Pauly Charlotte Elfriede
6. Dezember 1886, Stępiń Oleśnicki
24. März 1981, Berlin
Słownik Biograficzny Ziemi Jeleniogórskiej

Malerin, Grafikerin, Schriftstellerin

Jerzy Wróblewski

Charlotte E. Pauly ist am 6. Dezember 1886 in Stępin Oleśnicki - in der Nähe von Breslau geboren. In den Jahren 1909-1914 studierte Charlotte Pauly einige Fachrichtungen gleichzeitig in Breslau, Heidenberg, Berlin und in Freiberg. Sie beschäftigte sich mit Biologie, Anatomie, Literatur, Philosophie, Archäologie und mit Kunstgeschichte. In den Jahren 1913-1914 machte sie eine Forschungsreise nach Italien, wo sie Florenz, Siena, Venedig, San Gimigiano, Udine, Mailand, Genua, Rom und Assisis besuchte. 1915 promovierte Pauly am Institut für Kunstgeschichte der Universität Würzburg zum Thema „Der venezianische Lustgarten“.

Am Ende des Ersten Weltkrieges arbeitete sie 10 Monate als Freiwillige in einem Militärkrankenhaus in Ohlau (Oława). Danach studierte sie an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule bei Bernhard Pankok und an der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Pauly beschloss eine freie Künstlerin zu werden und sie verdiente ihr Geld aus eigenen Schaffen für ihren Lebensunterhalt. Sie war von Riesengebirge begeistert und wohnte seit 1919 in Krummhübel (Karpacz).

Für ihre Kunstentwicklung war die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhundert entscheidend. Sie verbrachte diese Zeit in Madrid. Pauly nahm Unterricht bei Daniel Vazquez Diaz und dank dieser Bekanntschaft trat sie in den Kulturkreis des Dichters Federico Garcia Lorca ein, dessen Gedichte sie schon früher übersetzte. Während des Aufenthaltes auf der Iberischen Halbinsel besichtigte sie Toledo, Córdoba, Grenada sowie den spanischen Teil des Staats Marokko. Pauly verbrachte viel Zeit mit Zigeunern und sie bewunderte ihre Freiheit und Liebe zur Natur. Sie übersetzte Zigeunerromane "Romancero gitano" ins Deutsche von dem Autor Lorca. Im Jahr 1928 wurde ein autobiographischer Roman von Charlotte Pauly "Die glückliche Halbinsel" in Stuttgart veröffentlicht, der über ihre spanische Reise erzählte. Von Spanien zog die temperamentvolle Künstlerin nach Nazaré in Portugal um. Sie ließ sich von ihrem Gefühl zu dem jungen Fischer Manuel Rol steuern und wohnte bei einer armen Familie, mit der sie die Mühen des Alltags teilte. Im Frühling 1932 trat sie von Portugal, ihre längste, fast einjährige Reise an, in der sie Griechenland, Syrien, Palästina, Persien, die Türkei, den Libanon und den Kaukasus besichtigte.

Charlotte Pauly war gegen die Nationalsozialisten und verbreitete Ideen von Toleranz, Demokratie und Freiheit. Sie bekam ein Aufstellungsverbot ihrer Bilder. Das Verbot kam als Folge ihrer Ausstellung von der expressionistischen Malerei, die die spanischen Zigeuner darstellte. Dies geschah als Folge der Präsentation der spanischen Zigeuner in Charlotte Pauly expressionistischen Werke und wurde zur Gelegenheit sie als "entartet" Künstlerin zu verurteilen. In den 30ger Jahren kehrte sie ins Riesengebirge zurück und seit 1935 wohnte Charlotte E. Pauly in Agnetendorf (Jagniątków). Sie war eine von den vielen Freunden des Nobelpreisträgers Gerhard Hauptmanns für dessen Werken sie sich begeisterte und malte einen Zyklus von Aquarellen, die Illustrationen zu Hauptmanns Roman "Die Insel der großen Mutter". waren. Neben Malerei beschäftigte sie sich mit literarischen Werken. In der Zeit von Agntetendorf entstand ihr Antikriegsroman "Der Tiger“ und die Harfe", der über Abenteuer der Familie eines schlesischen Pastors während des Dreißigjährigen Krieg erzählt.

Als Malerin erschaffte Charlotte Pauly eine Reihe von Porträts, die Gerhart Hauptmann und Margarete Marschalk veröffentlichen. Besonders ergreifend war eine Profilzeichnung, die den verstorbenen Hauptmann darstellte und am 8. Juni 1946 gemalt wurde. In der Malerei wandte sie sich gemäßigten Expressionisten zu, verwendend einer hellen Zusammensetzung von glanzlosen, ruhigen Farben. Die häufigsten Themen ihrer Werke waren Landschaftsbilder und Porträts. Das entsprach ihrem künstlerischen Temperament und ihre Vorliebe zu immer neuen Gestalten und Gefilde, auf der sie während ihres Lebensweg stieß.

Nach dem Krieg wohnte sie in Berlin – in Friedrichshagen, im Ort, wo Ende der 90ger Jahre eine Kolonie von Künstler und Literaten tätig war. Im Berliner Zeitabschnitt war sie mit einem bekannten Grafiker Hubert Tucholski in einer Beziehung. In zahlreichen Grafikwerken taucht die Thematik ihrer Reisen auf, besonders nach Portugal, Orient und Riesengebirge.

Charlotte E. Pauly starb in Berlin am 24. März 1981 im Alter von 95 Jahre. Heute wurde eine Straße in Berlin – Freidrichshagen den Namen Charlotte-E.-Pauly-Straße benannt.


Bibliographie:

  1. Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts, Hg. von Hans Vollmer, Leipzig 1958, Bd. 3, S. 556-557.
  2. Brade J., Moog S., “In der politischen Grauzone. Bildende Künstler im Riesengebirge und der Nationalsozialismus" [in:] "Die imposante Landschaft" Hg. von K. Bździach, Wrocław 1999, S. 246-247.
  3. Kühnel Anita, “Charlotte E. Pauly und Gerhart Hauptmann" [in:] Schlesien 1992, Bd 37, H. 3, S. 140-146.

Przemysław Wiater

Übersetzung: Agnieszka Zięba




Słownik Biograficzny Ziemi Jeleniogórskiej Słownik Biograficzny Ziemi Jeleniogórskiej
© JCIiER Książnica Karkonoska 2017
Jelenia Góra