuten zuerkennen giebt, der curieusen Welt zum Zeit=Vertrieb communiciret und Jhr gehorsamst offeriret. Breßlau und Leipzig 1726. Bekannte und unbekannte Historien von dem Abentheuerlichen und Weltberuffenen Riebenzahl, welche von Prætorio, Schwencken und andern bewehrten Scribenten mehr sind geschrieben worden, stehen in Vergnügten und unvergnügten Reisen auf das Welt=beruffene

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Schlesische Riesen=Gebirge in 4. Ao. 1737. Breßlauische Sammlung Natur und Kunst=Geschichte im Herbst=Qvartal de Ao. 1717 p. 1811. Fridericus Lucæ in Schlesiens curieusen Denckwürdigkeiten, oder vollkommenen Chronica von Ober= und Nieder=Schlesien, in 4. Ao. 1689. Ephraim Jgnatius Naso in Phonice Redivivo Ducatuum Svidnicensis, oder in dem wunderlebenden Phönix der beyden Fürstenthümer Schweidnitz und Jauer. in 4. Ao. 1667 p. 318. P. Bohuslaus Balbinus in Miscellaneis Historicis Regni Bohemiæ, Dec. I. Lib. I. s. VI. § 4. Der gelehrte Criticus über hundert curieus. Dubia und Fragen, aus der kirchen und Profan=Historie, wie nicht weniger aus der Geographie; Philologie, Moralite und Politic, die 25. Frage: Was es mit dem Rübenzahl vor eine Beschaffenheit habe. p. 276 Zelleri Zweÿter Theil der Hirschb. Merckw. darinnen von dem hierumligenden Riese=Gebürge und deßen beschrienen Gespenste dem Rübenzahl gehandelt wird, in 8. An. 1726 Schlesisches Historisches Labyrinth oder Kurtz=gefaßte Sammlung von hundert Historien, allerhand denckwürdiger Nahmen, Oerter, Personen, Gebräuche, Solennitaten und Begeben

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heiten in Schlesien in 8. An. 1737 p. 169. 190. u.s.w.

Mehr gedachter Hr. D. Lindner hat auch Fechneri Carmen vom Riesen=Gebürge, so in 2 Theilen der Hirschb. Merkw. p. 110 sq. mit Prætorii Übersetzung zulesen, in deutsche Verse gebracht, die um ein großes beßer, als jene gerathen und einem sonderbahren Kenner und Gönner der Dicht=Kunst, Hr. Friedrich Wilhelm Wincklern, weitberühmten Kauff und Handels=Herrn, Hochverdienten Aeltesten der Hirschbergischen Kauffmanschafft und Hochansehnl. Vorsteher der Evangel. Kirche und Schule allhier vor Hirschberg zugeschrieben hat, die bereits zum Zweÿten mahle mit einem neuen Kupffer vom Riesen=Gebürge gedruckt worden. Es kan wohl seÿn, daß ich zu dieser Übersetzung, ob man es gleich verschwiegen, Anlaß gegeben; Nun erachte ich mich schuldig, meinem geneigten Leser eine bessere, da wir
sie haben, mitzutheilen und so eine schöne Piéce, die sich eintzeln leicht verliehren, zu conserviren, zumahl es seine Richtigkeit haben soll, daß wir von dem Riesen=Gebürge keine richtigere, genauere und vollständigere Abschilderung aufzuweisen haben.

Das Riesen=Gebürge scheidet Schlesien und Böhmen von einander und ist sehr hoch:

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Est mons Elysii limes,
Herciniæ qvà sylva vetas se tollit,
Bojæ mumqen latus stipat Sudetibus altis.
Hic caput erectum stellatis,
Jmmixtus superis, ut possit Olympu haberi,
Vel Massylus Attas, qvi bajulat æthera dorso d. i.

Rage nur mit deinem Gipffel, Weltberuffner Riesenberg!
Schlesiens berühmter Gränzstein! Allmachts volles Wunderwerck!
Südwärts aufgethürmter Harz! Böhmens nachbarliche Stütze!
Rage: sag ich, hoch empor mit der Himmelhohen Spitze!
Daß man dich mit fug und Rechte, sonder Vorurtheil und Wahn,
Für die Wolckenträger Atlas und Olympus halten kan.

Auf demselben hätten die Riesen den Himmel stürmen wollen

Fama est hinc, Divis olim pugnasse Gigantes
Atrox cum Cæus rupes præjecit in astra
,
Jnqen Deos grandes contorsit

Nam qvid Thessalicis hanc, mendax Græcia, pugnam
Adsignas clivis
? Jmponas Pelio Ossæ,
Altior ist hac mole stabit Sudeticus Hemus.

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Jnde Giganteum dixit vetus,
Silesius inter Tantum qvi præminet Alpes,
Qvantum nana solent inter

Für den Kampfplatz, wie man sagt, wo die ungeheuren Riesen
Einsten ihre kühne Wuth gegen ihre Götter wiesen;
Wo der grausam wilde Cæus Stein und Fels gen Himmel schmieß,
Wo der Mouchus starcke Buchen in die schwartzen Wolcken stieß

Ja! du bist der hohe Berg! gegen den der Griechen Höhen,
Trotz der alten Wäschereÿ! nur wie steile Hügel stehen!
Ja! du bist der Wolckenträger! so den Himmel stützt und hält!
Ja du bist der Himmelstürmer ausgedachtes Kriegesfeld,
Schweig nur stolzes Griechenland! deine hochgepriesne Berge
Lassen gegen unsrer Höh als versaßne schwache Zwerge.

Fuhr auf deinen gähen Ossa deinen Pelion hinauf;
Endlich thürme diesen beÿden Rhodopen und Athon auf;
Schmeichle dir ein Wunderwerck, das bis in dem Himmel reiche,

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Deine Berglast kommt gleichwohl unserm Hämus niemals gleiche;
Unserm Berge, der das Alter, als der Berge Riesen kennt,
Den man auch daher noch itzund eine Riesenhöhe nennt,
Der die Alpen Schlesiens so erhaben übersteiget,
Wie sich ein Cypressenbaum über kleinen Weiden zeiget.

Die andern Berge stünden um die Koppe, als ihrem König herum:
Aspicis, ut regem circumstent agmine denso
Sudeti fratres
! Credas consurgere junctim
Hic Apennini conserta cacumina patris
,
Aut Alpem summam sparsim præcingere Grajos
Montes
, aut Bardi cotes, qvas rapit aceto
Hannibal Jtalici penitrans munimina caustri

Caucusios apices et Jmavi
Tollite Circassi
: Pyrenen Celta celebret,
Carpathicisqen jugis jactet se

Nostra Giganteum cantat Germania montem
Austrinæ caput Herciniæ saltusqen coronam
Sudet
, Phrygiæ cui gloria cesserit Bæ
Et Tauri
, qvanmvis in Sidera cornua mittat

Seht doch! wie die kleinen Berge so bewundernsvoll und schön
Um das Riesenhaupt als Brüder und um ihren König stehn!
Läßt es doch, als lieffe hier Wälschlands Apennin zusammen,

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Und als wollte der Olymp von den hohen Alpen stammen.

Rühmet euch nur, ihr Cyrcassen! macht für Freuden ein Geschreÿ!
Glaubt, daß Laucasus der größte; daß Jmaus der längste seÿ!
Rühmt, ihr Celten! prahlt und pocht, daß die hohen Pÿrenen
Wunderns= und Erstaunenswerth mitten in dem Himmel stehen!
Preist, ihr streitbaren Wallachen! euer Wundereigenthum,
Und erhebet die Carpathen mit gar ungemeinem Ruhm!
Unser Deutschland rühmet auch mit so brünstiger Begierde
Seines Riesenberges Macht, Grösse, Breite, Höh und Zierde;
Als das Haupt vom Harzgebirge, das hier an Spitze steht,
Und als eine blanke Krone über die Südöten geht;
Dem der Jda Phrygieus willig Rang und Fürzug gönnet,
Den der Himmelhohe Taur für weit lästiger erkennet.

Die Höhe wäre schwer zuersteigen:
Ostentat longe geminam qva
Hirsitum latus et turgentes
Perplexum per iter scandentes

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Anfracti callis ducit. Vestigia nusqvam
Figere tuta licet
, sabebris obstantibus hirtis

Sed tamen adsensu poteris
Jn juga mintis et excelsa tandem arce potiri

Ueber beÿde ragt sein Gipffel, der sich Nordwärts Himmelblau
Als ein steiler Fels empört, den man schwer ersteigen kann;
Wo die Wege krumm und gäh, einem steten Jrrweg gleichen,
Und von unten bis hinauf durch verdrehte Gänge reichen;
Wo man nirgends sicher schreitet, noch den Fuß behend und scharff,
Ohne Furcht bergab zugleiten, und zu fallen, setzen darff.

Dennoch kommet man hinauf, obzwar unter Schweiß und Hitze
Und erklettert endlich wohl dessen Himmel hohe Spitze.

Von dannen könnte man sich weit und breit umsehen:
Proximus hic superis mortales,
Ac crepidis subjecta tuis jam plurima cernis
Oppida cum pagis
, cum vallibus æqvora ruris,

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Cum Sylvis agros, tibi qvos vel Slesia prona
Lustrandos Sparsia
, vel plana Bohæmica præstant

Qvicqvid terrarum per millia,
Ex hoc intento, si circamduperis omnes
Jn partes visus
, speculari monte licebit

Hier ist man den Göttern nahe : Hier verachtet man die Welt,
Weil sie uns, als unterwüffig, in die offnen Augen fällt.

Hier erblickt man Stadt und Land mit dem innigsten Vergnügen,
Und bemercket Forst und Feld unter seinen Füssen liegen.

Alles, was das flache Böhmen in den weiten Gränzen hegt
Alles, was in seinem Striche Schlesien bergabwärts trägt,
Alles, was viel Meilen weit sich in einem Kreiß erstreckt,
Wird hier oben deutlich kund und gantz offenbar entdecket.

Ja man wäre fast unter den Sternen und über den Regen=Wolcken:
Si vero attolas oculos
Dimittas
, stellas propter prostrabis Olympi
Fulgentis consors et felix

Qvim jam nimborum patriam
Niebes sub pedibus qvandoqen

Sæpe serenus apex, gaudens coelo undiqen puro,
Jnfra se cernit jaculari
Fulmina et ignicrepo sylvas

Hic fas est penitus templum coeleste tueri,
Astrorumqen domos oculo acclinare propinqvo.

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Hic catus Endymion Lucæ sublustre cubile
Scrutari posset
, posset subducere flammas
lucigeno soli furto felice Prometheus

Wirfft man nun hierauf die Augen über sich und nach der Höh,
Und vergisst, daß man der Erde gleichsam auf dem Kopfe steh:
Himmel! ach! so nimmt man ab, daß man in den Himmel rage,
Und das blancke Sternenheer sich um unser Scheiteln schlage;
Daß die nebelschwarzen Dünste von der Höhe grundwärts fliehn
Und als Regenschwangre Wolken unten auf der Erde ziehn.

O! wie artig läst es nicht, wenn man hier bey Sonnenscheine,
Wenn die Lufft recht ausgeklärt, helle, heiter, dünn und reine,
Wenn man, sag ich, unten siehet, wie der Donner tobt und schallt,
Wie er heult und brüllt und wütet, wie er gar entsezlich knallt,
Wie er Fels und Wald zerkeilt, wie er Berg und Klufft zerschmettert
Und mit Feuer, Blitz und Schlag aus den schwarzen Wolcken wettert.

Billig sieht man sich den Himmel hier recht steiff unf erstlich an;

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Weil man ihm doch auf der Erde nirgends näher kommen kann.

Suchte noch Endymion unsern Mondlauff zu ergründen
O! so würd er hier dazu fast die beste Stelle finden.

Wollte noch einmahl Promethus nach dem Sonnenfeuer stehn,
Würde hier sein Diebstahl gleichfalls höchst=erwümscht
von statten gehen.

Der Berg selbst wäre ein Schauplatz oben kahl, zu beÿden Seiten mit Gebüsch und Sträuchern umgeben:
Sed cur spectamus qvæ sunt infraqen supraqen
Rupen
? cur oculis metimur singula fixis?
Qvod mage miremur, varium mons ipse theatrum
Spectandum dabit
. En! capitis par calva superne,
Pars et syvarum tortis

Occiput à Phoebi valta radiante remotum
Nunqvam deponit senium venerabile
, semper
Canis conspersum niveis rigidaqen pruina

At frons conifera late præcincta corona,
Ver nive discussa recipit,
Exuit et frondens hibernas,
Solibus icta novis, cum Sirius incubat ardor

Omne micat luco tergumqen

Gibbosos abies humeros attolit acuta.

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Enodes ornant orni thoraca patentem
Sed lumbos pinus sussingit
Sylvaram velis
. Aloum betulla tumentem
Jntegit inferius frondosi syrmatis ambra

Doch ! was wundern wir uns sehr, was den Berg von Ferne ziere,
Und was ihm daher für Preis, Achtbarkeit und Lob gebühren;
Selbst der Berg ist voller Wunder, und durchaus Erstaunenswerth,
Der daher mit Fug und Rechte Beyfall, Rang und Ruhm begehrt.

Oben ist der Schädel kahl; nur der Umfang ist verwüstet,
Und mit Sträuchern, Kraut und Mooß, als mit Haren starck berüstet.

Hinten graut er unaufhörlich, wie ein Ehrenwerther Greiß,
Unt erscheint von Schnee und Reiffe mehrentheils gantz silberweiß,
Vorne, wo die Sonne sticht, und den Schnee im Lenze schmelzet
Oder dieser von sich selbst Ballenweise grundwärts wälzet,
Wird die Stirne jährlich wieder ihres Graukopfs gantz beraubt
Und mit frischen grünen Tannen, als mit einem Krantz umlaubt.

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Unten trifft der grosse Bart von dem vielen Reiff und Eise,
Und gewinnet Kraut und Gras, Baum und Sträucher gleicherweise,
Sonderlich, wenn ihn im Sommmer die geschwüle Sonne drückt,
Und der Feuerheisse Hundsstern immer naher auf ihn rückt.

Alles steht als denn recht frisch, als in einem Wunderreiche
Und der grosse weite Berg siehet einem Lustwald gleiche.

Auf den höckerichten Schultern ragt die Tanne hoch empor
Auf der Brust und auf dem Hertze steht die glatte Buch in Flor,
Um die Lenden schwinget sich die sonst dunckelgrüne Fichte.

Auf dem Bauch und unterwärts kommt die Bircke zu Gesichte.

Hierinnen giebt es zujagen:
Hic Fauni ramosa Domus
Panditur
. Hic agitat Satyrorum turba choreas
Hic Pan Arcadiæ desertis collibus errat
,
Et nemus arguta Syringis,
Prolicit obscuris recinentem vallibus Echo

Jpsa per hos saltus venatur dia Diana,
Seu vestiget apros, arcum seu tendat in urhos
Torvos
, seu lynces cursa pernice fatiget.

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Um und um stehn groossen Püsche. Ueberall sieht man Waldein.

Sollten denn der Wälder Götter hier nicht selbst zu gegen seÿn?
Ja! due Dryaden sind hier. Ja! die Faunen sind zugegen.

Ja? die muntern Satyren danzen hier, als wenn sie flögen.

Man hat seine grüne Hügel, die ihn ehedem ergötzt,
Und Arcadens Freude wären, völlig aus der Acht gesetzt,
Seht doch! wie er itzo hier durch die dunklen Püsche schweiffet.

Hört doch! wie er allerliebst in den stillen Wäldern pfeiffet.

Hört doch! wie sein Rohrgetöne nach den fernen Bergen schallt,
Und mit sanfftem Wiederklange wundernswerth zurücke prallt.

Selbst Diana wohnet hier. Seht nur! seht nur! wie sie springet;
Seht nur! wie sie jagt und hetzt; wie sie Wild und Wald umringet;
Wie sie hier auf einen Eber, dort auf einen Luchs entbrannt,
Endlich auch den starren Bogen auf die starcken Bäre spannt!
Es hätte seinen Schatz=Verwalter, den Rübenzahl

Est suns et monti genius Dæmonqen celebris,

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Qvem Rubenzahl indigitat populare cavillum

Adsolet in varias hic se convertere formas,
Jn qvet nec Prolens mutatus scribitur olim

Qvia se deprendi gaudet,
Nec qvenqvam lædit, fuerit nidi læsus ab illo

Tunc et enim sumit savi cacodæmonis iras,
Et modo nube nigra rupes involoit opacas,
Jnsanumqen tonat, nimbisqen crepantibus altas
Jnfestat sylvas
, modo diros excutit ignes,
Exterretqen minis subitis, qvicunqen lacessunt
Ludibrio Satyrum montis momorumqen potentem

Ueberdiß soll dieser Berg auch noch einen Schutzgeist kennen,
den derpöbelhaffte Hohn Riebenzahl beliebt zu nennen,
Der sich mancherley gestalten und so offt verwandeln kann,
Als wohl kaum der schlaue Proteus in dem Alterthum gethan;
Der sich gerne sehen lässt, manchmal zu erkennen giebet,
Und so lange sonder falsch seinen Mitgesellen liebet,
Biß ihn dieser etwan Hohn spricht, oder was zu wieder thut;
Denn hernach ergrimmt er teufflisch und verhüllet voller Wuth
Und verfinstert kohlpechschwartz noch heitern Berge Höhen

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Läst hierauf mit Sturm und Wind solche Donnerschläg entstehen,
Hagel mit Geprassel fallen und die Wolcken Feuer spein;
Daß ein Stahl= und Eisenfresser hier muß eine Mämme seÿn.

Es wäre eine Qvelle des Zackens, Bobers und der Elbe:
Verum qvid refert larvarum?
Visamus potius Naturæ dona benignæ

Ecce qvot exesis saliunt de cotibus amnes?
Hac properat liqvidam crystallum,
Convena Boberi vitrei, qvi debet et ipse
Hercinii montis foetis radicibus ortum
:
Jllac undecumo de fonte
Albis Teutonidum rector venerandus aqvarum

Doch ! wer wird dieß Affter Bild des Gedichtes würdig achten?
Last uns lieber der Natur Macht und Güttigkeit betrachten!
O! was prudeln hier für Qvellen! was für mancher Wasserguß,
Was für silberfarbne Bäche, was für mancher heitrer Fluß
Rollen hier nicht von der Höh, oder stürtzen sich von oben,

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Theils mit Nebel, Dampf und Jäscht, theils mit Rau=
schen, Braus und Toben!
Seht nur! wie der klare Zacke von hieraus so schnelle flüßt,
Und sich in dem hellen Bober, als Geschwisterkind ergüßt!
Selbst die Elbe; Deutschlands Prinz, und das Haupt
von seinen Strömen,
Stammt von unserm Riesenberg in dem nachbarlichen Böhmen.

Hätte oben einen wunderbahren Teich:
Qvod vero mirere magis! Diffunditur alto
En lacus in dorso montis stagnante profundo

Ecqvis naturae miraculo talia vidit?
Scilicet in celsis spectatur
Clarius
: hinc montes donorum luce coronat
Prælustri
, ut mentes sursam tollamus inertes,
Qvas defigit humi vanorum

Wunder über alle Wunder! wer kan dieses übergehn?
Sehet doch zweÿ tieffe Teiche auf des Berges Rücken stehn!
Unerforschlich groosser GOtt! was sind das für Allmachts=Wercke?
Wer begreiffet deine Macht? wer entscheidet deine Stärcke?

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Zweiffels ohne läßt du dieses so gar Himmelhoch geschehn,
Daß wir Himmelscheue Menschen nach dem Himmel sollen sehn:
Daß wir Herze, Sinn und Muth von dem Jrdischen entfernen,
Und fein ernstlich Himmelan nach der Höhe schauen lernen
Wäre von Wurtzel und Kräutern berühmt

Nunc mihi radicum species, herbasqen salubres,
Si potes, enumera, qvarum nic est copia major,
Qvam vel in Hæmonio saltu, vel Colchide terra
Sospes Hyge legit hic felicis germina partus
,
Unde sacram Panacen medica Machäon;
Cum nepe lethifero te, non est,
Cur â Dictæo Dictamnum monte reqviras

Hic, hic invenies herbas, præstare salutem
Certam qvæ valeant
, pardes virtute potenti
Amtidoto Ponti cui fecit
Tantaqen tot genuit bona prodiga montis Oreas
!
O! wer kan die Kräuter rechnen? O! wer weiß der Wurzeln Zahl?
Alle sprossen tausendfältig auf den Bergen, in dem Thal.

Auf Higäa! Komm hieher! Hier wachst alles fisch und milde!
Laß des Hämus Kräuerwald! Laß das colchische Gefilde!

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Suche hier die schöne Kräuter, pflückte hier den Blumenstraus,
Grabe hier die gutten Wurtzeln für die schwangern Frauen aus!
Auch Machaon! Komme mit! Komme mit auf diese Höhen!
Laß den Dictam ungestört auf dem Berge Dicta stehen!
Mache hier dein Allmachtsmittel! suche hier dein Gegengifft!
So dem Mitfridate gleichet, wenn es ihn nicht übertrifft.

Hägte inwendig viel Schätze, Eisen, Zien, und Bleÿ, Gold und
Edelgesteine
:
Si jam fas esset scratari viscera cotis,
Vah! qvantas tibi Plutus opes,
Si vellet ! Latet hic ditissima crena metalli
Ventre cavo
. Ferri qvæ vis generetus ibidemr

Ardens Schmiedebergæ loqvitur ferrarià, postqvam
Deferit exustas Ætnæ Liparæqen caminos
Vulcanus
, gaudes Sudetum incade recenti
Exercere operas et monticolas Cyclopes
Fusile prætereo Stannum atqen ignobile Plumbum
Dum limi potioris opes
Cæcis sub cryptis
. Aurum latitare profundis

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Jn serobibus, prodit non unus rivulus alto
Descendens luco montis
, qvi volvit arenas
Jnter lucentes auri ramenta micantis

Jsara, te laudo testem; tu pauper aqvarum,
Non auri, Medo poteris contendere Hydaspi,
Mendacisqen Tagi veterum confundere famam

Tu nempe Elysiæ verus Pactolus es oræ

Sed nos fastidimus opes, qvas Patria fundit,
Mirari tantum soliti peregrina bondrum

Sæpe petit pastor montana armenta lapillis,
Auro qvos cupiat potiori,
Qvi certent gemmis, qvas mittit porta Syrenes

Ergo suas sibi divitias,
Accola qvas alacri studio qvæsisse gravatur

Ach! und sollte man den Kern dieser Höhen erst ergründen!
Was für Schätze, was für Gutt würde man im innern finden!
Alles stecket voller Reichthum, alles voller Kostbarkeit.

Ganze Schichten edler Erze decket hier die alte Zeit.

Was für vielen Eisenstein diese Berge Zeugen müssen,
Ließ sich einst in Schmiedeberg aus der Eisenarbeit schlüssen;
Als der Feuergott Vulcanus seine Liparom verließ
Auch in Arthua die Cyclopen aus der morschen Werckstatt stieß,

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Und sich diese Gegenden zu der Schmiedstädt erwählte,
Daß er unter Schlag und Klang seinen Göttern Waffen stählte.

Zinn und Bley nimmt gleichermaassem, als ein tieff
verborgner Schatz,
Jn den stockpechfinstern Klüfften seinen aus erwählten Platz.

Daß auch das gediegene Gold, als in einer reichen Hecke;
Mitten zwischen Berg und Fels keinesweges sparsam stecke;
Zeiget ja so manche Qvelle, welche von der Höhe fällt,
Und im silberfarbnen Sande wirklich ihren Goldsand hält.

Zeige doch, du reicher Fluß, mit dem sparsamen Gewässer,
Jser, sag ich, zeige doch! ist dein Goldsand nicht weit besser,
Führst du ihn nicht gleichfalls stärker, nur in Absehn deiner Fluth,
Als der Tagus und Hydaspes nicht mit starken Stömen thut?
Ja doch, ja! Du goldner Strom! eben du, du bist der reiche.

Du kommst hier in Schlesien Lydiens Partelon gleiche.

Doch was nutzt uns aller Reichthum? Und was hilfft uns alles Gold?
Wir sind nahen Schätzen dennoch nicht nach Würden hold.

Wir bewundern meistentheils, und behagen nur das Ferne:
Aber unser Heimatsgutt übersehn wir gar zu gerne.

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Mehrmals schleudert hier ein Hirte nach dem Huttvieh einen Stein,
der den Edelsteinen gleichet und im Grunde Gold mag seÿn.

Aber wer verstehet dieß? ja! wer will es auch verstehen?
Also bleibt der Schatz versteckt, und der Reichthum in den Höhen.

Beschleust endlich also:
Verum defessus lustrando singula tandem
Descendo de monte sacro
, qvem dicere nemo
Sat digne poterit
, qvamois superaverit ille
Tantum facundo reliqvos modulamine Vates
,
Qvantum transgreditur Sudetos vertice cuntos
Jpse Giganteus
, major qvi laude suprema

Qvin aures dudum mihi vellit cantor Apollo,
Et monet ; haud humili fas est
Montem tam excelsum
, qvi laudes æqvat Olympo,
Et decus Herciniæ saltus sibi vendicat omne ;
Si sapis argutæ vallis sectaberis umbram,
Et tenni canna modulaberis

Jch bin müde zu betrachten, was der Berg noch weiter trägt;
Was er für Vortrefflichkeiten auf, und um, und in sich hegt.

Deßfalls schlüß hier sein Lob, und gestehe mein Gebrechen:
Jch vermag es nach Verdienst keinesweges auszusprechen.

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Und mit mir vermuthlich keiner, der auch noch so trefflich spielt,
Und beÿ seinen schönen Liedern lauter Macht und Feuer fühlt;
Der auch auf dem Helicon über allen Dichtern stehet,
Und wie hier die Riesen Kopp über die Südöten gehet.

Stille! spricht ohndem Apollo; pflichte meiner Warnung beÿ!
Wisse: daß dieß grosse Wunder nicht für kleine Dichter seÿ,
Keine schwache Muse kann diesen starken Berg beschreiben,
Wer nicht höher singt, als Du, muß im Thale stitzen bleiben.

Der berühmte Hr. Gottlob Krantz in Breßlau, mein auch nach dem Tode geehrtester Hr. Schwager, bediente sich, wenn er diese angenehme Gegend, wie er sie befunden , darstellen will, folgender Worte:
Wem solte doch allhier der hohen Berge Preiß,
Die Thäler, die an Pracht den Salomon besiegen,
Der Augen Liebligkeit nicht seinen Sinn vergnügen.

Wer hier sein Auge nicht recht zu erqvicken weiß,
Der muß die Allmachts=Hand des Schöpffers noch nicht kennen,
Der rieselnde Crÿstall, der in den Bächen blickt,
Was wir an Berg und Thal nur schön und lieblich nennen,
Macht Aug und Hertzen hier verwundernd und entzückt.

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Die Oerter, welche diesseit und vor dem Riesen=Gebürge liegen, sind die gantzen Schaffgotschischen Herrschafften, sammt den Städten und Schlössern, Friedeberg am Qveiß, Greiffenberg, Greiffenstein, Kÿnast, Kämnitz, Schmiedeberg, Arnsdorff, Hirschberg und sämmtliche, darzu gehörige Dörffer, ja der gröste Theil des Hirschbergischen Weichbildes, item Liebenthal, Lähn, Lähnhauß u.s.w. bis Jauer und Goldberg, davon diese gantze Gegend den Nahmen des Gebürges erhalten hat, wie das übrige Theil das Land genennet wird, davon die Redens=Arten gantz bekandt sind; Eine Reise ins Land oder ins Gebürge thun. Übrigens ist in den Schaffgotschischen Gebürgen an Holtze ein solcher Überfluß, daß viel Städte und Dörffer sich daraus erholen müssen.

14. Berg=Schlösser.

Unter die hierum=gelegenen festen Berg=Schlösser zehlte man den Haußberg, der Kÿnast, das Bolcken= oder Molcken=Hauß, den Falckenstein, den Boltzenstein, das Lehnhauß und einige andere mehr, welche zum Theil mehr zum Raube, als zu derr Stadt Sicherheit gedienet haben und vorlängst sind zerstöret worden.

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Der Hausberg.

Der Hausberg liegt eine halbe Viertel Meile von der Stadt gegen Abend, wo der Bober und Zacken zusammen fleust. Stösset an das Theil der Vorstadt jenseits des Zackens, welches man die Rosenau nennet. Auf diesen Hausberg hat Boleslaus Distortus Ao. 1111 eine Burg, oder sehr festes Schloß gegründet, welches An. 1312 eine adliche Jungfrau, Praxedis gebohrne von Haugwaldin erb= und eigenthümlich besessen. Ao. 1369 ist ein Herr von Zedlitz, Friedrich von Pechwinckel genannt, und An. 1392 der berühmte Held, Gotsche Schaf, Burg=Graf zu Hirschberg gewesen. Von dem damahligen Zustande der Burg=Lehne aber und der heutigen kann nachgesehen werden die wohl ausgearbeitete Disputation Hr. Ernst Siegemund Schobers de Feud. duc. Svidn. et Jur. Sect. II. c. I. § 10. p. 36. Sonderlich um das Jahr 1369 zehlte in diesen Fürstenthümern 19 Burg=Graffschafften, unter welchen die Hirschbergische Burggraffschafft eine von den ersten mit gewesen. Über diesselben setzten die Hertzoge Adliche Burggraffen oder der Justitz und Wirthschafft verständige Amts=Verwalter, derselben honorables und profitables Amt erforderte also, daß sie denen Unterthanen die Justitz administriren, die Dinste zu rechter Zeit anordnen, die Zinsen

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einnehmen auf die Unterbedienten genau Achtung geben, und die Jntraden, sie mochten Nahmen haben, wie sie wollten, fleissig beobachten und was etwan zur Hoffstadt an Victualien abgeholet wurde, zeitlich überschickten; besonders ihres Hertzogs Jura, wieder die eingreiffenden Grentz=Nachbarn wohl defendiren musten. Endlich belehnten oder beschenckten die Könige unterschiedliche Adliche Geschlechter damit, unsere Burg wurde gar zerstöret, vielleicht weil sich beÿ den verwirrten Zeiten, da der Hertzoge Vielheit mancherleÿ Factiones fovirte, darbeÿ die schädlichsten Plackereÿen passirten, voraus beÿ dem Hussitischen Unwesen, die Räuber sich hierin postiret hatten, welche aus Mangel des Geschützes und der Justitz viel Unheil stiffteten, bis An. 1474 denenselben durch den publicirten Land Frieden voll abgeholffen worden. Nicht ferne davon, nehmlich auf dem Creutzberg, stund die Capelle des heil. Wolffgangs

Hinter dem Hausberge, an dem Wege nach der sogenannten Kalten Küche zu, hart am Bober, qvillet ein helles frisches, gesundes und wohlschmeckendes Wasser aus dem Berge hervor, welches man insgemein das Miracul= Marckel= oder Merckel=Börnel zu nennen pfleget und im Sommer von vielen, Grossen und Kleinen, Vornehmen und Geringen mit besonderm Plaisier besucht wird.

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Diesem Fußsteige nach, weiter hinunter am Bober, kommt eine Gegend, die man den Sattler nennet. Daß sie einem dieses Nahmens zugestanden, kan nicht bewiesen werden; Vermutlich mag einer dieses Handwercks hierum unselig ertruncken oder gestorben und hernach denen Leuthen, als ein Gespenste in solcher Gestalt, nehmlich daß er beÿm Märckel=Börnel hinauf, auf einem Stein gesessen und Sattel zusammen genehet, zuweilen erschienen seÿ, davon man Anlaß genommen zu sagen: Es ist, oder es war der Sattler.

Daß weiter hin in der so gennanten Kalten=Küche ein Ort gewiesen wird, wo vor Zeiten Geld gemacht worden, ist nicht unbekandt; Ob es aber ein Sattler seines Nahmens, oder Handwercks gewesen, der hernach justificiret und von vielen Leuthen als ein Gespenste in seiner Gestalt gesehen worden, davon findet man keine Spur, es müsse denn in oder vor dem 15 Seculo geschehen seÿn. Jch glaube auch nicht, daß um diese Gegend die Execution vollzogen worden. Das wäre allzu gefährlich im Pusche gewesen, da man die unbefugten Geldmacher ordentlich

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zu Pulver verbrennet; Wäre sie anderwerts geschehen, so müste es seÿn, daß er dieser Gegend, da er sie im Leben so sehr geliebet, auch nach dem Tode nicht hätte vergessen können; oder vielmehr, daß der Satan an dem Orthe, wo er ihm im Leben am meisten gedienet, nach dem Tode mit ihm den grösten Spuck getrieben hätte; Oder weil er in Unbußfertigkeit gestorben, und die Leute verunruhiget, daß man ihn dahin verbannet hätte, worauf er von vielen allda, auch so gar am lichten Mittag, in der 12 Stunde, so lange wäre gesehen worden, bis man ihn anders wohin verbannet hätte. Daß sich Mörder hierum aufgehalten, ist gewiß, ob sie aber in der kalten Küche Geld gemacht, ist eine andere Frage. Die Sache, daß in der kalten Küche Geld gemacht worden, hat so viel Richtigkeit, als man der einmüthigen mündlichen Erzehlung zutrauen darff, auch daher viel Wahrscheinlichkeit, weil sie bekandter maßen zugleich die kalte Schmiede genennet wird; Zweiffels ohne aus keiner andern Ursache, als weil Geld da geschmiedet oder gemachet worden. Ob es aber ein Sattler, der mit Weib und Kind lange Zeit unbekandter Weise allda in dieser bergichten Gegend, die damahls noch weit dichter mit Bäumen

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bewachsen gewesen; oder ob mehr Personen, deren Haupt ein Sattler gewesen, der sich beÿ Lebzeiten furchtsam gemacht; oder ob es die Räuber oder ander loses Gesindel gewesen, das sich an den Regalien der höchsten Obrigkeit vergriffen, wird eher nicht ausgemacht werden, bis man aus einem alten Chronico Hirschbergensis MST, das noch immer mangelt, sich Raths erholen kan im mittelst auch nicht viel davon gelegenseÿn. Zu unser Zeit hat Hr. Daniel Stoppe mit seinem Parnass im Sättler, der zugleich in Kupffer gestochen worden, dieser lustigen Gegend ein unvergessliches Andencken gestifftet. Von da hinnauf, oben auf der Höhe ist ein Börnel, das Broker=Börnel genannt, daraus ein helles, eines frisches Wasser qvillet, dessen Geschmack fast das Wasser im Marckel Börnel, ich will nicht sagen übertreffen p. doch demselben gantz gleich kommen soll, würde auch würcklich mehr besuchet werden, wenn es nicht so hoch und entlegen wäre.

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Der Kÿnast.

Von dem Kÿnaste sind noch die starcken und festen Mauern auf einem sehr hohen Berge, eine halbe Meile von Warmbrunn, nahe beÿ dem böhmischen Gebürge zusehen. Hat den Nahmen von denen Kÿfer=Bäumen, als von dem Kÿhn und Ast, die meiste Befestigung aber von der Batur selbst, indem das Schloß gegen den felsichten Gebürgen
von der Natur selbst, indem das Schloß gegen den felsichten Gebürgen und Stein=Klüfften mit menschlicher Hand nicht leicht erobert werden kan. Und wiewohl nicht ein weitleufftiger Raum darinnen zubefinden, so ist es dennoch in dreÿ unterschiedene verschlossene Theile auf den harten Felsen, dergestalt abgesondert gewesen, daß ein ieder Orth von den Brust=Wehren absonderlich beschirmet und das höchste Theil von dem darüber hoch=erhabenen Thurme, den man anders nicht, als durch Leÿtern besteigen müssen, mit Stein=Würffen erhalten werden können. Jst von Hertzog Boleslao Bellicoso An. 1292 erbauet und von Boleslao IV. oder welches der Zeit=Rechnung noch besser eintreffen soll, von Carolo IV. dem tapffern Helden, Gottsche Schaaf, als Stamm=Vater der

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ietzigen Hoch=Reichs=Gräffl. Schaffgotschischen Familie, ceu Brabeior fortium facinorum, wie Reinerus Reineccius in Syntagm. Familiar. p. 807 redet, nebst andern possessionibus amplississimus ad montes Bojemicos, nehmlich die schönen und nutzbaren Gütter, den Riesenberg, die Jser, den angretzenden Böhmischen Wald, das Berg=Guth Schmideberg, das fürstliche Schloß Greiffenstein nebst Greiffenberg und Friedeberg, mit dessen Regalien und Pertinentien Ao. 1377 unter andern hohen Begnadigungen geschencket worden. Jn dem untern Stock des Schlosses pflegte der Hauptmann seine Wohnung zu haben; in dem andern Theile hatten die ankommenden Gäste, die über Nacht auf der Festung verblieben, ihre beqveme Zimmer; Jn dem obern Stocke waren zweÿ kleine Zeughäuser, welche beyderseits mit denen zur Defension gehörigen Armaturen von Stücken, Doppelhacken, langen Röhren, Flinten, Musqveten, desgleichen mit vielen alten Seiten=Gewehren, als langen und breiten Schwerdtern, so die alten Fürsten und Hertzoge in denen Kriegs=Zügen führen ließen, versehen. Jn besagtem unterm Zeughause

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wurde auch des Weÿland berühmten Käyserl. Kriegs=Obristens, Tobiæ von Weene und Giesenburg in Feldzügen geführter Harnisch, auf welchen zwar eine viel Pfündige Kugel getroffen, dennoch aber weder denselben durchbrochen, noch weniger dieses streitbaren Heldens tapfferes Gemüthe verzagt gemacht, aufbehalten. Jm andern und obern Zeughause wurden mancherleÿ Harnische, Pantzer=Hembde und Sturmhauben, deren theils von der Lignitzischen Wahlstatt, als die Tartaren Ao. 1241 den bluthigen Sieg über die Christen erhielten zum ewigen Gedächtnis dahin gebracht worden. So war auch in beÿden Waffenzimmern, an Bleÿ=Kugeln, Pulver, Lunten und andern Kriegs=Nothwendigkeiten kein Mangel, also, daß diese kleine Festung mit einer geringen Besatzung sich einer ziemlichen Heeres=Macht wiedersetzen kunte. So ist auch in dreÿ unterschiedenen in Felsen eingehauenen Cisternen, das Schnee= und Regen=Wasser aufgefangen worden, deßen man sich zur Noth genungsam bedienen kunte. Biß dato ist es noch von keinem Feinde bestürmet, vielweniger erobert worden. An. 1426 ließen sich zwar die Hussiten gelüsten, den Orth zu gewinnen; musten aber, weil sie die Unmöglichkeit, wegen Kürtze der Zeit, zu Sinne zogen, ohne einigen Angriff und Sturm vorbey gehen.

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Jm sechzehenden Seculo, hat der Donner etliche mahl in dieses Schloß geschlagen, doch ohne Brand und Schaden; Allein Ao. 1674 den 31. Augusti zündete ein Donnerstreich das Schloß an und verbrannte viel Gütter und einen grossen Theil der Rüstkammer, von welcher Zeit an es gäntzlich im Ruin lieget. Wiewohl aber würde es gelassen haben, wenn diese Zierde des Landes zu seinem vorigen Glantze gelangen könnte. Mitten im Schloß=Platze stehet eine steinerne Säule mit einem Halß=Eisen, womit ein ieder, alter Gewohnheit und Gerechtigkeit nach, der die Vestung bestieg und besahe, sich muste umhalsen und seinen Nahmen in ein besonderes Buch einschreiben lassen. Welches nach der Zeit auch ins Abkommen gerathen, doch bleiben diese Verse zum Andencken davon übrig ex. Nas. Phoen. Rediv. p. 271
Hæc est virgines fundata columna decori
Jn petra id meruit nobile virgo decus

Vi nulla potuit violarier
Virginitas
, statuit gloria pyramidem

Virgineum qvicunqen fovet spectare decorem,
Torqvatus debet Manlius esse prius

Applicat huic jugulum suspensa

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Hunc torqvem sponso sponsa

Die Säule ist ein stes Denckmal der unverletzten Jungferschafft,
Ein Schmuck, der diesen Felsen zieret, So rühmt
man, was so tugenhafft!
Man braucht Gewalt, man setzt der Festung mit
Macht zu, man schont ihrer nicht;
Doch gantz vergebens! Jhr zum Ruhme hat man die Säule aufgericht.

Wer dieser reinen Jungfer Zierde zu sehn begehrt, derselben muß
Was? seÿn, es taugt zu sagen, Wer? ein Torqvatus Manlius.

Drum lege dir nur diesen Hals=Band getrost um deinen Halß herum.

Ein solches Kleinod schenckt dem Bräutgam die
Braut zum schönsten Eigenthum.

Auf dem hohen Thurme, der von unten hinauf gantz zu gemauert war, und also ohne Leÿtern nicht kunte erstiegen werden, stund ein Kupfferner und vergoldeter Knopff, der einen ziemlichen Antheil Getreÿdes in sich begreiffen können. Oben auf dem Thurme kunte man das Riesen=

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Gebürge und die umliegendeThäler weit und breit überschauen. Unten inwendig des Schlosses stunden etliche Kriegs=Stücke auf der Pasteÿ, welche den Eingang vor allen Anlauffen befreÿen und schützen kunten, sie sich ietzo bey Solennitäten hören lassen. So war auf der Seite des Thurmes eine gewölbte Capelle zum GOttes=Dienste. Jn der Mitten des 1735 Jahres wurde nach dem Exempel der Schnee=Koppe ein Buch wieder zurecht gemacht, in welches alle diejenigen, welche die Rudeta von dieser Beschauungs=würdigen Antiqvität belieben in Augenschein zunehmen; ihre Namen schreiben. Der Anfang wurde nach einer kurtzen Erzehlung von dem Erbauer und Besitzer, nebst andern Merckwürdigketen dieses Schlosses, von einem kÿnastischen Unterthan G. F. F. mit diesen Versen gemacht.

Du Anmuths=volle Höh, auf welcher Berg und Wälder
Jn einer reichen Zahl mit Lust zu sehen seÿn,
Wie schöne lassen nicht die schlanck und gleichen Felder
Wie artig schlüssen sich die Berge rund um ein?
Wie spielt der Sonnen Glantz auf den so vielen Teichen,
Wie manche Häuser sind darzwischen eingeschlingt
Was man sich kurtz ersteigt, ist fast nicht zu vergleichen

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Da ieder Blick allhier was ungemeines bringt.

Der Greiffstein lässt sich hier auf unserm Kÿnast sehen,
Weil diese zweÿ schon längst so gute Freunde sind.

Vom Gräntz= und Spitzen=Berg kann es zwar auch geschehen,
Doch so, daß man darbeÿ gering’re Freundschafft findt.

An wen gedenck ich ietzt auf dieser schönen Höhe,
An DJCH, du theures Haupt, das diesen Berg besitzt.

GOtt helff, daß dieser Baum nicht alte, fall, vergehe,
Des Schatten allzu gut die Unterthanen schützt.

Viel tausend hohes Wohl soll DJR der Himmel geben,
Das unermüdt=besorgt auf unser Wohlseÿn denckt,
Der Himmel lasse DJCH zu unser Freude leben,
So wird viel tausenden, was unschätzbar geschenckt.

Jn dem Musters Haus, sammt deinen späten Zweigen,
Steig immer höher noch mit so viel Glück empor,
So viele Bäume sich in deinen Wäldern zeigen,
Der gantze hohe Stamm sey stes im höchsten Flor.

So wachse, so lange der Kynast den Nahmen behält,
und bleibe gesegnet bis gar noch aus Ende der Welt.

Seit dem hat man gehöret, daß der Berg fleissig bestiegen werde, und

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daß man oben ein besonderes Plaisir antreffen oder sich machen können. Jn einem Zimmer der fürtrefflichen Hoch=Reich Gräffl. Schaffgotschischen Bibliothec auf dem Andern Hause zu Hermsdorff ist ein gantzer Berg von Crÿstall, Topasen, Jaspis, Chaloedonien etc. aus hiesigen Gebürgen zusammen gesetzt, auf dessen Spitze das Schloß Kÿnast stehet, in dem Stande, wie es vor dem Brande gewesen. So gewiß sehenswürdig und wenn es zu verkauffen stünde, schon längst vor 200 Scudi bezahlet wäre. vid. Gel. Neuigk. Schles. de An. 1735 p. 293.

Jch erinnere mich einer artigen Geschichte aus Lucæ Schles. Denckw. p. 955. Vor etlichen Jahren schreibt er, ambirte einer von des Grafen Schaffgotschens Bedienten inständig ein höher Amt. Der Graf versprach ihm Schertzweise: Er wolte ihm die Hauptmannschafft auf dem Kÿnaste geben und zu seiner Besoldung alle Zölle von der vorbeÿ passirenden Fracht=Wagen und Kauffmanns=Güttern überlassen. Der guter Kerl dem dieses Orts Gelegenheit allerdings unbekant war, nahm solches mit Danck, vor eine große Gnade an, in Hoffnung ein Stücke Geld

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zu schmeltzen; Allein dieser neue Hauptmann wartete ein Jahr, zweÿ Jahr, ehe iemand den ersten Heller entrichtete, oder ehe der erste Fracht=Wagen vorbeÿ passirte. Wie er nun merckte, was in diesem Winckel zuthun wäre, supplicirte er um seine Dimission und wollte einem anderrn die Zoll=Verwaltung überlassen.

Das Bolcken= oder Mol=
cken=Haus.

Das Bolcken= oder Molcken=Haus war vor Alters ein wohlverwahrtes Schloß, welches, von dem Heÿdenthum herrühret, und von dem Hertzoge Bolcone Procero Ao. 1198 an diesem lustigen Orthe am Bober erneuert und ergäntzet wurde. Zweiffels ohne hat Hertzog Bolco das Schloß nach seinem Nahmen benennet, mag etwa hernach durch Mißbrauch der Dorff=Leuthe im Molcken=Haus seÿn verwandelt worden. Ao. 1428 hat man es zu Abwendung grösseren Landes=Schaden, beÿ dem damahligen Hussiten=Aufruhr abtragen

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und schleiffen müssen. Gehöret unter das Gut Eichberg, anietzo Hrn. Francisco Maximiliano Grafen von Karwath, Herrn auf Maÿwalde, Schilde und Eichberg etc. und Hochverordneten Landes Eltesten der Fürstenthümer Schweidnitz und Jauer Hirschbergischen Weichbildes zuständig.

Der Falckenstein.

Der Falckenstein führet seinen Ursprung aus dem Heÿdenthum, welches Henricus Barbartus erneuren lassen. Ao. 1426 haben es die Hussiten trefflich bestürmet und dennoch nicht erobert, ist aber nach dem Hussiten Kriege dem Lande zum besten abgetragen und zerstöret worden. Lag nahe am Bober beÿ Fischbach, soll nach Anweisung des alten und weiten Gemäuers ein mächtiges Gebäude gewesen seÿn. Beÿ Abführung des neuen Gebäudes soll der Hertzog inwendig auf dem Felsen=Stein des alten Gemäuers etliche Falcken angetroffen und davor dem Schlosse Nahmen gegeben haben.

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Der Bolcken=oder
Boltzen=Stein.

Der Bolcken oder Boltzen=Stein lag in dem Gebürge auf einem hohen Felsen. War lange Zeit in den bösen Kriegs=Läufften eine Zuflucht armer Leute, die ihr weniges Vermögen dahin verwahrten, auch sich selbst wieder streiffende Völcker dem Orte vertraueten. Jm dreÿssig=Jährigen Kriege besorgten die Schweden, daß die Käyserlichen sich dieses Orths weiter zu ihrem Nutzen bedienen möchten; deswegen nahm der General Königsmarck solchen mit Gewalt ein und legte Besatzung darein. Allein die Käyserl. bloqvirten diesen Orth offt, stelleten sich auch denselbigen wegzunehmen; Daher ließ der General Torstensohn Ao.1643 alle Wercke einreissen und gantz ausbrennen. vid. Melissantes Schauplatz von Erbau= und Verwüstung vieler Städte, Schlößer etc. II. 120. Liegt nicht im Schweidnitzischen sondern Jaurischen Fürstenthume und ist von Bolzone, dem Böhmischen Königlichen Stallmeister erbauet worden. Friedericus Freÿherr von Burghauß erbauete um die Helffte

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des 14 Seculi das Schloß zu Kupfferberg und nennete es nach seinem Nahmen Burghauß, welcher Nahmen es heütiges Tages noch führet. Von diesem Friderico Freÿ=Herrn von Burghauß kam das Kupfferbergische Schloß und Guth an gedachten Bolzonem, aus was für Ursache und mit was von Umständen ist ungewiß. Gleichwohl schien es, daß er vielleicht nicht geringer seÿn wolte, als des Burghaußischern Schlosses Erbauer; Dem es dannenhero gleichsam nach zuthun führte er dieses nicht weit von Kupfferberg auf einem Felsen liegende Schloß von Grund aus auf, und nennete es zu seinem Gedächtnis den Boltzenstein. Doch Ao. 1512 ist es wiederum durch ordentlichen Kauff an die Ritter von Burghauß kommen und zwar von Hr. Conrad von Hohberg auf Fürstenstein p. laut Königs Uladislav in Hungarn und Böhmen, als Hertzogs in Schlesien, zu Ofen Ao. 1514 darüber ertheilten Bestetigung, von welchem des zugleich die Freÿheit erhalten, das wüste Schloß Boltzenstein wieder aufzurichten und zuerbauen. Nachgehends haben dieses Schloß

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unterschiedene Herren von Schaffgotsch besessen. Hr. Daniel Schaffgotsche, Ulrici, der sechs Söhne hinterlassen, fünffter Sohn, der Ao. 1633 im 73 Jahre seines Alters gestorben, schrieb sich auf Boltzenstein. Deßen Sohn, Hr. Wolffgang Ulrich Schafgotsche, von Kÿnast, Greiffenstein und Boberstein auf Boltzenstein, Janowitz, Walters= und Petzelsdorff, geb. Ao. 1629, ist der welcher Ao. 1661 den 18. Jan. ohngefehr zwischen 9 und 10 Uhr vor Mittags beÿ Jacobsdorff eine Meile von Jauer auf seiner Heimreise in einem Duell durch einen tödtlichen Stich von Bernhard von Schindel entseelet worden, mit welchem die Janowitzer=Linie erloschen. Jn der Fürstenthums Kirche zum Heil. Geiste vor Jauer, siehet man seinen Trauer=Fahn hängen, da auf einer Seite das Brust=Bild, und unter demselben die Worte zusehen: Er ist nicht gestorben, wie ein Thor stirbet, deine Hände sind nicht gebunden, deine Füße nicht in Fessel gesetzet. 2. Sam. III. V. 34. Auf der andern Seite folgenden Reime:
So friedsam als ich war, hat ich doch Friede nicht;

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Jch muß auf Ritters Art die Ehre wieder suchen,
Die man mir rückwerts nahm. Jch fiel zwar ungerochen,
Doch fiel ich nicht aus Schuld, es thats die Eÿfer=Pflicht;
Daß Nahmen und Geschlecht nur blieben unverletzt.

Jst gleich das Leben hin, die Seel ist unverdorben,
Wer wohl gelebt in Gott, ist übel nie gestorben,
Dem ich gelebt, hat unschön ins Leben mich versetzt.

Beÿ dem Schaffgotschischen Wapen stehen die Worte Pauli Rom. 12. v. 18. vid. Hr. Schwertners 50 Jähriges Gedächtnis p. 26 und H. Krauses Miscell. Gent. Schaffg. p. 88. sq. Anietzo gehörets dem Hrn. Grafen Promnitz, der Janowitz und viel schöne Gütter in Schlesien an sich gebracht.

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Das Lehn=Haus.

Das Lehnhaus, welches im Löwenbergischen Weichbilde lieget, war von Alters eine Heydnische Festung, aber nach und nach gantz eingegangen. Boleslaus Crispus bauete auf den Felsen ein neues Schloß, so er selbst belohnete, und weil er darinnen die Lehns=Hand zureichen pflegte, davon den Nahmen erhielt. Desgleichen hat Bolco Procerus und Henricus Barbartus das Schloß lange Zeit bewohnet. es hat auch auf dem Lehn=Hause die Heil. Hedwig, in Abwesenheit ihres Gemahls viel Jahr zugebracht, welche täglich des Morgens von dem Lehnberge, zu Anhörung des göttlichen Amts ab und aufgestiegen. Dannenhero der auf halben Wege annoch liegende Stein, worauf die Heilige Hertzogin zu ruhen pflegte, der Ruhestein bis auf den heutigen Tag genennet wird, darüberber Naso in Phoenice artige Gedancken führet:
Hedwigis pedibus nudis descendit
Culmite
, ut exiguo cernat in

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Non nisi coelestem cernit
candida qvi rigue lilia

Cur pedius nudis HEDWJGJS obambulat? an non
Aurea spinosam novit ad

Omnia vincit amor, sentes putat esse rosetum,
Qvicqvid calcavit Dux, rosa verna fuit

Die große Hertzogin, die Fürstin frommer Frauen

Steigt barfuß von der Höh, GOtt in der Welt zu schauen.

So sieht die Demuth, was der Seelen=Brautgam giebt,
der weisse Lilien im düstern Thale liebt.

Warum will Hedwig denn mit blossen Füssen gehen?
Weil auf der gülden Bahn zum Himmel, Dornen stehen;
die sieht der Liebe Brunst vor Rosenfelder an.

Wohin die Fürstin trat, war eine Rosen=Bahn. Dieses Schloß wurde Ao. 1427 von den

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Hussiten vergebens belagert, die hernach zur Rache das im Thal gelegene Städtlein Lehn in Brand gesteckt. Jst im dreÿssig=Jährigen Kriege dreÿmahl durch die Kayserlichen Völcker, und zweymahl durch die Schwedischen Waffen erobert, auch von daraus unsere Stadt Hirschberg genung bedränget worden. Dannenhero weil hierdurch dem Lande großer Stade erfolget, ist die Festung auf allergnädigste Kaÿserl. Verordnung abgetragen und zerstöret worden. Fechnerus gedencket dessen an verschiedenen Orten: Einmahl in Elys. Sylvis, und zwar in dem schönen Gedichte vom Boberfluße, nach dem er gemeldet, wie der Bober sich mit dem Zacken vermische, hernach durch viel angenehme Gegenden bis nach Lehn fortlauffe, wie forn in diesem Theile zulesen; Hernach auch in dem Gedichte vom Lehnhauser=Berg:
Lehnæus Mons, arce Lehnhusii parantqva olim spectabilis

Arx est (imo fuit) Lehnhusi nomine clara,
Condita qva qvondam sublimi in vertice rupis

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Jnfra se Lehnam porrectam in valle reducta,
Boberiqen vias humiles prospectat

Præbuit hæc olim gratua Dulcemqen recessum
HENRJCO
, promissa dedit cui nobile barba
Nomen et HEDWJGJS rara

Hujus monstrat ad huc rigidum vestigia saxum,
Jn qvo consedisse fernat, cum mane rediret
A sacris
, caperetqen brevem defessa qvietem,
Præbet ubi adcensum præcellsi ad culmina castri
Ardua dissicdem per densa

Sic prisci narrant. Sed nattant hoc qvogen prisci:
Hancjam laudatum, prognatum è stirpe PJASTJ,
HENRJCUM struxisse domum, qvam nomine feudi
Jllustris deinceps
(nomen qvod prodit) eqvestres
Obstinuere viri
, generoso stemmate nati

Sed qvo jam Cessit venerandi gloria castri?
Heu destructa jacet altâ in caute cadaven,
Murorum et turris collapsæ ruina !
Diruit antiqvam Martis violentia sedem

sed sedem tantum vacuam, non nobilis arcis

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Eximium nomen: Manet hoc semperqen mandit
Montis Lehnæi culmen dum stabit apricum
,
Dum Boberus aqvas declini

Welches Anonymus, oder Hr. Carl Neumann der Hoch=Reichs= Gräffl. Schaffgotschischen Herrschafft Giersdorff Hochverdienter Jnspector, der Herrschafft Kynast Amts=Schreiber und der Hoch=Reichs= Gräffl. Bibliothec in Hermsdorff Bibliothecarius, also deutsch gegeben:
Herr, wo der Bober=Fluß in seichtern Ufern schleichet,
Und an dem Lehne hin bald West= bald Nordwerts streichet;
Liegt ein uhraltes Schloß, das Berg und Felsen ziert
Und von den Lehnen noch den Nahmen Lehnhauß führt.

An diesem stillen Ort hat sich der Fürst erqvicket,
Wenn die Regierungs=Last ihn müd und matt gedrücket.

Fürst Heinrich mit dem Bart liebt es gantz ungemein
Und seine Hedewig wolt immer um ihn seÿn.

Die Fürstin Hedewig, das Muster frommen Frauen,
Auf die die Schlesier noch als Patronin schauen
Hat manche Tage hier mit beten zugebracht,

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Und nicht an Fürsten=Hutt, nich an den Hof gedacht.

Fast alle Morgen hat Sie diesen Berg erstiegen
Und Sträuche, Stock und Stein, so in dem Wege liegen.

Man zeiget noch den Felß, wo Sie die Ruhe nahm
Wenn Sie voll Staub und Schweiß vom GOttes=Dienste kam.

Dies alles ist auf uns von denen Vätern kommen,
Von dem die Kinder es vor Wahrheit angenommen.

Die Alten setzen noch der Sage ferner beÿ,
Daß dieser Henrich selbst des Schlosses Stiffter seÿ

Der Henrich, den Piast als ersten Anherr ziehret,
Von welchem sein Geschlecht unstreitig hergerühret;
Der hat es nach der Zeit zu einem Lehn gemacht,
Und als sein Eigenthum auf Edle Ritter bracht.

Jedoch, wo ist der Ruhm des Schlosses hingekommen?
Wer hat ihm seine Pracht? Wer seinen Stoltz benommen?
Des that die Krieges Wutt. Die ietzt vorüber gehen,
Sehn nichts als einen Thurm und alte Mauer stehn,
Laß seÿn, du bist zerstöhrt, dein Nahme wird bekleiden.

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Und denen künfftigen stets im Gedächtnis bleiben;
So lang des Bobers Strom den alten Lauff behält,
Jst es Unmöglichkeit, daß dein Gedächtnis fällt.

Noch einige andere
Schlösser.

Hierunter ist auch das jenige Schloß zu zehlen, welches nicht weit von dme Fußsteige von hier nach Bober=Röhrsdorff im Gepüsche und harte darbeÿ am Bober angeleget und erbauet worden. Auf dem halben Wege wird der Stein noch gezeiget, auf welchem die Mörder sowohl Geld gemacht, als auch das Geld, so sie etwan erbeuthet, sollen getheilet haben: desgleichen einen andern Orth, den man ihren Kegel=Platz nennen will, und von dannen man den nechsten und beqvemsten Weg zum Schlosse finden kann. Von dem Schlosse aber siehet man anietzo nichts mehr, also ein festes Stücke Mauer an der Spitze nach gemeldetem Bober=Röhrsdorff. Über dem Bober sollen sie eine Auffzieh=Brücke und mit derselben eine Communication so wohl mit der so gegannten Kalten=Küche oder Kalten=Schmiede, wo vor Zeiten Geld soll seyn geschlagen worden, und gleich gegen über liegt, als auch

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mit dem Hausberge, dazu der beqveme Weg am Bober hinauf jenseits mit dücken Bäumen besetzt, sie genung bedecken können, gehabt haben. Zu mehrer Befestigung dieses Schlosses hat der Bober um den Felsen herum sollen geführet werden, und wo auch schon der Bober in den Graben hier einschlägt, desgleichen wo die Auffzieh=Brücke beÿm Eingange hinein kommen sollen, gar deutlich zu sehen sind, wenn sie nicht zubalde daran wären gestöhret worden. Womit es sich also verhalten soll: Die Mörder hätten dereinst eine Jungfer aus der Mühle zu Bober=Röhrsdorff entführet und fünff Jahr zu ihrem Dienste bey sich behalten. Nach solcher Zeit wäre sie dereinst in ihren Verrichtungen, etliche meÿnen, einige Bratwürste vor sie einzukauffen, nach der Stadt Hirschberg gesendet worden; Hätte aber mit einem Eÿde zuvor angeloben müssen, daß sie einen Mund halten und von ihrem Vorhaben keinen Menschen nichts offenbahren wollen. Diesem wäre sie nun wohl gebühres nachkommen, hatte aber grosse Angst bey sich empfunden und nicht gewust, wie sie das Unwesen bekandt machen und sich in Sicherheit stellen, doch aber ihren Eÿd nicht brechen möchte. Endlich ware sie zu einem Steine in der Stadt getreten, denselben hätte sie alles bitterlich

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geklaget; Es wären aber bald mehrer Leute herzu kommen, die es mit angehöret und weiter davon geredt hatten. Damit aber diese Jungfer gleichwohl ihren Eÿd nicht brechen dürffte, hätte man ihr ein Säcklein mit Erbsen gegeben, und damit diese Strasse bis zum Raub=Schlosse bezeichnen lassen. Doch eben diese Erzehlung hat ein Chronicon MSTam von einer Höle beÿ Lignitz und berufft sich noch darzu auf ein Bild in der SS. Petro=Paul Kirche daselbst. vid. Hr. D. Wahrendorffs Lignitz. Merckw. allwo p. 290. 291. dieselbe Geschichte in deutschen Versen zulesen. Also möchte die folgende Erzehlung der Wahrheit etwas näher treten: Als die Mörder dieselbige in der Stadt geschickt, wäre sie von etlichen ihren Gefreundten angetroffen worden, welche sie gekennet hätte. Da die Sache ruchbar worden, hätte man ihr ein Säckel mit Erbsen mit gegeben und damit den Weg bis zum Schlosse bestreuen lassen, daß man denselben hernach desto beßer hätte finden können. Welches sie glücklich bewerckstelliget, sie wäre aber nicht wieder in das Raub=Schloß hienringegangen, sondern zurücke in die Stadt gekehret. Hierauf wären die Bürger aus der Stadt mit ihrem Geschosse ausgezogen, davon der eine Theil sich auf der Höhe beÿ der Kalten=Küche oder von Lägners Seite, wo man dem Schloße am besten beykommen können, gelagert und mit zweÿ Stücken das Schloß starck beschossen,

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deßen aber die Räuber nur gespottet hätten. Zu gleicher Zeit wäre der andere Theil der Erbsen=Spur nachgegangen, derselbe hätte sich bald etlicher Räuber im Walde bemächtiget und hierauf das über den Hauffen geschossene Schloß unversehens überfallen und was man angetroffen, theils niedegehauen, theils gefangen genommen, etliche waren über die Brücke, so sie über den Bober gehabt, und durch das Loch, worinnen sie auch sollen Geld gemacht haben, entkommen. Der Wald ist damahls sehr dicke und so groß gewesen, daß er bis an den Bober= Rörsdorffischen Hof und ferner herein auf die Stadt zu, bis an den so genannten Boden, gegangen.

Ein dergleichen Raub=Schloß ist auch in dem Grün=Pusche anzutreffen gewesen, davon oben auf der Höhe auch nach ein Stück Mauer zusehen und darinnen sich die Räuber, wenn sie eine reiche Beute eingebracht, ungemein lustig gemacht, daß man ihr Jauchtzen und Frohlocken in der Ebene herum weit und breit hören können. Wenn aber und wie dasselbe so wohl erbauet als zerstöret worden, ist unbekandt. Zur Zeit des großen Jnterregni, nach Käysers Friderici II. Tode Ao. 1250 bis zur Wahl Rudolphi Habspurgici Ao. 1273, da viel Unordnungen im

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deutschen Reiche eingeschlichen, sollen hin und wieder viel Raubschlösser seÿn aufgebauet worden. Denn weil kein gewissser Kÿser zu der Zeit regiret, folglichen auch keine Gerichte im Reiche geheget worden, so hätten so wohl Edele, als Privati sich alles dasjenige zuegeeignet, was sie durch die Oberhand bemächtigen können, wie Hr. D. Hering in der Histor. Nachricht von der Stifftung der zweÿ Collegiat=Kirchen im alten Stetin p. 24 meldet. Es sind vor Jahren schreibet M. Frider. Holstein, Parochus Bodeslav, in Excerptis ex Chronicis der Stadt Buntzlau, Cap. X. arme Reuter und verdorbene Edel=Leuthe gewesen, die ihnen Raub=Häuser erbauet auf die Berge und selbige mit Wasser umgeben und mit Stämmen verwahret. Ein solch Raub=Nest ist gewesen hinter dem Dörfflein Possen beÿ Ottendorff, auch auf dem Grätzberge, ehe denn ein Schloß darauf gebauet; desgleichen um Utig, und zwar haben solche Räuber gantze Dörffer geplündert. Wie die Vornehmsten geheissen, ist in den geschriebenen Chronicken der Schlesier, Breßlauer, und Lausitzer zu finden. Gegen deren Einfall sich zu verwahren sind Thürme gebauet, die man Warten genennet, auf die, wenn das Bauern=Volck mit dem Zug=Vieh in dem Felde gearbeitet, ein Wächter

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verordnet gewesen, der darauf Achtung geben müssen, und wenn er von fern der Räuber inne worden, hat er einen Korb ausgehangen. Welchen, so ihn das Volck gesehen haben sie sich bald mit ihrem Vieh geflüchtet und einander beÿgestanden. Eben zu solcher Zeit, nehmlich Ao. 1263 soll, wie in der Breßlauischen Chronica, nach dem Bericht des Buntzlauischen Chronici MSTi gelesen wird, ein gewießer Fürst in der Schlesien gewesen seÿn (: deßen nahmen unbillig geschwiegen würdet :) der hätte die Räubereÿ und Auffbauung der Raubschlösser gestattet, sonder Zweiffel aus der Ursache, damit er in vorfallender Kriegs=Noth desto mehr Räuber hätte, die sich vom Stege=Reiffen genehret. Nachdem aber die Dörffer besser erbauet und die Büchsen gemein worden, wäre die Räubereÿ gedämpffet worden. Vid. Luc. Schles. Denckw. p. 1874 sq. Dem mag wohl also seÿn; Allein die meisten Raubschlösser mögen wohl beÿ dem Hussitischen Unwesen, um das Jahr 1421 bis 1436 seÿn erbauet und wiederum zerstöret worden. Wiewohl der Talckenstein im Lembergischen sich bis Ao. 1479 erhalten hat, da er auf Befehl Königs Matthiæ belagert und mit großer Mühe gebrochen, zersprenget und geschleiffet worden. Dieses Schloß besaß einer von Talckenberg, der von daraus viel Räubereÿ und Mord soll begangen haben, ist mit allen

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Zugehörungen, Wäldern, und Forwergen, sammt dem Dorffe Welckersdorff, der Stadt Lemberg ewiglich zugenüssen geschecket worden. Faber in Sabotho*) mahlet den übeln Zustand und dieses böse Raub=Gesindel, welches ohne Pflug und Ege auf frembden Aeckern, wo sie nicht gesaet, Gold eingeerndtet, das ist, denen Reisenden die Schub=Säcke und Taschen geackert hätten, darunter sich viel vom Adel finden lassen; Es habe auch weder Galgen noch Rad sie von diesen bösen Thaten abschrecken mögen, mit lebendigen Farben ab.**) Doch ist

*) Jst Ao. 1715 wieder aufgebauet und in Hrn. Regierungs=Rath Füldners Bio et Bibliogr: Vol. I. p. 399 sqq. recensiret worden.
**) Cumqen laborantes graviter tot pestibus urbes
Asseret nemo, progressis nullaqen septo.
Tuta nec oppositis occulta semita vallis,
Aut qvæsita altis divortia fallere sylvis
Prædonum insidias possent, potuisse lutronum
Mercatorum ullam intentas indagine nares
Scilicet effugere? et tuto transmittere merces
Num vero Muvies, furumqen é plebe manipli
Tot passim immunes potuere avertere praedam
Candibus ? et toti regioni illudere rapto?
Altius ah longe et majoribus excita Cauris
Tempestas eadem in deprensos undiqen cives,
Sæviit et sicca tellure voracibus hausit
Naufragiis cæsos fortunaqen exiit omni.
Jpsi etenim, nimirum ipsi, qvos nuper agestri
Nobilitas fastu inflavit vaniqen sub umbra
Nominis, ausuri qvodvis scelus omniaqen ausis
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diesem Unheil in Schlesien durch Königs Matthiæ Landfrieden An. 1474, besonders zu Anfange des 16 Seculi durch König Sigismundum, der als damahliger Hertzog zu Troppau und Obristen Hauptmann in Schlesien, sonst Königs Wladislai Bruder den rechten Ernst gezeiget und alle, ohne Ansehen des Adels hinrichten lassen, völlig abgeholffen worden. Faber erzehlet solches ebenfals an gemeldetetem Orte mit merckwürdigen Umständen, die der gelehrte Hr. Prælate Fiebiger im

Deliciæ, crabronam instar perrumpere cahes
Sacrarum legum, vastosqen obtendere fumos:
Tum qvibus ignava otia, et allia et alea pernox
Semente haut facta sine rastra et oomeris usu
Aurea proveniens aliens messis in agro,
Vectigal censusqen suit reumqen facultas
Summa parandarum has ipsi movere procellas,
Vexarumqen omnem furtis er cædibus oram;
Hæcqen ad eo scabies vernacula semina sparsit
Circumqvaqen vagantqen ingentibus incrementis
Ordinis egregii titulos et nomen eqvestre
Emernit progressa alte et radicibus hasit
Vix ut carnificum nuper gladiisqen totisqen
Qviberit evelli, nec enim mansvescit aratro
Jsta filix alio, atqvi sic dira ferarum
Restincta est rabies volucrum in spelæa domosqen
Harpyiarum itum est flammis et vindice ferro
Eruimus tristes latesbras.
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Lutherthum P. I. p. 227 oder edit. nobæ p. 210 also in deutsche Verse gebracht, die etwas besser, als des Lucæ in Schles. Denckw. p. 1069 gerathen:
Daß Schlesien hierauf die süße Ruh empfangen
Und daß der Wandersmann gantz sicher fortgegangen
Jst über Berg und Thal; der grosse Jagellon
Printz SJGJSMUND der trug verdientes Lob davon.

Der hätte sich geschämt, wenn er diß Ungeheuer
Diß Raub= und Mörder=Volck, so mit Mord, Brand und Feuer
Das arme Vaterland so lange Zeit geplagt,
Wie Hercules nicht hätt gedämpffet und verjagt.

Die Schärffe wieder sie hat keinen nicht verschonet
Er hat das Diebs=Gesind mit gleicher Straff belohnet,
Es mocht ein Edelmann, ein Herr seÿn oder Knecht,
War das Verbrechen gleich, erging auch gleiches Recht.

Man durffte keinem Herrn was von der Straffe schencken.

An einem Glagen must er sammt dem Diener hencken,
Wie Vater, Sohn und Knecht auf eine Weiß geraubt
So wurden sie zugleich mit einem Schwerdt enthaupt.

Als solches dergestalt in unserm Land geschehen,
Daß man fast alle Dieb am Galgen zappeln sehen,
Die haben ihrer viel sich zwar darob entsetzt,
Die aber, welche sie bestohlen, sich ergötzt.

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Wir beschlüssen diese Abhandlung mit einem dreÿfachen Lobspruch unser Stadt Hirschberg, welcher derselben rühmliches Andencken auf die späte Nachwelt fortpflantzen wird:
Johannes Arithmæus, von Lignitz u. damahliger Rector der Schule zu Steinau, hernach ein berühmter Professor beÿ der Universität Franckfurthg an der Oder beschreibet deßen lage, Befestigung, friedliebenden Bürgerschafft, Nahrung, Kauffmannschafft, wohlausgebauten Häusern, Warmen=Bade, das vielen geholfen und unsere Stadt über die andern erhübe, gelehrten Leuten, die ihren Ruhm bis an die Sterne trüge seinen Töchtern, gesunder Lufft u.s.w.

Urbs Hirschberga jacet longe contractibus ampla
Montibus excelsis tollens super æthera famam.

Muris cincta potens obstat violentibus hostis
Telis et vibrat summis de turribus omnen
Diram acien, et servat pacato cardine cives.

Hic colus, hic linum misero dant pabula vitæ,
Et mercator, avens grandi decrescere merce
Hic stomachum sæturat sistendi pondere lucri
Dum sitit ist nitidis implere palatia gemmis.

Hic tepidæ celebrant urbis qvoqen nomina thermæ
Splendida, qvæ menori tradunt miracula seclo.

Ex etemim saxis emanant flamina largè,

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Sanna calore suo qvæ sanant noxia marbi,
Ægrotis reparant vires et vesoera curant.

O! sacra Urbs Medico, naturæ ex ordine, tanto
Qvæ gaudes, superausreliqvas hoc munere claras
Urbes. Qvod nullas poterat vel abarte Machaon
..toc Hirschberga potest, qvæ usu, superate dolores,
Themarum didicit nigram et salvertere cymbam
ten styge sub media miseris qvoqen reddere vitam.

Jtic genii ingeniiqen boni est et fetilis aura,
Ergo viros claros formavit tempore qvovis,
Ovi patriæ laudem veherent virtute sub astra.

Æqve etiam præstat reliqvis longe urbibus amptis
Laude puellarum qestus vultuaqen modesti.

Hæc dum waginqvi poluli sic visere tecta
Urbis turrigere strilent, et nosare tempe
Thessala de terra peregnam Jndi et Harates Advenit. p.

So weiß auch Philotheus im Lobspruch Schlesiens unser Stadt Hirschberg eine sonderbahre Ehren an zuthun. Denn wenn er nach dem Exempel des Ruhmsichtigen Welschlands, welches die Tugenden ihrer Städte so ein zutheilen weiß, daß Florentz die Schöne, Mantua die Rühmliche, Maÿland die Große, Verona die Würdige, Bologna die Fette, Capua die Verliebte, Brescia die Gewaffnete, Lucca die Fleissige oder Arbeitsame, Siena die Feierliche oder Beredte, Padua die Gelehrte, Ferara die Höffliche, Cremona die Getreue, Rom die Heilige heisset: Ebener Gestalt Breßlau, die Haupt=Stadt unsers berühmten Schlesiens,die Reiche,

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Gelehrte und Heilige, Glogau die Grosse und Arbeitsame; Brieg die Schöne und Anmutige; Schweidnitz die Fette, Striegau die Bewundernste; Liegnitz die Fruchtbare; Wohlstadt die Merckwürdige; Wohlau die Feste; Beuthen die Lustige; und Jauer die Aufrichtige benennet; so giebt er unserm Hirschberg den besonderen Lobspruch die Güttige, Höffliche und Gesunde, den sie auch mit allem Rechte verdienet.

So wuste auch unser ehemaliger berühmter Stadt=Physicus, Hr. D. Adam Christian Thebesius sie in folgenden Rätzlein wohl zu beschreiben:
Jch muß im deutschen Reich in einem Winckel leben,
Sarmatien hat mir die erste Mich gegeben,
Als ich nach Böhmen kam, ward ich der Kindheit loß,
Und wurde mit der Zeit nebst den Geschwistern groß,
Jch stieg Berg ab und an beÿ Krieg und Friedens=Zeiten
Und suchte mit viel Müh in Glück und Ehr zu streiten.

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Griechenland hat man den Kopff nur abgekürtzt,
Doch hat der halbe Mond ihn noch nicht gar gestürtzt.

Allein in Franckreich muß ich beÿde Hertzens=Kammern
Mir gantz entrissen sehn, doch ohne alles Jammern.

So offt mein schwacher Leib verstimmelt werden soll,
So geringer ist mein Weh, in größer ist mein Wohl.

Kein Haupt und halber Leib trägt eine grosse Crone,
Des Rückens Buckel macht, daß ihn der Neid verschone,
Doch nein, er schont ihn nicht, er giebt ihm machen Streich
Und macht auch dißfals gar den Höchsten Häuptern gleich.

An Söhnen bin ich reich, und viele sind vermählet,
Auf solche Arth, daß nichts an ihrem Glücke fehlet,
Nur diß bewundert man, daß ihre schöne Zucht*),
So schön sie ist, doch gern entblöste Leiben sucht.

*) linreum et peplum.
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Griechenland hat man den Kopff nur abgekürtzt,
Doch hat der halbe Mond ihn noch nicht gar gestürtzt.

Allein in Franckreich muß ich beÿde Hertzens=Kammern
Mir gantz entrissen sehn, doch ohne alles Jammern.

So offt mein schwacher Leib verstimmelt werden soll,
So geringer ist mein Weh, in größer ist mein Wohl.

Kein Haupt und halber Leib trägt eine grosse Crone,
Des Rückens Buckel macht, daß ihn der Neid verschone,
Doch nein, er schont ihn nicht, er giebt ihm machen Streich
Und macht auch dißfals gar den Höchsten Häuptern gleich.

An Söhnen bin ich reich, und viele sind vermählet,
Auf solche Arth, daß nichts an ihrem Glücke fehlet,
Nur diß bewundert man, daß ihre schöne Zucht*),
So schön sie ist, doch gern entblöste Leiben sucht.

*) linreum et peplum.